22. April 2013

Rechts und links Warum die Vorwürfe an die AfD nur eine kalkulierte Frechheit darstellen

Es geht um die Bekämpfung bürgerlicher Prinzipien

Rechts ist dort, wo der Daumen links ist. Und umgekehrt. Oder, wie Johnny Cash schon sang:

 

“The one on the right was on the left

And the one in the middle was on the right

And the one on the left was in the middle”

 

Dies meint: Manche Aussagen und Einstellungen können sich, je nach Thema, überall wiederfinden – und die Menschen auch. So locker könnte man es sehen, wenn man in den USA zu Hause wäre, wo Menschen leben, die zum Beispiel patriotisch und sozial oder internationalistisch und freiheitlich denken, ohne in Schubladen abgelegt zu werden, die unseren ähneln. Tatsächlich geht es hierzulande um mehr und um andere Kategorien.

Was sollte ein in Deutschland lebender klassischer Rechter, also ein National-Sozialist aus dem NPD-Milieu, in einer liberal-konservativen Partei? Wenn jemand in den vergangenen Jahren von ganz rechts wechselte, dann in gefühlten 99 Prozent der Fälle nach ganz links! Deshalb wurden doch jene „Aussteiger-Programme“ aufgelegt, die immer nur ein Ergebnis brachten: den „radikalen Wechsel“ von ganz rechts nach ganz links mit der Auflage, nun ein aktiver „Antifaschist“ zu sein. Würde jemand von ganz rechts in die (gesellschaftliche) Mitte aussteigen, wäre es ja kein wirklicher Ausstieg, so das Echo von ganz links. Thema und Auftrag verfehlt, sozusagen. Nur wer auch ganz links landet, ist ein echter Aussteiger und bekommt das Gütesiegel einer ganzen politischen Industrie! Dutzende von „Einzelfällen“ sind bekannt! Auch eine Steinewerfer-Vergangenheit oder eine ehemalige RAF-Mitgliedschaft sind kein wirkliches Hindernis. Im Gegenteil, so scheint es. Mit einer NPD-Vergangenheit ist es demnach unproblematisch möglich, in die SPD, zu den Grünen oder zur Linkspartei überzuwechseln – zur demokratischen Mitte oder rechten Mitte jedoch bei Strafe verboten. Wie angedeutet, macht es für einen nationalen Sozialisten auch gar keinen Sinn. Seiner Gesinnung kann er mit der ganzen Palette der Losungen unzweifelhaft in der radikalen Linken ungebrochen weiter frönen, die Rhetorik muss nur vom nationalen Kampf auf „antiimperialistisch“ gestellt werden, T-Shirt, Hose, Treter und schwarz-rote Fahne bleiben.

Blicken wir in die Historie. Im Film „Hitlerjunge Quex“ dreht sich alles um die Austauschbarkeit der Milieus, will sagen: Er beschreibt die Loslösung von „Quex“ aus dem linken proletarischen Milieu und seinen Übergang zu den jungen Nationalsozialisten. Nicht nur das: Auch sein Umfeld, inklusive seines Vaters, der „Quex“ zunächst unter dem Abgesang der Internationalen verprügelte, schließt Frieden mit den Nazis.

„Kam‘raden, die Rotfront und Reaktion erschossen“, heißt es im Horst-Wessel-Lied, welches im Film gesungen wird. Die Reaktion? Also die… ja was denn nun? Richtig, die staatstragenden und konservativen Kräfte, die sowohl die Linke als auch die Rechte bekämpften, werden in einem Atemzug mit der echten politischen Konkurrenz, der Linken, genannt. „Die Reaktion“, das sind die Katholiken des Zentrums, die Deutsche Volkspartei Stresemanns, die Deutsche Demokratische Partei oder pragmatische und staatstragende Sozialdemokraten, also weite Teile des Bürgertums. Sie bildeten in der Tat die Kerngegnerschaft der nationalen Sozialisten beider Lager und wurden, so sie aus der „eigenen Klasse“ stammten, als „Sozialfaschisten“ diffamiert.

„Nationale Volksarmee“, „Nationale Front“ oder, wie in der Neufassung des „Roter Wedding“ zu hörende Slogans wie „Damit Deutschland den Deutschen gehört“, waren DDR-Tatsachen, die man im Westen vergeblich suchte. Die Wahrnehmung nationaler Interessen, also die Ausfüllung einer Hoheitsrepräsentanz zum Schutz der Bürger eines Landes und alle damit verbundenen Umstände, sind per se keine anstößigen Handlungen und werden von der erdrückenden Mehrheit – gleich welchen Landes – von seiner politischen Führung sogar gefordert. Ähnliches gilt für die Werte der Familie, der Vorstellung einer seriösen Ökonomie oder der Beachtung von Gesetzen. Auch das gilt in der Vorstellung manches Linken salopp als „rechts“. Wir sehen, wie schlicht die Beachtung von Rechtsprinzipien leicht aus einem ziemlich liberalen und rechtstreuen Menschen in den Augen eines nichtliberalen und gegen das Recht Verstoßenden einen „rechten“ Menschen machen kann. „Rechts“ ist heute, wer nicht explizit links ist und nicht vollständig bereit steht, um „eine Welt ohne Grenzen und Regeln“ zu akzeptieren.

Es geht demnach in Wirklichkeit beim „Kampf gegen rechts“ um die Bekämpfung bürgerlicher Prinzipien. Deshalb wird der Vorwurf, „rechts“ zu sein, auch in jedem Interview mit Vertretern der Alternative für Deutschland erhoben, muss sich jeder rechtfertigen. Nicht selten vor Fragestellern oder Schreibern aus jenem Milieu, welches die wirklich nationalen Sozialisten freudig aufnimmt.


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Tanja Krienen

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