28. Juli 2011

Untergangsphantasien Lügen machen reich

Der wetterleuchtende Pfad zur Weltregierung

Dossierbild

Seine Erfahrungen musste der Dichter, Denker und Schriftsteller John Henry Mackay selbst machen, und so findet sich nicht von ungefähr in seinem letzten Buch "Abrechnung" die alte Inschrift: "Wer die Wahrheit spricht, macht sein Glück nicht." Dass sich mit den falschen Prognosen, besonders wenn sie auch noch Ängste verbreiten, Geld scheffeln lässt, wusste auch Rudolf Augstein und nutzte den inszenierten Zeitgeist, um Kohle zu machen. Am 11. August 1986 ließ der „Spiegel“ auf seinem Titelbild den Kölner Dom im Meer versinken, nur noch die Turmspitzen ragten aus dem Wasser: Überflutung, verursacht durch den Klimawandel. Mit einem entsprechenden Artikel wurde die drohende Klimakastastrophe unterstrichen. Inhaltlich dürften die „Spiegel“-Redakteure mit ihrem Szenario erreicht haben, was sie wollten: Entsetzen und den absoluten Glauben an eine unausweichliche Katastrophe.

"Jetzt, im Sommer 2040, ragen die Wolkenkratzer von New York vor der Küste wie Riffs aus der See. Überflutet und vom Meer verschluckt sind längst auch Hamburg und Hongkong, London, Kairo, Kopenhagen und Rom. Das Vereinigte Königreich Großbritanien ist in einen Archipel zerfallen, in dem England und Schottland und Wales voneinander getrennte Inseln bilden. In Irrland haben die steigenden Fluten des Atlantiks die Nordprovinzen eingeschlossen, eine Meeresenge trennt sie vom Südteil der Insel. An den Küsten aller Kontinente drängt sich das Meer in die Mündungstrichter der großen Ströme. Wo Nil und Ganges, Rhein und Amazonas in die See fließen, sind mächtige Buchten entstanden, die tief ins Binnenland fließen. Wertvolle Acker-und Weideflächen sind dabei für immer verloren gegangen. Seit die Eiskappen an den beiden Erdpolen immer rascher abschmelzen, hat die See ganze Länder verschlungen. Dänemark, die Niederlande, Belgien und Bangladesch existieren nicht mehr. Überspült wurden weite Küstengebiete der USA, aber auch Chinas und Nordeuropas."

In den vergangenen 25 Jahren haben sich die Wasserstände bei Ebbe und Flut in Hamburg nicht verändert, auch nicht an der Nordseeküste. Bei meinen Besuchen in Riga, St. Petersburg, Helsinki, Stockholm und Kopenhagen gab es hinsichtlich der Ostsee auch keinerlei Veränderungen. Nicht die geringsten Anzeichen konnte ich auch New York, gelegen am Hudson River und East River, feststellen. Ein besonderes Event im Hafen von New York lagen nebeneinander die Cunard-Schiffe Queen Mary, Queen Elisabeth und Queen Victoria. Ein prächtiger Anblick, den auch die schaulustigen New Yorker genossen. Die angekündigten Fluten fanden sich auch nicht an den Küsten Mexikos, Brasiliens und Afrikas. Dubai, die Vereinigten Arabische Emirate und Oman bieten Komfort und arabisches Flair. Längst haben die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr die Öleinnahmen übertroffen. Mit beträchtlichen Landgewinnen vor der Küste wird die Infrastruktur für Villen, Appartments und Fünf-Sterne-Hotels geschaffen. Die Investitionen werden auf über 3,4 Milliarden Euro geschätzt, und die Investoren scheinen nicht zu befürchten, ihr neu gewonnenes Land werde demnächst überflutet. Der blanke Hans knappert an der Insel Sylt, doch die Wohlhabenben zahlen hohe Immobilienpreise für das Wohnen auf dieser beliebten Nordseeinsel. Vielleicht haben sie noch nichts von Al Gore gehört: Ihm zufolge steigt der Meeresspiegel weltweit um über 7 Meter.

Wir selbst wohnen in der Dritten Meile (Nähe Altes Land), unser schöner Fluss, die Elbe, ist nicht weit weg, und ohne Deiche wäre hier ein Leben nicht möglich. In den vergangenen Jahrhunderten gab es immer wieder Stumfluten, Menschen verloren ihr Hab und Gut, oft ihr Leben, und daher besitzt der Bau von Deichen Priorität. Wer nicht deichen will, muss weichen, heißt es bei uns in Norddeutschland. Es gab also gravierende Klimaveränderungen, und es wäre an der Zeit, dass gewisse Experten mit ihren Prognosen – meistens sollen sich diese auffallenderweise in einem Zeitraum erfüllen, wenn sich die sogenannten Katastrophenverkünder selbst nicht mehr am Leben befinden – sorgfältiger umgehen und mehr wissenschaftliche Kompetenz walten lassen. Das werden sie wahrscheinlich nicht tun, sie werden sich an Professor Hans-Joachim Schellnhuber, Klimaberater der Kanzlerin Angela Merkel, mit seiner These bis "zur Klimakatastrophe ist nur noch eine Handbreit offen" halten, damit lässt sich gut Profit machen. Nur mit Wissenschaft hat das schon lange nichts mehr zu tun.

Mit der Wissenschaft und den Prognosen ist das überhaupt so eine Sache. Der Publizist Michael Miersch schrieb zu den Thesen vom Club of Rome: "Wie kann es sein, dass eine Vereinigung, die exakt das Falsche vorausagt, und die aberwitzigsten Rezepte empfohlen hat, dennoch einen tadellosen Ruf genießt? " Da ließe sich mit Friedrich Nietzsche anführen: "Das Schlechte wird in der Nachahmung zum Guten, das Gute verliert...." Ich darf mich selbst zitieren, am 9.Mai 2011 brachte „Die Welt“ von mir diese Stellungnahme:

"1973 erhielt das Buch ‚Die Grenzen des Wachtstums’ den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Fazit: Unser Bevölkerungs- und Produktionswachstum ist ein Wachstum zum Tode. Wir haben eine ganz andere Entwicklung zu verzeichnen. Die Zahl der Demokratien ist gestiegen, die Weltarmut ist weltweit gesunken. Der Wald ist nicht verschwunden, Öl und Gasreserven sind noch für einen weiten Zeitraum vorhanden, und in Deutschland beklagen wir einen Geburtenrückgang und hoffen auf qualifizierte Zuwanderung. Ich will den Panik-Nachhaltigkeitsautoren keine bewusste Fälschung unterstellen, aber vielleicht sollten wir darauf vertrauen, dass die Menschen in jeder Generation für sich immer wieder Lösungen finden werden. Hört endlich auf zu jammern."

Das zitierte Buch las ich selbst nach Jahrzehnten wieder und es mag sein, dass Dennis Meadows an seine Thesen glaubte, so dass er sich damit entschuldigen könnte. Aber der Glaube gehört in die Kirche und hat nichts mit Wissenschaft zu tun. Angebene Daten und Zahlen stimmen ganz und gar nicht, von einem bereits 1972 bestehenden Umweltbewusstsein wurde keine Notiz genommen. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil die Luft in Hamburg besser war als in Bitterfeld und es im Westen eine wesentlich qualifiziertere Erzeugung von Nahrungsmitteln als in der DDR gab. Den Begriff "Mangelwirtschaft" kannten die Autoren Dennis Meadows und Donella Meadows nicht, stattdessen formulierten sie ihre pauschale Prognose: "Lebensmittelknappheit und Rohstoffmangel werden schon vor dem Jahr 2001 wirksam werden." Und das meinten sie ernst, beriefen sie sich doch auf eine präzise wissenschaftliche Systemanalyse. Realitätsfremd fehlt ihnen die Einsicht, dass Armut die Umwelt zerstört, nicht Wohlstand. Freilich, ein Hauptproblem unserer Kinder und Jugendlichen im Jahre 2011 ist, dass sie weniger Fleisch konsumieren sollten, auch weniger Alkohol und dafür mehr Obst und Gemüse. Nahrungsmittel gehören auch nicht in den Benzintank, wie es die Klimaschützer glauben.

Club of Rome und IPCC (Weltklimarat) verbindet eine gemeinsame ideologische Zielsetzung: Ökodiktatur, staatliche Planwirtschaft und eine Weltregierung (ein Groß-Brüssel). Daraus resultiert eine eingeschränkte Wahrnehmung der Realität. Unerwünscht ist auch jede Kritik, glaubt man sich doch im Besitz von absoluten Wahrheiten. Dass Institutionen wie diese einen tadellosen Ruf genießen, was Michael Miersch kritisiert, hängt schlicht damit zusammen, dass Menschen offenbar sehr leicht zu betrügen sind. Sie hoffen auf Rettungsboote, wenn der Meeresspiegel steigt, nur was sie wirklich brauchen werden, sind sehr bald Rettungsringe in einem Schuldenmeer. Aber da die Menschen ihren eigenen Verstand nicht benutzen, bietet die Verbreitung von Verschwörungstheorien, Angstprognosen, Weltuntergangsszenarien die beste und zuverlässigste Basis, um reich zu werden. Lügen machen sich also bezahlt, Wahrheiten nicht.

PS: Ein Bekannter schrieb mir: "Sie vergeuden Ihre Zeit, Menschen aufzuklären, die gar nicht aufgeklärt werden wollen."

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Uwe Timm

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