01. April 2021

Kolonialgeschichte in Noten? Kinshasa Symphony und Oxford Madness

Die angebliche „weiße Vorherrschaft“ in der Musik

von Volker Seitz

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Bildquelle: Sunshine Seeds / Shutterstock.com Südafrikanischer Geiger: Auch Schwarze können Noten lesen …

Es scheint derzeit einen weltweiten Wettbewerb zu geben, wer den dümmsten Vorschlag macht, um uns von vermeintlich rassistischer/kolonialistischer Last zu befreien.

Professoren der Musikwissenschaft der immer noch renommierten Universität in Oxford wollen den Lehrplan „dekolonialisieren“ und die „weiße Vorherrschaft“ in den Kursen beenden. Einige dieser Wissenschaftler beklagen, dass das in Oxford unterrichtete klassische Repertoire, das Werke von Mozart, Bach und Beethoven umfasst, sich zu sehr auf „weiße europäische Musik aus der Sklavenzeit“ konzentriere. Vermutlich muss nach deren Verständnis das Libretto von Mozarts „Zauberflöte“ umgeschrieben und von der Figur des Monostatos gereinigt werden.

Sogar die Notenschrift steht unter Verdacht: Sie habe die Verbindung zu ihrer kolonialen Vergangenheit nicht „abgeschüttelt“, spiegele ein „kolonialistisches Repräsentationssystem“ wider und sei für einige Studenten ein „Schlag ins Gesicht“, berichtet die britische Tageszeitung „Telegraph“ von den Plänen der Universität. Stattdessen solle unter anderem mehr afrikanische Musik auf dem Lehrplan stehen. Inspiriert von der amerikanischen „Black Lives Matter“-Bewegung habe man das Ziel, die „Vielfalt zu verbessern“. Dazu müsse es auch mehr nicht weiße Lehrende geben.

Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Professoren von den Afrikanern, für die sie sprechen wollen, ausgelacht werden. Denn offensichtlich kennen diese Herren nicht das „Orchestre Symphonique Kimbanguiste“ aus Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo. Die rund 200 Musiker des „Orchestre Symphonique Kimbanguiste“ widmen sich der klassischen europäischen Musik. Händel-Arien, Carl Orffs „Carmina Burana“ oder Beethovens Neunte Symphonie gehören zu ihrem Repertoire. Natürlich spielen sie mit Noten. Das Orchester existiert seit 1994. Fünf- bis sechsmal in der Woche proben die Kimbanguisten.

Der Film „Kinshasa Symphony“ von Claus Wischmann und Martin Baer von 2009 hat das Orchester über die Stadt Kinshasa hinaus bekannt gemacht. „Kinshasa Symphony“ ist 2011 als DVD erschienen. Es ist ein berührender ein Film mit wunderbaren Menschen und fabelhafter Musik. Aber das können die Professoren in Oxford mit ihrer illiberalen Ideologie offenbar nicht begreifen.

BBC – Arts L’Orchestre Symphonique Kimbanguiste in concert 7

Trailer zum Film „Orchestre symphonique Kimbanguiste“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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