21. Oktober 2020

US-Außenpolitik Kommen die Truppen aus Afghanistan nach Hause?

Das hängt davon ab, wen Sie fragen

von Ron Paul

Artikelbild
Bildquelle: Gorodenkoff / Shutterstock.com US-Truppen in Afghanistan: Erhalten Sie endlich den Marschbefehl nach Hause?

Die Außenpolitik war in der ersten Amtszeit von Präsident Trump wirklich dysfunktional. Kaum gab der Präsident eine starke außenpolitische Erklärung ab, schnappte sich einer seiner Berater ein Mikrofon, um zu erklären, was der Präsident „wirklich meine“.

Anfang dieses Monats tweetete Präsident Trump: „Wir sollten die kleine verbleibende Anzahl unserer tapferen Männer und Frauen, die in Afghanistan dienen, bis Weihnachten zu Hause haben.“

Das war eine sehr ermutigende Erklärung. Aber fast sofort wurde seine Aussage von zwei Verwaltungsbeamten „geklärt“ – eigentlich widerrufen.

Erstens widersprach der Vorsitzende des Generalstabs der Streitkräfte, Armeegeneral Mark Milley, seinem Chef – der zufällig auch sein Oberbefehlshaber ist – direkt mit den Worten: „Es handelt sich um einen auf Bedingungen basierenden Plan. Wir überwachen diese Bedingungen weiterhin.“

Dann sagte uns Präsident Trumps nationaler Sicherheitsberater Robert O’Brien, dass die Erklärung des Präsidenten lediglich ein Ausdruck eines „Wunsches“ sei. „Alle Präsidenten, alle GIs, wollen, dass die Truppen bis Weihnachten zu Hause sind“, sagte er am Freitag.

Dann begannen Milley und O’Brien um den Truppenrückzug einen Krieg der Worte gegeneinander, wobei Milley O’Briens „Klarstellung“ angriff, dass 2.500 Soldaten mindestens bis Anfang nächsten Jahres in Afghanistan bleiben würden. Milley nannte das „Spekulation“.

O’Brien wehrte sich und erklärte, es sei „von einigen angedeutet worden, es handele sich um Spekulationen. Ich kann Ihnen garantieren, dass dies der Plan des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist.“

Man kann kaum noch folgen!

Während die Erklärung von Präsident Trump über die Rückführung der Truppen zu begrüßen ist, hat er ein echtes Problem damit, seine Politik von genau den Leuten dann auch wirklich umsetzen zu lassen, die er mit der Umsetzung beauftragt hat. Es wird schon lange gesagt, dass „das Personal die Politik ist“, und wir haben das in dieser Regierung sehr deutlich gesehen.

Präsident Trump verfolgte eine vernünftige Außenpolitik und definierte „Amerika First“ als die Befreiung der USA aus endlosen und kontraproduktiven Kriegen. Viele, mich eingeschlossen, sind der Meinung, dass diese Position ihm einen gewissen Spielraum für seinen Sieg verschafft haben könnte. Der „Friedenskandidat“ gewinnt fast immer.

Aber man kann nicht eine „Amerika First“-Außenpolitik betreiben, wenn man Leute wie Mike Pompeo, John Bolton, Nikki Haley, Mark Milley und andere mit der Durchführung dieser Politik betraut. Sie werden es einfach nicht tun. Das sehen wir nun, wenn es darum geht, unsere Truppen aus dem langen und törichten Krieg in Afghanistan abzuziehen, von Neuem.

Für einen Präsidenten, der einst dafür berühmt wurde, dass er die Zeile „Sie sind gefeuert“ sagte, scheint Trump nicht willens oder vielleicht nicht in der Lage zu sein, diejenigen zu entlassen, die aktiv versuchen, seine Politik zu untergraben.

Es besteht keine Notwendigkeit für endlose Verhandlungen mit den Taliban darüber, wie das Land aussehen könnte oder sollte, wenn wir uns daraus zurückziehen. Der einzige Weg, aus Afghanistan herauszukommen, ist, dies einfach zu tun. Einfach nach Hause kommen. Neunzehn Jahre Kampf auf verlorenem Posten um die Umgestaltung eines Landes, das Tausende von Kilometern entfernt ist und von dem die „Experten“ nichts wissen, ist mehr als genug.

Aber wenn jemals die „Gefahr“ besteht, dass ein Krieg zu Ende geht, dann sind Washingtons Kriegstreiber sofort zur Stelle und versuchen, einen weiteren Konflikt zu schüren. Verteidigungsminister Mark Esper sagte Ende letzter Woche, er wünsche sich eine massive Erhöhung der Militärausgaben, um der „Bedrohung“ durch Russland und China entgegenzuwirken.

Mittelamerika auszurauben, um die Millionäre im militärisch-industriellen Komplex zu bereichern, scheint das eine Thema zu sein, das in Washington allgemein unterstützt wird. Aber es ist ganz und gar nicht das, was das amerikanische Volk will. Wird Trump eine weitere Chance haben, eine wirkliche „Amerika First“-Außenpolitik zu betreiben? Bald werden wir es wissen ...

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Ron Paul Institute for Peace and Prosperity und wurde von Axel B.C. Krauss exklusiv für eigentümlich frei ins Deutsche übersetzt.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: USA

Mehr von Ron Paul

Über Ron Paul

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige