18. September 2020

Zukunftsgedanken Antizyklisch: Jetzt hoffen

Ein Neuanfang ist nur noch eine Frage der Zeit

von Frank Jordan

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Bildquelle: Elena Schweitzer / Shutterstock.com Licht am Ende des Tunnels: Hoffnung auf einen Neubeginn

Es ist paradox: Seit Jahren zum ersten Mal überwiegt in mir die Hoffnung. Ein Gefühl wie jenes in Kindertagen, wenn Weihnachten näher rückte. Je verrückter das alles wird, je schriller plärrend klimatische und gesundheitliche Seuchenzahlen medial hochgejazzt und der damit einhergehender Alarmismus auf neue Höhen gepeitscht werden; je länger die Zinsen unten bleiben und je grotesker die offiziellen Zahlen sind, die Auskunft darüber geben, welche Summen mittlerweile nötig sind, um das System hinkend am Laufen zu halten (Anleihekäufe, Hilfsprogramme); je abstruser in ihrem Größenwahn die politischen Richtungsentscheidungen sind und je verbissener und unversöhnlicher man sich in den verschiedenen „Lagern“ (wie passend!) gegenübersteht, umso stärker wird dieses Gefühl, das schon Züge von Vorfreude hat. Eine Vorfreude, die weit über die eigene Person und Lebensspanne hinausreicht.

Der Grund: Es geht – das ist nicht zu übersehen – einem Kulminationspunkt, einem Ende entgegen. Irgendwann wird Gratisgeld nicht mehr reichen und keine Wirkung mehr haben. Irgendwann wird jeder ideologische Wahn mit der Realität der Knappheit kollidieren. Irgendwann, wenn der Begriff der „Freiheit“ schon fast verschwunden sein wird, weil keiner mehr beschreiben kann, was er jenseits infantiler Bedürfnisbefriedigung bedeutet, werden jene außerhalb der „Lager“, die nicht schwach werden und die die Freiheit kraftvoll schaffend und erschaffend leben und hochhalten, wieder gesehen und gehört werden. Wo aber ein Ende naht, da naht auch ein Neuanfang.

Wird das zivilisiert vonstattengehen oder mit großem Leid? Ich weiß es nicht. Wird es morgen sein oder erst in vielen Jahren? Ich weiß es nicht. Werde ich das Neue überhaupt erleben? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass mein Hoffen ein begründetes ist; begründet in dem immer rasender sich drehenden Karussell von Dekadenz und Hysterie und damit in Tausenden von Jahren Menschheitsgeschichte, die Zeuge stehen für solcherart Endendes und für Neuanfänge. Und das reicht mir für das Hier und Heute. Es ist ein großartiges Leben, wenn es Hoffnung gibt, deren Wirkkraft sich aus der Zukunft mitten ins Heute hinein entfaltet.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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