10. September 2020

Bashing gegen US-Präsidenten Neues Buch enthüllt: Nicht Kain, sondern Trump erschlug Abel

Meinungen sind eben wie Arschlöcher: Jeder hat eins

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: Cyrus Cedeno / Shutterstock.com Trump: Der Buhmann für praktisch alles

Ob ich mich für die drastische Wortwahl entschuldige? Keine Sekunde. Irgendwann langt’s halt. Endgültig. Jedes gesunde, argumentbasierte, vernünftige, nachvollziehbare Maß ist schließlich schon lange überschritten. Mag es eine Zeit gegeben haben, in der das Tourette-Syndrom namens „Trump-Bashing“, eine vor allem unter Qualitätsvernichtern (früher: Journalisten) weit verbreitete Geisteskrankheit, vielleicht sogar noch lustig gewesen war, ist es nunmehr nur noch eins: doof. Saudoof.

Und das schreibe ich als jemand, der – regelmäßige Leser von ef wissen es, es sei trotzdem noch mal wiederholt – beileibe kein Trumpeter bin. Ebenso wenig wie ich Obamanist war. Oder Clintoniker. Oder Bushtrommler. Oder Wilsonist. Oder Rooseveltaner. Oder ...

Mit anderen Worten: Ich stehe Staat und Politik grundsätzlich – um es milde zu formulieren – skeptisch gegenüber. Weil ich aus langen, intensiven, ausführlichen, sehr, sehr gründlichen Recherchen weiß, um welche Korruptionskloake es sich (nicht nur) bei Washington handelt. Deshalb empfinde ich es als doof – ja, ich sagte doof, ich hätte auch sagen können: bescheuert, belämmert, hirnrissig, dusselig, schwachsinnig oder in einem Wort: behindert –, wenn einem Donald J. Trump, was auch immer man persönlich von ihm halten mag, nun ständig bescheinigt wird, er sei nicht nur Satan, Beelzebub und Luzifer in einer Person, sondern hätte am Beginn der Zeit das Böse höchstpersönlich in seiner Haartolle destilliert und patentieren lassen. Wer soll diesen Bullshit eigentlich noch ertragen?

„Michael Cohen, Ex-Anwalt des US-Präsidenten“, so beginnt ein Artikel der „Zeit“ vom 8. September, „hat ein Buch geschrieben.“

Stopp. Danke, genügt schon. Wenn ich das schon wieder lese: Irgendein Heini aus dem Trump-Team hat – die Überraschungen nehmen einfach kein Ende – mal wieder irgendein vielbeachtensrenommerkenswertes, unverzichtsensatiorüttelbares Buch verzapft, das die westliche Welt vor dem Erfinder der Finsternis retten wird, wetten? Es tut mir wirklich leid, ich kann nicht mehr anders: Who gives a fuck? Wen juckt es bitte noch, wenn ehemalige oder amtierende Mitglieder irgendeiner Regierung sich gegenseitig mit Dreck bewerfen im Kampf um den Platz am kältesten aller Buffets, nämlich dem Steuerbuffet; was interessiert es mich noch, wer da nun genau gegen wen intrigiert, wer wen über den Tisch zu ziehen, anzuschwärzen und wegzumobben versucht im notgeilen Willen zur Macht? Man, dagegen ist selbst die schlechteste Telenovela und liebloseste Seifenoper ja große Kunst, da sehne ich mich fast schon nach dem „Denver-Clan“ zurück.

„Er beschreibt Trump darin als Rassisten und Putin-Fan. Wird es den Wahlkampf aufmischen?“, heißt es in dem überflüssigen Elaborat weiter.

Von mir aus. Warum denn nicht? Soll dieses Buch ruhig den Wahlkrampf aufmischen. Bitte sehr. Dann gewinnt eben ein seniler, bereits halb dementer Kleinmädchenbefummler wie Joe Biden. Noch mal: I don’t give a shit. I don’t care anymore. Wählt, wen ihr wollt, aber letzten Endes werden sie euch alle enttäuschen.

Das liegt an einem, wie soll ich sagen, Strukturproblem des Wählens, an einer unangenehmen Wesenseigenschaft von Politik: Wer glaubt, er müsse in regelmäßigen Abständen nur die jetzt aber wirklich Richtigen wählen, die sich vier Jahre später mal wieder als die Falschen herausstellen werden, was aber nicht weiter schlimm ist, denn vier Jahre danach kann man ja wieder richtig ankreuzen, soll sich halt nicht wundern. Wer allen Ernstes glaubt, man brauche nur die Verantwortung für die Geschicke eines ganzen Landes, ob auf wirtschafts-, bildungs-, kultur- und gesundheitspolitischer, geld- und finanzpolitischer, gender-, blender-, schmatz- und schwatzpolitischer, regulierungs-, knechtungs-, entrechtungs-, ächtungs- und freiheitsschächtungsspolitischer Ebene einer kleinen Gruppe angeblicher Repräsentanten zu überlassen, die sich dann schon um alles kümmern werden, kein Problem, wahrlich, ich sage euch, nach der nächsten Wahl werdet ihr mit eurem gewählten Politmessias im Paradiese sein – sollte sich langsam mal ernsthafte Gedanken über seinen Geisteszustand machen. Ich bin zwar kein Star, aber bitte holt mich trotzdem endlich aus diesem Irrsinn raus, dieser geballten Irrationalität, dieser Unvernunft und Verblendung. Vielleicht sollte die Menschheit sich lieber in „Krabbelgruppe“ umbenennen.

Es ist nicht nur faktisch falsch, es ist nicht nur komplett geschichtsvergessen, es ist nicht nur völlig fach- und weltfremd und kernig realitätsenthoben, sondern schlicht idiotisch, einem Trump dasjenige Malheur vollumfänglich anhexen zu wollen, das zu dem Zeitpunkt, als er ins ovale Büro gelangte, ja längst angerichtet war. Die Schuldensituation der USA beispielsweise? Ja nun. Ein Blick auf die Bilanzen seiner Vorgänger genügt. Als ginge das alles auf ihn zurück.

Ach so: Er ist ein „Putin-Fan“. Schlimm, schlimm. Und weiter? Ein G. H. Walker Bush und ein Donald Rumsfeld waren schließlich auch Hussein-Fans (sehr große sogar), bevor er aus politischen Motiven hitlerisiert und unbedingt weggebombt werden musste – und mit ihm gleich ein ganzes Land. Aus Liebe zu Demokratie, Frieden und Sicherheit, versteht sich. Ein Roosevelt und Churchill setzten sich mit einem Stalin an einen Tisch, nachdem dieser wie ein Elefant auf Koks durch den politischen Menschenladen getrampelt war. Ein Sarkozy war ein Gaddafi-Freund, bis dieser aus „humanitären“ Gründen wegmusste. Verschont mich doch endlich mit eurem doppelmoralischen, unehrlichen, bigotten Gesabbel.

Früher begann der Tag mit dem Sonnenaufgang. Und endete, als das flammende Gestirn in den tiefblauen Fluten des Horizontes versank, auf dass die Nacht über die Welt schwappen möge.

Heute beginnt und endet er mit Trump. Auf dass am Ende des Tages die Welt zwischen zwei Buchdeckeln voller sensatiowoker Enthüllungen getrocknet werden möge, bis man sie locker zwischen den Fingern zerreiben und sich mit dem drögen Politkoks das Hirn durch die Nase rausschnupfen kann. Wohl bekomm’s.


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