17. August 2020

USA: Nord- gegen Südstaaten Die amerikanische Geschichte, die Sie nicht kennen sollen

Über den Konflikt zwischen Südstaatlern und Yankees, der Amerikas Seele bis heute spaltet

von Thomas DiLorenzo

Artikelbild
Bildquelle: Everett Collection / Shutterstock.com John C. Calhoun: Südstaatler, Jeffersonianer und Verfechter des Föderalismus

Das neue Buch von Brion McClanahan, „Southern Scribblings“, enthält sechzig wissenschaftliche und eloquent geschriebene Essays über die amerikanische Geschichte, die Sie nicht kennen sollen. Der Grund, warum Sie nichts darüber wissen sollen, ist der erste Kulturkrieg Amerikas, der dem jetzigen lange vorausgegangen ist und immer noch andauert.

Dieser „Krieg“ begann mit den Puritanern Neuenglands, deren philosophische Nachfahren zu den allgemein verachteten „Yankees“ wurden. Dabei handelt es sich um Menschen, die ursprünglich vor allem aus Neuengland und dem oberen Mittelwesten stammten und die glaubten, dass sie allen anderen überlegen seien und deshalb ein „Recht“ hätten, über diese zu regieren, notfalls auch mit Gewalt. Ihre Einstellung läuft auf das hinaus, was Richter Napolitano „Libido Dominandi“ nennt – die Lust, zu dominieren. Heute wäre Hillary Clinton das, was Clyde Wilson „ein museales Musterbeispiel“ eines Yankees genannt hat. Yankees sind ein Bestandteil beider politischer Parteien, aber die heutige Demokratische Partei ist die Heimat der extremsten, die mit ihren universitären Redekodizes, ihrer „Cancel-Kultur“, ihren utopischen Plänen zur zentralen Planung aller Aspekte des Lebens aller Menschen mittels ihres „Green New Deal“ zur Beschlagnahmung von Privatvermögen nach kommunistischem Muster, mit „Vermögenssteuern“ und so weiter aus Yankees und stalinistischen Totalitaristen zu bestehen scheinen.

Nachdem sie von 1861 bis 1865 einen totalen Krieg gegen die gesamte Zivilbevölkerung des Südens geführt und Hunderttausende ermordet hatten, begannen die Yankees einen „heiligen Krieg“ gegen die amerikanische Geschichte, insbesondere diejenige des Südens – ein Hauptthema von „Southern Scribblings“. Im Krieg schreiben die Sieger immer die Geschichte, um sich selbst im bestmöglichen Licht darzustellen, unabhängig von dem, was tatsächlich geschah. Die Yankees tun dies seit mehr als 150 Jahren, wie McClanahan in einem Essay nach dem anderen beschreibt.

Sie werden in diesem Buch unter anderem erfahren, warum der Hamilton’sche Etatismus immer der Feind der amerikanischen Freiheit und eine giftige Bedrohung für den echten marktwirtschaftlichen Kapitalismus war. Die meisten Amerikaner wären auch überrascht, wenn sie erführen, dass es nach dem Krieg zur Verhinderung der Unabhängigkeit des Südens eine monumentale Versöhnungsbemühung gab, die Generationen überdauerte und von Präsidenten von McKinley bis Bill Clinton unterstützt wurde. McClanahan bezeichnet Jimmy Carter als „den letzten Präsidenten des Jeffersonians“ und erörtert, wie der „Memorial Day“ als „Decoration Day“ begann, an dem die soldatischen Opfer auf beiden Seiten des „Bürgerkriegs“ gewürdigt wurden. Dies ist heute natürlich nicht mehr der Fall – dank der Verdummung Amerikas durch die eigenen Universitäten in der letzten Generation.

Vor den 1960er Jahren war die Geschichte des „Bürgerkriegs“ viel ehrlicher und wahrheitsgetreuer, als sie es seither ist. Zum Beispiel verstand jeder, dass der Zoll der Hauptstreitpunkt zwischen den Yankees des Nordens war, die einen protektionistischen Zoll von 50 Prozent (und mehr) wollten, während der Süden sein ganzes Land als Freihandelszone mit minimalen „Einnahmezöllen“ sehen wollte. Republikanische Parteizeitungen sprachen sich sogar dafür aus, vor dem Krieg die Häfen im Süden zu bombardieren, weil sie verstanden, dass der Freihandel im Süden für die Plutokratie im Norden verheerend wäre.

Jeder verstand auch, dass die Sklaverei nichts damit zu tun hatte, dass Lincoln eine militärische Invasion seines eigenen Landes startete, denn sie kannten noch seine eigenen Worte und die Resolution des US-Kongresses über die Kriegsziele von 1861. Das alles änderte sich in den 1960er Jahren, als linke Historiker wie Kenneth Stampp beschlossen, die Geschichte des Krieges und des Wiederaufbaus so umzuschreiben, dass die New-England-Yankees als Engel der Erlösung dargestellt wurden, die bereit waren, zu Hunderttausenden nur zum Wohle von schwarzen Fremden tausend Meilen entfernt zu sterben. (McClanahan weist auf die Tatsache hin, dass im 19. Jahrhundert Rassismus und die Vorherrschaft der Weißen im Norden schlimmer waren als im Süden, etwas, worüber sogar Toqueville in „Demokratie in Amerika“ schrieb).

Gleichzeitig stellte die Historikerzunft seit den 1960er Jahren die engelsgleichen Retter aus dem Norden den Nachfahren von Jefferson, Madison, Monroe, Jackson und anderen Südstaatlern als den bösartigsten und dekadentesten Menschen gegenüber, die jemals auf der Erde gelebt haben sollen. In den Augen der linken politischen Elite ist dies natürlich die aktuelle politisch korrekte Sicht auf jeden aus dem Süden und alles Südliche.

„Southern Scribblings“ erklärt, was für ein großer dampfender Haufen Pferdemist das alles ist, zusammen mit der unglaublichen Heuchelei der „Selbstgerechtigkeit des Nordens“. Das hat das Feuer des „Wahnsinns der Political Correctness“ geschürt, nachzulesen in einem Abschnitt des Buches, der neun schlagkräftige Essays enthält.

Sie werden auch erfahren, wie heimtückisch die akademische Welt der Historiographie ist, die ein Buch nach dem anderen mit falschen Erzählungen über die „verlorene Sache“ veröffentlichte. Als einzige Gruppe von Amerikanern, die jemals ernsthaft die tyrannischen Impulse der Zentralregierung infrage gestellt hat, müssen die Südstaatler in den Augen der puritanischen Yankee-Kultur, die die amerikanischen Akademiker – und einen Großteil der übrigen Gesellschaft – beherrscht, auf ewig dämonisiert werden.

Für den Autor sind die interessantesten Kapitel diejenigen, die die linke und neokonservative Verleumdung von Persönlichkeiten des Südens wie Robert E. Lee und John C. Calhoun und ihre nicht enden wollende Vergötterung Lincolns analysieren. Schon die Kapitel über „den wahren Robert E. Lee“ sind den Preis des Buches wert. McClanahan befasst sich unter anderem mit den gegenwärtigen Bemühungen des ignoranten Gouverneurs von Virginia, die Statue von Lee aus dem Gebäude des nationalen Kapitols in Washington entfernen zu lassen, und schreibt: „Jemand, der so großartig ist wie Lee … sollte in Washington ohnehin nicht von solchen Reptilien umgeben sein.“

Nur wenige Südstaatler wurden so verunglimpft wie John C. Calhoun, ein ehemaliger Kriegsminister, Außenminister, Vizepräsident, Senator und Abgeordneter. Der wahre Grund für diese Verunglimpfung hat nichts mit Sklaverei zu tun, sondern mit der Tatsache, dass Calhoun philosophisch gesehen „zu sehr“ ein Jeffersonianer und ein Verfechter des Föderalismus, der Rechte der Bundesstaaten und der Dezentralisierung war – tödliches Gift für alle Möchtegern-Tyrannen und Diktatoren. Seine Abhandlung über die Regierung ist eine der größten Abhandlungen über politische Philosophie, die je von einem Amerikaner geschrieben wurde, und er war ein Liebling von Murray Rothbard, der ihn in vielen seiner Schriften zitierte.

McClanahan erörtert in mehreren Essays viele der Schlüsselgedanken der „Disquisition“ Calhouns [„A Disquisition on Government“ von John C. Calhoun, Anm. des Übersetzers]. Nachdem Sie sie gelesen haben, werden Sie die Bösartigkeit und Unehrlichkeit seiner Verleumder verstehen, von Neokonservativen wie Victor Davis Hanson bis hin zu so ziemlich der gesamten akademischen Historikerkaste, die schließlich von selbsternannten Marxisten beherrscht wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Lewrockwell.com und wurde von Axel B.C. Krauss exklusiv für eigentümlich frei ins Deutsche übersetzt.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: USA

Mehr von Thomas DiLorenzo

Autor

Thomas DiLorenzo

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige