13. Juli 2020

Neue Pläne des Weltwirtschaftsforums in Davos „Der große Neustart“

Das WEF und der Weg zur Weltregierung

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: Andrey VP / Shutterstock.com Davos-Gruppe: Weltregierung für „großen Neustart“

Die nächste große Gaunerei trägt den Namen „The Great Reset“ („Der große Neustart“), umgangssprachlich demnächst auch „Der große Sprung nach ganz vorn“ genannt. Ursprünglich trug ein anno 2010 erschienenes Buch diesen Titel, eine der unvermeidlichen Trendetikettierungen eines US-amerikanischen Politikwissenschaftlers, dessen Erkenntnis lautete, es finde derzeit in der westlichen Welt eine geografische Neusortierung zugunsten der urbanen kosmopolitischen Zentren statt, in denen der technologische Wandel Produktivität und Wohlstand in besonderem Maße vereine, während die alten Industriezentren stürben.

Für einen großen Neustart ist das ein bisschen dünn, dachten sich die Macher des World Economic Forum (WEF) – und dehnten den Gültigkeitsrahmen ins wirkliche XXXL. So es Allah und SARS-CoV-2 gefällt, heißt es auf deren Website, werde im Januar 2021 ein sogenannter Zwillingsgipfel „sowohl persönlich als auch virtuell stattfinden und wichtige globale Regierungs- und Wirtschaftsführer in Davos mit einem globalen Multistakeholder-Netzwerk in 400 Städten auf der ganzen Welt für einen zukunftsorientierten, von der jungen Generation geführten Dialog verbinden“.

Der auch großgeschriebene „Große Neustart“, heißt es, sei „eine Verpflichtung, gemeinsam und dringend die Grundlagen unseres Wirtschafts- und Sozialsystems für eine gerechtere, nachhaltigere und widerstandsfähigere Zukunft zu schaffen. Er erfordert einen neuen Gesellschaftsvertrag, in dessen Mittelpunkt Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit stehen und in dem der gesellschaftliche Fortschritt nicht hinter der wirtschaftlichen Entwicklung zurückbleibt.“

Wer „die Grundlagen unseres Wirtschafts- und Soziallebens“ für die Zukunft zu schaffen verspricht, stellt in Abrede, dass dergleichen bereits, wenn auch in menschenwerktypischer Unvollkommenheit, existieren könnte. Leute, die so etwas schreiben (lassen), sind entweder größenwahnsinnig oder verfolgen Interessen.

„Wir müssen die Wirtschaft in dem kurzen noch verbleibenden Zeitfenster dekarbonisieren und unser Denken und Verhalten wieder in Einklang mit der Natur bringen“, meint Klaus Schwab, Gründer und geschäftsführender Vorsitzender des Weltwirtschaftsdekarbonisierungsforums. Wahrscheinlich wäre es gesünder, jeden Offiziellen, der öffentlich die Worte „wir“ und „müssen“ miteinander verbindet und damit mehr als seine Frau, seine Kinder und seinen Hund meint, zu fesseln, zu knebeln und in ein Abklingbecken zu legen.

„Jedes Land, von den Vereinigten Staaten bis China, muss sich beteiligen, und jede Industrie, von Öl und Gas bis hin zur Technologie, muss transformiert werden“, schreibt der Dekarbonisierungswissenschaftler, Träger aller Bundesverdienstkreuze von einfach bis mit Eichenlaub, in einem Artikel auf der Website. „Alle Aspekte unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften“ müssten „umgestaltet“ werden, „von der Bildung bis zu den Sozialverträgen und Arbeitsbedingungen“. Und zwar von oben!

Schwab, Ritter der Ehrenlegion und „Ehrenbürger der Landschaft Davos“, hat sich prominente Mittumultanten auf den Narrenwagen geholt. „Der ‚Great Reset‘ ist eine willkommene Erkenntnis, dass diese menschliche Tragödie ein Weckruf sein muss. Wir müssen ausgeglichenere, integrativere und nachhaltigere Volkswirtschaften und Gesellschaften aufbauen, die angesichts von Pandemien, Klimawandel und den vielen anderen globalen Veränderungen, mit denen wir konfrontiert sind, widerstandsfähiger sind“, sekundiert ihm UN-Generalsekretär António Guterres – ohne nähere Erklärung, welche „menschliche Tragödie“ eigentlich gemeint sei und ob es auch andere Tragödien gebe. Prinz Charles, der unentbehrliche Al Gore sowie John Kerry, der Co-Vorsitzende von Joe Bidens „Taskforce zum Klimawandel“, gehören ebenfalls zu den Unterstützern des „Großen Sprungs“ nach zunächst Davos (per Privatjet).

„Die globale Gesundheitskrise hat die fehlende Nachhaltigkeit unseres alten Systems in Bezug auf den sozialen Zusammenhalt, den Mangel an Chancengleichheit und Inklusivität offengelegt. Auch können wir den Missständen von Rassismus und Diskriminierung nicht den Rücken kehren. Wir müssen in diesen neuen Gesellschaftsvertrag unsere generationenübergreifende Verantwortung einbauen, um sicherzustellen, dass wir den Erwartungen der jungen Menschen gerecht werden“, seimt Schwab, Träger des Ordens vom Aztekischen Adler, der für „Verdienste um Mexiko oder die Menschheit“ verabfolgt wird, munter weiter. Damit hat der Träger des Reinhard-Mohn-Preises praktischerweise alle Punkte der Merkel-Macron-Obama-Soros-Gates-e-tutti-quanti-Agenda abgearbeitet: Corona, Klimawandel, „Fridays for Future“, „Antirassismus“, BLM, globaler Migrationspakt, Friede, Freude und nicht zu vergessen: den gut verrührten Eierkuchen der One World.

Bei einer virtuellen WEF-Konferenz im Juni wurde angeregt über den „Großen Neustart“ geplaudert. „Zu denjenigen, die auf dem Treffen eine Rede hielten, oder sich später für den Plan ausgesprochen haben, gehörten: Ma Jun, der Vorsitzende des Grünen Finanzausschusses bei der Chinesischen Gesellschaft für Finanzen und Bankwesen und Mitglied des Geldpolitischen Ausschusses der Chinesischen Volksbank; António Guterres, der Generalsekretär der Vereinten Nationen; mächtige Gewerkschaftsführer; Aktivisten von Gruppen wie Greenpeace International; Vorstandsvorsitzende und Präsidenten von Großunternehmen wie BP, MasterCard und Microsoft, sowie Beamte des Internationalen Währungsfonds“, schreibt die „Epoch Times“. „Viele der Teilnehmer des Treffens unterstützen die Abschaffung des gegenwärtigen kapitalistischen Weltsystems. Zudem fördern sie eine sozialistische Politik – wie Vermögenssteuern, „Green New Deal“-ähnliche Programme, nationale Arbeitsplatzgarantien und Regierungseinkommen."

Tatsächlich erleben wir gerade, wie das Tanzpaar Globalkapital/globalistische Linke in die Endrunde einzieht. Menschen mit dem ökologischen Fußabdruck ganzer afrikanischer Kleinstädte haben den großen Trend der Zeit erkannt und wollen sich privat möglichst ungeschoren durch die drohenden Katarakte einer „antirassistischen“, antimarktwirtschaftlichen, antiweißen bzw. antiwestlichen Kulturrevolution navigieren, was am besten gelingt, wenn man einfach an der Spitze mitmarschiert. Das ist die Lektion der Guillotine. Wer jetzt von links einwendet, die unter anderem in Davos regelmäßig tagenden Wirtschaftseliten seien die eigentlichen Herrscher der Welt, möge einmal vergleichen, wie hoch das Gesamtvermögen der hundert westeuropäischen Superreichen ist und welche Summen die Staaten über das Steueraufkommen bewegen, etwa, was die EU zur Corona-Folgenbeseitigung und für Uschis „Green Deal“ auszugeben gedenkt – derzeit, wenn ich mich nicht verzählt habe, eindreiviertel Billionen Euronen.

Egal, wie gut gemeint die Tagträume von „One World“ und „Global Governance“ sein mögen, sie laufen darauf hinaus, dass eine Handvoll Menschen – also üblicherweise Egoisten, Feiglinge, Gauner, notorische Lügner, Korrupte, Opportunisten und zu allem Übel noch „Idealisten“ – Entscheidungen über die Geschicke von Milliarden Menschen treffen soll. Die absonderliche Logik dahinter lautet: Wenn erst die ganze Welt so zentralistisch wie eine DDR funktioniert oder wie Venezuela, dann sind wir endlich in der Lage, das Klima, die Meere und nebenbei noch Afrika zu retten.

Man könnte jetzt formulieren: Lieber mag der gesamte Planet zur Hölle fahren, als dass dem Sozialismus der nächste, diesmal globale Anlauf vergönnt sei. Aber dieser Satz wäre falsch. Sozialismus und Höllenfahrt sind dasselbe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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