30. April 2020

Viele Ökonomen warnten vor dem Auftreten von Corona vor einer Wirtschaftskrise 2020 Gute Nacht, keynesianistische Freunde

Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine letzte ungedeckte Zigarette und ein Gläschen „Corona-Stimulus“ im Steh‘n...

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: shutterstock Wurde schon vor Corona vorhergesagt: Crash 2020

26. September 2018: Auf „Focus Money Online“ erscheint ein Artikel, in dem vor einer Wirtschaftskrise gewarnt wird, die das Debakel von 2008 noch übertreffen könnte. Titel: „‚Dr. Doom‘ Roubini warnt – ‚2020 droht größere Krise und Rezession als 2008‘“.

Weiter hieß es im Artikel: „Die Weltwirtschaft hat zuletzt deutliche Schwächesignale gesendet. Der berühmte Finanzprofi Nouriel Roubini erwartet zwar, dass der Konjunkturaufschwung im nächsten Jahr dennoch weitergehen könnte. Allerdings zeigt der Experte zehn Gründe auf, weshalb es 2020 eine heftige Krise geben dürfte.“

Soso. Es dürfte also „2020 eine heftige Krise geben“. Nun könnte man vielleicht versucht sein, zu glauben, es habe sich nur um eine Einzelmeinung gehandelt, diejenige von Dr. Roubini. Das müsse ja noch nichts heißen.

24. November 2007, also vor 13 Jahren, „Spiegel Wirtschaft“. Titel des Artikels: „US-Ökonom warnt vor tiefer Wirtschaftskrise“. Im Einleitungstext hieß es weiter: „Zahlungssausfälle, Pleiten, Zwangsvollstreckungen: In der US-Kreditkrise steht Bank-Prognosen zufolge das Schlimmste noch bevor. Der US-Ökonom Burda fürchtet im schlimmsten Fall gar eine ‚tiefgreifende Rezession‘, wie sie die Welt seit Jahrzehnten nicht erlitten hat.“

10. Februar 2016, Handelszeitung.ch, Titel des Artikels: „US-Ökonom sieht ‚schwere Rezession und Finanzkrise‘“. Und weiter: „Der amerikanische Ökonom David Levy befürchtet einen langen weltwirtschaftlichen Einbruch.“ – „Der amerikanische Ökonom David Levy scheut sich nicht, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Das liegt in der Familie und scheint erblich bedingt zu sein. Bereits der Großvater warnte vor der Weltwirtschaftskrise 1929, und David Levy selbst – Chairman des Jerome Levy Forecasting Center – sagte die Rezession im Jahr 2007 voraus.“

24. September 2018, bazonline.ch, Titel des Artikels: „Das verfluchte Jahr 2020 an den Finanzmärkten“. Einleitung: „Mehr und mehr Wirtschaftsexperten erwarten übernächstes Jahr einen Absturz der US-Börse – mit schweren Folgen für die Weltwirtschaft.“

Soll ich weitermachen, oder genügt das schon? Aufmerksame Leser werden sich schon denken können, worauf ich hinauswill. Nun gut. Einen hab ich noch.

24. September 2019, „Die Welt“, Titel: „Wir steuern mit Tempo auf eine Rezession zu“. Film ab: „Der Ifo-Index ist im September überraschend gestiegen. Doch die leichte Erholung ist trügerisch. Die Konjunkturdaten weisen ein gefährliches Muster auf, das in der Vergangenheit auf eine schwere Rezession hindeutete.“

Ich könnte noch viele andere Beispiele aus dem Zeitraum der letzten zehn bis zwölf Jahre heranziehen, um zu beweisen, dass Roubini beileibe nicht der Einzige war, der für die Zukunft mit schweren weltwirtschaftlichen Turbulenzen und Einbrüchen rechnete. Doch wie ist das überhaupt möglich? Schließlich gab es damals doch noch gar keine „Corona-Rezession“. Seltsam. Am besten, solidesten, stabilsten, gesündesten, vertrauenswürdigsten, unkaputtbarsten, stimulierendsten und sichersten zentralbankgesteuerten Geldsystem aller Zeiten kann es ja nicht liegen. Schließlich stand doch immer in allen Qualitätsblättern, die Notenbanken seien „Währungshüter“ und hätten nichts anderes im Sinn, als die Menschheit in die duftendste, üppigste, glorreichste und ewiglichste Konjunkturblüte seit dem Garten Eden zu führen.

Okay. Ein letztes Beispiel gebe ich noch.

4. Februar 2014, Webseite „Der klare Blick“. Titel: „Kollaps in gigantischer, epischer Dimension“. Ein Auszug: „Julian Robertson führte Tiger Management, den größten Hedgefonds der Welt. Er managte die Robertson Group. Man nannte ihn an der Wall Street auch den ‚Never-been-wrong-Robertson‘, da er nie falsch lag. Er hatte jeden Wirtschaftszyklus, jede Katastrophe, jeden Haussemarkt und jeden Baissemarkt vorausgesagt.“ – „Im Jahr 2005 gab Hedgefonds-Legende Julian Robertson ein Interview bei CNBC, in dem er das Ende des Finanzsystems für 2015 voraussagt.“ – „‚Die Nettoliquidität der gesamten Welt, also der Netto-free-cash-flow, befindet sich jetzt bereits im negativen Bereich. Der Planet sinkt nicht nur in ein Meer aus roter Tinte, er wurde bereits versenkt. Die Leute begreifen es aber derzeit noch nicht.‘“

Und nun zum doppelplusguten Kontrast:

27. April 2020, „Spiegel Wirtschaft“. Titel: „Wir müssen die Wirtschaft ins künstliche Koma versetzen“. Gleich im ersten Neusprech-Absatz heißt es: „Der Kampf gegen das Coronavirus hat die Wirtschaft einbrechen lassen. Regierungen weltweit kämpfen nicht nur mit den medizinischen Herausforderungen, sondern auch und vor allem darum, dass aus der schweren Rezession keine Depression wie in den 30er Jahren wird. Staaten und Notenbanken mobilisieren Billionen, um Unternehmen zu retten, Finanzmärkte zu stabilisieren und den Absturz von Millionen Menschen in Armut zu verhindern.“

Und nicht vergessen: Ignoranz ist Stärke! Fiatgeld ist gedeckt! Kritik an Zentralbanken ist was für rechtsextremste Verschwörungshitler! Außerdem ist sowieso alles Chinas Schuld. Oder war‘s Putins? Nur‘n Scherz. Wir wissen doch alle, wer schuld ist: Emmanuel Goldstein. Ach ja, und: Jahrelanges Konfettistreuen in Billionenhöhe ist Stimulus! Nichts ist unmöööglich – Corooona!

Ich muss mich bei der ef-Leserschaft übrigens entschuldigen. Ich habe geflunkert. Mein Name lautet gar nicht Krauss. Mein wahrer Nachname: Zufall.

Ingsoc!

PS: Um den erwartbaren Vorwürfen vorzubeugen: Es ging mir hier natürlich nicht um „Weltuntergangsszenarien“. Selbstverständlich wird sich die Welt auch weiter drehen. So wie nach 1929. Die Frage ist nur, wie sie sich weiterdrehen wird. Derzeit sieht leider alles danach aus, als täte sie dies nicht in Richtung Freiheit...

„Focus Money Online“: „‚Dr. Doom‘ Roubini warnt – ‚2020 droht größere Krise und Rezession als 2008‘“

„Spiegel Wirtschaft“: „US-Ökonom warnt vor tiefer Wirtschaftskrise“

„HZ“: „US-Ökonom sieht ‚schwere Rezession und Finanzkrise‘“

„Baz“: „Das verfluchte Jahr 2020 an den Finanzmärkten“

„Welt“: „‚Wir steuern mit Tempo auf eine Rezession zu‘“

„Der klare Blick“: „Kollaps in gigantischer, epischer Dimension“

„Spiegel Wirtschaft“: „Wir müssen die Wirtschaft ins künstliche Koma versetzen“


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