03. April 2020

Ein Start-up vertreibt mobile Biogastechnik in der Dritten Welt, die Caritas verschenkt sie Wie vermeintliche Entwicklungshilfe lokale Firmen ruiniert

Das hat mit der Entwicklung der Menschen vor Ort nichts zu tun

von Volker Seitz

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Bildquelle: shutterstock Durch Hilfsorganisationen bedroht: Afrikanische Unternehmen

Katrin Pütz zieht seit 2015 mit ihrem Biogasrucksack und ihrem Geschäftsmodell Aufmerksamkeit auf sich. Im Rahmen ihres Studiums der Agrartechnik in Hohenheim hat sie sich bereits mit Biogas beschäftigt und das als eine Technologie mit viel Potential für die Länder des globalen Südens erkannt. Über ihr Start-up vertreibt sie mobile Biogastechnik aus Biogassackanlage, Biogasrucksack und Biogasbrenner – an lokale Geschäftspartner in ländlichen Regionen Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Ziel Ihrer Firma (B)‍energy in Köln ist es, Menschen Zugang zu sauberer, innovativer und ökologischer Kochenergie zu verschaffen. Entscheidend ist dabei, dass die lokalen Unternehmer selbst Verantwortung für die Energieprobleme in ihren Ländern und für einen nachhaltigen lokalen Wandel übernehmen.

Wichtige Akteure vor Ort sind Importeure, Installateure und Gasproduzenten in den entsprechenden Ländern. Alle sind unabhängige Unternehmer, die entweder die technischen Komponenten im Land verfügbar machen, sie vermarkten und installieren, oder eine Kombination daraus. Die Gasproduzenten sind typischerweise die Kunden der Installateure. Sie werden zu Biogas-Unternehmern, indem sie in mobile Biogastechnik investieren. Sie produzieren Gas, füllen es in die Biogasrucksäcke und verkaufen es. Die Leute setzen das Geschäftsmodell eigenständig um und verdienen Geld damit, und zwar aus eigenem Antrieb, aus eigenem Interesse und mit eigenen Mitteln, weil es sich für sie lohnt. Afrikaner, die vor Ort ein funktionierendes Business aufgebaut haben, können inzwischen auch Leute aus den Nachbarländern trainieren. Das ist ein zusätzliches Standbein der Importeure und Installateure, die ihr Unternehmen erfolgreich umsetzen.

Eine große Gefahr ist allerdings die Zerstörung des Marktes durch die Eingriffe von Hilfsorganisationen, die die Technik, die Pütz zu verkaufen versucht, einfach verschenken. Verschenken Organisationen, wie gerade beispielsweise in Uganda geplant, 200 Biogasanlagen, werden lokale Unternehmen, die Biogastechnik langfristig in ihrem Land etablieren, zerstört. Wer glaubt, es sei besser, armen Menschen mit einer solchen Maßnahme zu sauberer Kochenergie zu verhelfen und dafür die Zerstörung lokaler Entrepreneure wissentlich in Kauf nimmt, der hat die grundlegenden Probleme nicht verstanden. Bei diesem Projekt der 200 kostenlosen Biogasanlagen der Caritas (Österreich) geht es beispielsweise darum, Kohlendioxid von Flugreisen aus Europa auszugleichen. Ich halte es für problematisch, wenn Menschen Kohlendioxid-Kompensationen nutzen, um sich nach außen umweltfreundlich zu präsentieren. Das hat mit der Entwicklung der Menschen vor Ort nichts zu tun. Es darf nicht länger vorkommen, dass lokale Unternehmen durch verschenkte Waren aus Europa ruiniert werden.

Homepage von (B)‍energy

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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