23. März 2020

Staatliche Maßnahmen gegen das Virus Corona-Hysterie und der Tod der Freiheit

Sogar viele „Liberale“ befürworten die Einschränkungen

von Boris T. Kaiser

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Bildquelle: shutterstock Von sozialer Interaktion abgeschnitten: Alte und Kranke

Die Menschheit, so scheint es, ist einer weltweiten Massenpsychose von nahezu nie dagewesenem Ausmaß verfallen. Die aktuelle Corona-Panik bestätigt, was Klimahysterie und Genderwahn schon lange haben erahnen lassen: Wir leben im wohl irrationalsten Zeitalter seit dem Mittelalter. Zwar ist die Wahrscheinlichkeit, dass man als einigermaßen gesunder Mensch am Coronavirus verendet, nicht viel größer als die, dass uns allen doch noch irgendwann einmal der Himmel auf den Kopf fallen wird, dennoch reagieren die Führer der Welt und ihre Untertanen so, als ginge es darum, die globale Wiederkehr der Pest zu verhindern. Man muss sich das einmal ganz klar vor Augen führen: Ein Virus, das für die meisten im Grunde nicht viel gefährlicher ist als ein Schnupfen, ist jetzt der neue Standard in Sachen Notstandslage und damit die Legitimationsgrundlage massivster Freiheitseinschränkungen. Wer sagt uns denn, dass die Obrigkeiten diesen neuen Maßstab bei der nächsten Grippewelle oder jeder anderen „neuentdeckten“ Infektionskrankheit nicht genauso anwenden werden? Könnten sie doch mit Fug und Recht argumentieren, dass die jeweils jetzige Situation für die Allgemeinheit sogar noch viel gefährlicher ist als damals die Corona-Epidemie. Sie hätten damit nahezu immer recht. So ließe sich die Stilllegung des öffentlichen Lebens, die Aufhebung der Versammlungsfreiheit oder die allgemeinen Ausgangsperren sowie die Drosselung von Internetdiensten auch leicht auf Gefahren fernab der klassischen Seuchenbekämpfung ausweiten. Wäre zum Beispiel die präventive Verhinderung eines Bürgerkrieges oder von Volksaufständen denn nicht ein mindestens ebenso gewichtiger Grund für die Beschneidung von Bürgerrechten, durch deren Wahrnehmung die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet werden könnten?

Was einen in der aktuellen Situation am meisten entsetzen sollte, ist, wie einfach das alles war. Wie wenig die angeblich so aufgeklärte Gesellschaft das Narrativ der Regierung und der Mainstreammedien hinterfragt hat. Wie selbstverständlich die Menschen ihre Freiheiten aus der Hand gaben und gehorchten, ohne Sinn und Verhältnismäßigkeit der Anordnungen auch nur einen Moment lang zu hinterfragen. Man musste den sozialistisch sozialisierten Massen nur irgendetwas von Solidarität mit den Alten und Schwachen vorschwadronieren, schon standen alle Gewehr bei Fuß oder besser gesagt: zu Hause bei der Klopapier-Palette. Fast niemand fand es mehr merkwürdig, dass die Bundesregierung Berichte über die geplanten Einschränkungen des öffentlichen Lebens erst als „Fake News“ brandmarkte, um wenig später genau diese Einschränkungen bekanntzugeben. Auch dass das Robert-Koch-Institut (RKI), mit freundlicher Unterstützung der Telekom, einfach mal eben so unsere Handydaten auswertete, um nachzuprüfen, wie brav wir uns alle denn nun wirklich an die Anweisungen der Bundesregierung halten, regte kaum jemanden so richtig auf.

Selbst überzeugte Liberale empörten sich schnell mehr über jeden, der sich nicht sklavisch an die neuen Maßregelungen hielt als über die Beschneidung ihrer sonst so geliebten Freiheiten selbst. In den Sozialen Netzwerken teilen die Empörten jetzt Videos von sogenannten Corona-Partys oder auch einfach nur von Menschen, die es wagen, bei schönem Wetter rauszugehen und eine gute Zeit miteinander zu haben, um sich damit gegenseitig in ihrer vermeintlich moralisch und intellektuell überlegenen Echauffiertheit weiter anzuheizen. Jeglichen Ungehorsam gegen die Stay-At-Home-Staatsdoktrin verurteilen sie als „Akt der Dummheit und des Egoismus“ und legen dabei die dumpfe Selbstgefälligkeit eines sesselfurzenden geistigen Boomers und „Tagesschau“-Glotzers an den Tag.

Viele dieser angeblichen Liberalen wünschen sich sogar noch härtere Regeln und ein noch konsequenteres Durchgreifen des Staates gegen all die „Vollidioten“, die „noch immer den Schuss nicht gehört haben“. Dieser „Liberalismus“ scheint dann doch mehr mit darwinistischer Anpassungsfähigkeit als mit selbstbestimmter Stärke und Eigenverantwortung zu tun zu haben. Für all diese Angepassten schlägt nun im Internet mal wieder die große Stunde der Tugendprotzer und Schilder-in-die-Kamera-Halter. Nie war Gratismut billiger. Man muss einfach nur zu Hause bleiben und es via Facebook, Twitter, Instagram und Co die ganze Welt wissen lassen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich sind „Corona-Partys“ nun wirklich nicht gerade das Schlaueste, das man derzeit veranstalten kann. Auch wenn es für eine Durchimmunisierung der Bevölkerung, wie sie zum Beispiel die Niederlande betreiben, durchaus gute Argumente gibt. Mir ist der rebellische Funke, der in diesen feiernden jungen Menschen glüht, aber allemal lieber als die geistige Trägheit all dieser blind der Regierung folgenden und von den Mainstreammedien hirngewaschenen Stubenhocker-Lemminge. Andere, weit schlimmere Krankheiten als die vom Coronavirus ausgelöste brachten diese Leute übrigens nicht dazu, umzudenken. Obgleich zum Beispiel Seuchen wie Syphilis, Hepatitis, Tuberkulose und sogar die Krätze seit Jahren wieder auf dem Vormarsch sind, machten die meisten westlichen Menschen bisher keine größeren Anstalten, ihren liberalen, hedonistischen Lebensstil zu ändern. Geschweige denn, dass sie sich öffentlich und lautstark zu ihrer inneren geistig-moralischen Wende bekannt und andere versucht hätten, dazu zu missionieren. Das wäre aber eben auch weniger hip und vermutlich auch nicht politisch korrekt gewesen.

Nun schreit die Spaßgesellschaft auf einmal geschlossen nach einer möglichst weitreichenden Beschneidung ihrer Grundrechte. Sie bettelt geradezu darum. Die Massenmedien geben den Ton vor, und alle stimmen mit ein. Dies gilt nicht nur für die vermeintlich liberale Mitte, die in Wahrheit noch nie wirklich liberal war, jedenfalls nicht mehr, sobald ihr irgendetwas nicht gepasst hat. Auch große Teile der Skeptiker von den politischen Rändern werfen all ihre Skepsis über Bord und legen eine ungeahnte Staats- und Regierungstreue an den Tag. In gar nicht so seltener Eintracht und getreu dem Querfront-Motto „Was der Wirtschaft schadet, ist immer gut“ freuen sich viele alte Linke und neue Rechte über den lang erträumten Anfang vom Ende der Globalisierung und scheinen in ihrem Überschwang gar nicht zu merken, dass der neue Standard für den „Ausnahmezustand“ das endgültige Ende auch ihrer Freiheit eingeläutet haben könnte. Die Macht, die das Virus den Mächtigen gegeben hat, ist weitaus gefährlicher als das Virus selbst.

Wofür das alles? Zum Schutz der Risikogruppen, für die das Virus im Falle einer Ansteckung tatsächlich lebensbedrohlich sein könnte. Nun handelt es sich dabei allerdings um Menschen, die in einer körperlichen Verfasstheit sind, in der, so hart das klingen mag, so ziemlich alles lebensbedrohlich sein kann. Also um Menschen, die entweder schon sehr alt oder sehr krank oder im schlimmsten Fall beides sind. Diese Risikogruppen vor dem Coronavirus zu schützen, bedeutet bei nüchterner Betrachtung vor allem, ihnen die Möglichkeit zu geben, wenig später an etwas ähnlich „Schwerwiegendem“ zu sterben. Im Zweifelsfall vielleicht nur noch etwas qualvoller. Für all die, die diese Schutzmaßnahmen und diese Option für sich persönlich haben möchten, sollten sie selbstverständlich gewährleistet werden. Warum gibt man Atemschutzmasken nicht vor allem an die aus, die an dem Virus tatsächlich sterben könnten? Wäre das nicht günstiger und damit finanzierbarer und wirtschaftlich verkraftbarer als der aktuelle Totalstillstand für alle? Auch der Gang in die Selbstisolation ist gerade für Angehörige der Risikogruppen natürlich ein probates Mittel. Allerdings sollten die Betroffenen darüber doch bitte auch selbst entscheiden dürfen. Die mit der Quarantäne verbundene Einsamkeit ist für nicht wenige, gerade alte Menschen aber schlimmer als der Gedanke an einen möglicherweise etwas früheren Tod. Auch wenn sich das viele der Empathie-Theoretiker, die jetzt offensiv dazu aufrufen, die eigenen Großeltern nicht mehr zu besuchen, offenbar nicht vorstellen können. Wo es ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben gibt, da muss es auch ein Recht auf selbstbestimmtes Leben geben, sollte man meinen. Aber dieselben Leute, die die Legalisierung von kommerzieller Sterbehilfe, mit Verweis auf eben jenes Selbstbestimmungsrecht des Sterbenden, fast schon euphorisch gefeiert haben, legen bei der Zwangsisolation zur Lebensverlängerung von Alten und Schwerstkranken nun einen geradezu religiösen Eifer an den Tag. Vielleicht auch, weil sie ganz froh sind, selbst einmal aus ihren täglichen Verpflichtungen und ihrem Highlife-Modus herauszukommen und sich einfach nicht in die Lage der älteren Menschen hineinversetzen können, die sowieso schon unter Einsamkeit und der täglichen Tristesse zu leiden haben.

Die selbsternannten Lebensretter wollen die Alten und Kranken, genau wie alle anderen, jetzt ganz selbstverständlich und ohne ihnen ein Mitspracherecht zu gewähren, von für die seelische Gesundheit so wichtigen Dingen wie Nähe und soziale Interaktion abschneiden. Viele letztlich auch vom Sonnenlicht, denn das Haus verlassen soll man ihrer Meinung nach ja nur noch, wenn es absolut notwendig ist. Sie geben dabei selbst zu, dass eine weitere Ausbreitung des Virus so höchstwahrscheinlich nicht mehr verhindert, sondern allenfalls verlangsamt werden kann; so dass wir alle länger etwas davon haben.


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Dossier: Coronavirus

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Boris T. Kaiser

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