29. Januar 2020

Desinteresse am Klimawandel Die Riesenmade Mensch lässt sich an der Nase herumführen

Irenäus Eibl-Eibesfeldt schlug die Abschottung Europas vor

von Michael Klonovsky

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Bildquelle: shutterstock Hüpften nicht gegen den Klimawandel: Dinosaurier

Wiederholt teilen mir Besucher meines kleinen Eckladens „Acta diurna“ mit tadelndem Beiklang mit, dass sie zwar gern vorbeischauten, jedoch die Ansichten des Betreibers zum Klimawandel beziehungsweise dessen wie auch immer dosierter Menschengemachtheit nicht teilen könnten. Liebe Gäste, Kameraden und Umweltsäue! Sollen Sie auch nicht! Ich habe ohnehin keine Ahnung von der Sache. Offen gestanden interessiert sie mich gar nicht. Ich will Ihnen erklären, warum.

Ob der Mensch einen Anteil an der momentanen Erderwärmung trägt oder nicht, ist insofern einerlei, als sich unsere Spezies so oder so auf die Veränderungen einstellen, also sich mit ihnen arrangieren muss. Aber niemals wird eine sogenannte Menschheit gemeinsam, wie es heißt, Maßnahmen gegen den Klimawandel oder sonst was ergreifen, wahrscheinlich würde sie das nicht einmal gegen aggressive Außerirdische hinbekommen. Jedes Land wird vielmehr auf sich selber schauen und sehen, wie es am besten und mit den geringsten Einbußen durchkommt – außer den verrückten Deutschen natürlich, die werden sturheil vorangehen, das OKW (Oberkommando Weltmoral) arbeitet schon an den Marschbefehlen, die anderen werden applaudieren und Bravo! rufen, und danach ihr eigenes Ding machen. Erzählen die aktuellen

Sagen noch vom deutschen Mordor, werden jene der Zukunft vielleicht vom deutschen Auenland handeln. „Oma Umweltsau, können wir dorthin fahren?“ – „Nein, mein Kind, dieses Land existiert nicht mehr...“ Wohlan denn!

Alexander Gauland, den ich gern zitiere, sprach neulich in Hamburg die geflügelten Worte: „Wenn die Welt untergeht, werden wir sie nicht retten. Wenn sie nicht untergeht, wäre es wünschenswert, dass auch wir noch weiter mit von der Partie sind.“ Darum geht es.

Bekanntlich wandelt sich der göttliche Unfug namens Klima permanent, der Planet war schon deutlich wärmer als derzeit, aber die Dinos waren zu faul und schwer zum Hüpfen, mit Ausnahme vielleicht eines begeisterten Velociraptors beim Anblick eines verletzten Protoceratops. Es war niemand da, der den Klimawandel messen und beklagen konnte. Heute explodiert die humanoide Spezies geradezu, was einerseits kurios ist für eine Population, der es angeblich an den Kragen geht, andererseits aber eben jene Vielzahl von Rezeptoren schafft, die ein sich veränderndes Klima überhaupt als Problem wahrnehmen können. Lebten auf Erden zehn Millionen Menschen, spräche niemand vom Klimawandel. Allenfalls wanderte ein Teil wie weiland beispielsweise die Cimbern aus unwirtlich gewordenen Gebieten in freundlichere. Wie die Römer darauf reagierten, ist bekannt. (Als junger Mensch war ich ein Fan der Germanen, doch je älter ich werde, desto mehr neigen sich meine Sympathien Rom zu.)

Mit einem Satz: Wenn die Erde sich weiter erwärmt (was keineswegs sicher ist, weil die Sonne ein Machtwörtchen sprechen kann) und die Bevölkerung in Afrika und Asien weiter so wächst, wird es im 21. Jahrhundert wahrscheinlich Völkerwanderungen, (Bürger‑) Kriege und Hungersnöte mit so vielen Toten geben, dass das 20. Jahrhundert daneben plötzlich ganz passabel dasteht. Die Linken werden den Westen als Schuldigen zum Gepfändet- und Erobertwerden ausschreiben, bis das „Rette sich, wer kann!“ vor der eigenen Haustür erklingt; die Frage lautet, was dann noch an Substanz übrig ist.

Das Problem dieses Planeten besteht darin, dass Gott Biologist ist, aber die mächtigste Spezies sich von Politikern, Managern, Sozialwissenschaftlern und jeder Art von Pfaffen an der Nase herumführen lässt. Diese Leute glauben, dass die Demokratie oder die Medizin oder der Fortschritt oder das Abgeben oder ein Diskurs schon alle Probleme lösen wird. Sie wollen nicht wahrhaben, dass der Mensch primär ein biologisches Wesen ist, erst dann ein soziales, abergläubisches, bisweilen vernunftgesteuertes. Aber im Wesentlichen eine egoistische, geile, verfressene Riesenmade, derzeit in einer Kopfzahl von mehr als sieben Milliarden.

Vernünftig wäre unter dieser Prämisse, was der Verhaltensbiologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt schon vor über 20 Jahren vorschlug, nämlich „dass sich Europa unter Einbeziehung Osteuropas großräumig abschottet und die Armutsländer der Dritten Welt durch Hilfen allmählich im Niveau hebt. Wenn wir im Jahr 1,5 Millionen Menschen aus der Dritten Welt aufnähmen, würde das dort überhaupt nichts ändern – das gleicht der Bevölkerungsüberschuss in einer Woche wieder aus, solange es keine Geburtenkontrolle gibt. Man kann gegen eine Bevölkerungsexplosion in diesem Ausmaß sonst nichts tun, bestenfalls das Problem importieren, wenn man dumm ist.“ Wenn die Europäer unter dem Druck der linken Anywheres in EU, Uno, westeuropäischen Parlamenten und all den Gaunerstiftungen und Spitzbuben-NGOs ihre Grenzen so lange offen lassen, bis es zu spät ist, wird Europa ein ähnliches Bild bieten wie nach dem Untergang Westroms. Es gibt dann keine soziale Frage mehr, sondern nur noch eine ethnische oder die islamische Antwort. Wer es sich leisten kann, wird sich davonmachen. Dass der Meeresspiegel bis dahin um zehn Zentimeter gestiegen ist, wird niemanden mehr interessieren.

Das ist der Grund, warum mich der Klimawandel nicht besonders kümmert. Ich versuche lediglich, meinen kleinen Beitrag dafür zu leisten, dass die Maßnahmen, die gegen ihn beziehungsweise als Sühne für ihn ergriffen werden, nicht unendlich größere Verheerungen anrichten als der Klimawandel selbst. Die für mich denkbar größte Katastrophe wäre eine Weltregierung aus Figuren wie Luisa, Ska, Uschi und Katrin, die zweitgrößte eine Weltregierung aus hochbegabten Zurechnungsfähigen. Merke Don Nicolás: „Die Menschheit ist gerettet, wenn ihre Retter verzweifeln.“

Interview mit Irenäus Eibl-Eibesfeldt auf „Focus Online“ 1996

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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