08. Januar 2020

Stefan Rahmstorf vom PIK in Potsdam in der „Aktuellen Stunde“ des WDR zu Buschbränden in Australien Neue Comedy-Show „Klima-Schwätzperten“

Natürlich ist das nicht ernst gemeint

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Buschbrände in Australien: Folge des Klimawandels?

Die „Aktuelle Kamera“ des WDR hat ein neues Comedy-Format: Klima-Schwätzperten. Einer der Schwätzperten, Stefan Rahmstorf vom PIK in Potsdam (Professionell Insulare Komödianten, Potsdam), bringt eine ganz besondere Einlage: Warum australisches Holz eine andere Zündtemperatur hat als deutsches Holz und warum australische Brandstifter keine Chance gegen den Klimawandel haben.

Vorab wie immer ein paar Fakten, um die WDR-Comedy auch richtig einordnen zu können: Die Zündtemperatur ist die Temperatur, die ein Stoff benötigt, um sich selbständig, also ohne menschliche Hilfe, ohne kleinen Vulkanausbruch und ohne Blitzeinschlag zu entzünden. Ein paar ausgewählte Zündtemperaturen: Holz: 280 bis 340 Grad Celsius; Fichtenholz: 280 Grad Celsius; trockenes Gras/Heu: 260 bis 310 Grad Celsius; Stroh: 250 bis 300 Grad Celsius; Zeitungspapier: 175 Grad Celsius; Holzkohle: 300 Grad Celsius.

Es ist offenkundig, dass der Klimawandel, der notwendig ist, um derartige Temperaturen zu erreichen, die Mithilfe einer heftigen Sonneneruption oder eines Meteoriten oder ein wenig nukleares Feuerwerk benötigt. Ein paar Grad mehr Temperatur haben darauf keinen Einfluss, denn ob es in Australien nun 40 Grad Celsius oder 50 Grad Celsius warm ist, ist dem Heu wie dem Stroh egal. Es entzündet sich nur, wenn nachgeholfen wird, so wie dies in Australien derzeit der Fall ist. Dort sind mittlerweile rund 200 Brandstifter festgenommen worden. Eine kurze Suche in Google nach „Wildfire, Australia, Arsonist“ ergibt eine Unzahl von Pressemeldungen, zum Beispiel eine, die die Zahl der Brandstifter, die bislang festgenommen wurden, mit 183 angibt. Man muss dazu wissen, dass viele Brände von Kindern gelegt werden, die nicht zu den Festgenommenen gezählt werden.

Nun zur neuen Comedy des WDR, featuring Stefan Rahmstorf, der erklärt, warum die „verheerenden Waldbrände“ in Australien eine Folge des Klimawandels sind. Die ganze Blödelei im Wortlaut: „Zum einen sind wir bei der globalen Erwärmung schon bei 1,2 Grad über dem Niveau des späten 19. Jahrhunderts, zum anderen muss man auch verstehen, dass die Landgebiete sich deutlich stärker erwärmen als der globale Mittelwert, weil die Ozeane länger kühl bleiben. Und ein dritter Effekt ist, dass die Extreme noch stärker zunehmen als die Mittelwerte. Das liegt auch an Veränderungen in der atmosphärischen Zirkulation.“

Wann immer ein Komiker versucht, gelehrt zu klingen, wird er wohl einen ähnlichen Schwätzperten-Ansatz wählen, wie dies Rahmstorf hier tut, der für nachfolgende Darsteller in der neuen WDR-Comedy, gemessen am Schwätzperten-Gehalt, die Messlatte sehr hoch gelegt hat.

Weil Extreme stärker zunehmen als Mittelwerte, gemeint ist wohl der globale Mittelwert, und die Ozeane „cool“ bleiben, trotz all der Erwärmung, deshalb entzündet sich australisches Holz ganz ohne menschliches Zutun und als Folge des Klimawandels, wobei bereits 1,2 Grad mehr als noch vor dem Ende des 19. Jahrhunderts gemessen wurden, global versteht sich, an den wohl rund 30 Messstationen, die damals weltweit vorhanden waren, also schlappe 1,2 Grad mehr an Celsius ausreichen, um die Zündtemperatur von Holz, Heu, Stroh zu erreichen, was voraussetzt, dass der menschengemachte Klimawandel die Extreme in Australien, die Schwätzperte Rahmstorf stärker wachsen lässt als nicht näher genannte Mittelwerte, in australischen Wäldern Temperaturen von mindestens 280 Grad Celsius zur Folge haben.

Comedy vom Feinsten. Denn natürlich ist das nicht ernst gemeint. Meinte Rahmstorf ernst, was er hier sagt, er würde sich zum Gespött machen.

Die erste Folge der neuen WDR-Comedy „Aktuelle Kamera“ kommt noch etwas spröde daher, der Darsteller wirkt etwas hölzern und fremdelt mit der Kamera. Aber das wird schon werden.

Ich freue mich schon auf die nächste Folge der neuen Comedy-Serie.

WDR „Aktuelle Stunde“: „Klimaforscher zu Buschbränden in Australien“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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