16. Dezember 2019

Wissenschaftler gegen Alarmismus Klimawandel positiv für Afrika?

Vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen

von Volker Seitz

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Bildquelle: shutterstock Sahara: Vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen

Die häufigen Demonstrationen zur „Rettung der Welt“ schaffen politischen Druck und Aufmerksamkeit, führen aber kaum zu einer rationalen Umweltpolitik. Zu viel Wichtiges und Unwichtiges wird auf der Straße gefordert. Wer anstrebt, in kurzer Zeit auf nationaler Ebene Kohlendioxid-Neutralität zu erreichen, und dafür exorbitante Milliardenbeträge einsetzen sowie den Niedergang ganzer Industriezweige hinnehmen will, kann damit vielleicht die Welt moralisch belehren. Aber wir sollten uns nicht als moralische Leitnation aufspielen. Der Anstieg der Erderwärmung lässt sich so nicht verhindern, wenn anderswo die Kohlendioxidemissionen ständig gesteigert werden.

Während heutzutage viele Wissenschaftler die Grenze zum Alarmismus überschreiten und selbst zu „Aktivisten“ werden, gibt es renommierte Forscher, die der Zeitgeist nicht als „Klimaleugner“ diffamieren kann. Hans von Storch, bis Ende 2015 Direktor am Institut für Küstenforschung in Geesthacht und Professor an der Universität Hamburg, gilt als einer der wichtigsten Klimaforscher Deutschlands. Er hat auch in China gelehrt. Von Storch zweifelt nicht am Klimawandel, aber er tritt den üblichen Dramatisierungen entgegen. Diese sollen Aufmerksamkeit für den Klimawandel schaffen. Aber er fragt, wo die notwendige Aufklärung endet und der Alarmismus beginnt. Vor allem werde die Vorbildfunktion Europas überbewertet. Alles werde übertrieben. Ohne China und die USA sei das Ziel Klimaneutralität nicht zu erreichen. Panik und Denkverbote aber seien miserable Ratgeber bei diesem Thema, sagte von Storch am 3. Dezember 2019 beim Klimatalk der TV-Sendung „Hart aber fair“.

Die Bundesregierung lernt nicht aus ihren Fehlern

China und Indien sind zu sehr auf ihre wirtschaftliche Entwicklung konzentriert, als dass sie schon jetzt Emissionen senken würden. Warum sollte China in der Klimapolitik etwas tun, das in unserem und nicht im eigenen Interesse liegt? So finanziert China im In- und Ausland neue Kohlekraftwerke und setzt weltweit auf fossil basierte Stromsysteme. Ist es nicht ein Ausdruck unserer Selbstüberschätzung, wenn wir glauben, dass ein Land wie China sich durch „Entwicklungshilfe“ in unsere Klima- und Umweltvorstellungen einbinden lässt? Das eigentlich Traurige bleibt, dass die Bundesregierung überhaupt nicht aus ihren Fehlern lernt. Wozu man einem Land Entwicklungshilfe leisten muss, das im Gegensatz zu Deutschland nicht nur in der Lage ist, Großflughäfen zu bauen, sondern auch führend bei modernster Kerntechnik ist und ein Weltraumprogramm unterhält, ist schlicht nicht zu verstehen. Allein die Europäer mit ihrem sinkenden Anteil von lediglich noch neun Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen werden das Klima nicht retten können.

Wenn es um den Klimawandel geht, ist selten von positiven Effekten die Rede. Höhere Temperaturen des Mittelmeers sind die Hauptursache dafür, dass mehr feuchte Luft aus dem östlichen Mittelmeer an den Südrand der Sahara gelangt. Forscherinnen und Forscher des Max-Planck-Instituts für Meteorologie um den Leiter Martin Claußen haben seit einigen Jahren das Wechselspiel von Klima und Vegetation simuliert. Sie sind zu der Einschätzung gekommen, die Erderwärmung könnte positive Auswirkungen auf Afrika haben. Unter der Überschrift „Die Wüste grünt“ schreiben die Wissenschaftler: „In der Sahara könnten sich bei einer mäßigen Erderwärmung Pflanzen ausbreiten – so wie es auch in der Vergangenheit ab und an geschah.“ Durch die Erderwärmung werde „die Verdunstung wie unter einem Kochtopfdeckel zunehmen“, was wiederum zu höheren Niederschlägen führe.

Untersuchungen der Wüste haben ergeben, dass es dort immer wieder feuchtere Perioden gegeben hat. Erst vor rund 5.500 Jahren wurde es dann wieder trockener. In den letzten Jahren ist eine Zunahme der Vegetation im Süden erkennbar. Thilo Thielke zitiert Martin Claußen in der „Frankfurter Allgemeinen“ vom 03.12.2019: „Der Feind dieser Entwicklung sei gerade nicht der Klimawandel, sondern die Überbevölkerung. Überweidung und falsches Landmanagement könnten die Vegetation schnell wieder vernichten.“

Vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen

Auch der Geograph Stefan Kröpelin konnte bereits beobachten, dass der Klimawandel die Sahara offenbar sehr viel früher wieder ergrünen lässt, als es allein nach dem natürlichen Zyklus der Fall wäre. Kröpelin ist Wissenschaftler an der Forschungsstelle Afrika des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln und kennt die Sahara so gut wie kaum ein anderer. „Ich fahre jedes Jahr in die gleichen Gebiete. Sie liegen abseits von Siedlungen und werden nicht mal mehr von Nomaden genutzt. Und da ist seit Ende der 1980er Jahre ein vorsichtiger Trend zum Wiederergrünen der Sahara auszumachen“, sagte er im Gespräch mit ntv am 8. November 2017. „Die Niederschläge nehmen völlig zweifelsfrei zu. Der Grasbewuchs kommt wieder. Später kommen die Mäuse und Vögel, dann gibt es mehr Weiden, und schließlich kehren die Gazellen zurück.“

Hans von Storch in „Hart aber fair“

Volker Seitz: „Warum kriegt China immer noch deutsche Entwicklungshilfe?“

„Max-Planck-Forschung“: „Die Wüste grünt“ (PDF)

„Frankfurter Allgemeine“: „Das Bewusstsein wächst langsam“

ntv: „Kältere Arktis ließ Sahara austrocknen“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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