11. Dezember 2019

„Klima-Diskussion“ Der Kern

Es geht nicht um rivalisierende Hypothesen, sondern um Knechtschaft oder Freiheit

von Frank Jordan

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Bildquelle: shutterstock Geht meistens nicht sehr weit: „Klima-Diskussion“

Eine „Klima-Diskussion“ geht meistens nicht sehr weit. Mehr noch: Im Grunde endet sie bereits ganz zu Beginn. Dann nämlich, wenn das 97-Prozent-der-Wissenschaftler-sagen-Totschlagargument kommt. Dann, wenn man im Sinne Poppers dagegenhält, dass ein Satz auch dann keinen Grund für Wahrheit liefert, wenn alle Menschen an seine Wahrheit glauben und seine Unwahrheit längst für undenkbar halten. Dass der Weg aller Wissenschaft gepflastert ist mit ausrangierten Theorien, die über lange Strecken von 100 Prozent der Menschen für wahr gehalten wurden. Dass Wissenschaft nie Endgültigkeit einschließt. Und dass schließlich, wo solches abgestritten wird, man nicht länger im Bereich der Wissenschaft, sondern in jenem der Orakelei und des Dogmas ist.

Hier ist meist bereits das Ende der Fahnenstange und zugleich der Kern der Sache. Denn das nächste „Argument“ ist dann oft das folgende: „Okay – aber sogar dann, wenn nur eine einprozentige Chance besteht, dass die Wissenschaft richtig liegt und die Welt in ein paar Jahren zum Teufel gehen könnte, sind wir zu jeder noch so rigorosen Maßnahme verpflichtet. Das sind wir unseren Kindern schuldig. Wer dies nicht will, ist ein Mörder.“

Da nun liegt der Kern der „großen Gegnerschaft“, und es zeigt sich: Sie ist nicht ein Streit um Argumente, sondern einer um Sinn. „Alles, alles – auch ein bisschen Totalitarismus –‍, um zu überleben!“, sagen die einen. „Am Leben sein ist nicht genug“, die anderen. Mehr noch: „Am Leben sein ist gar nicht Leben.“ Die Freiheit des Gehorchens ist keine Freiheit. Denken und Handeln in abgesteckten Korridoren des Denk- und Machbaren ist nicht Denken und Handeln, sondern rattenhaftes Konditioniertsein. Fortschritt durch Unterdrückung des Individuums ist nicht Fortschritt, sondern die Absage an 300 Jahre Aufklärung. Sein ganzes Tätigsein, seine Kraft und Lebenszeit für Lohn in den Dienst nicht wissenschaftlich, sondern metaphysisch begründeter Macht einiger weniger zu stellen, ist nicht Leben, sondern sklavisches Anschaffen.

Der Graben zwischen den zwei Standpunkten ist in Wahrheit also nicht ein frisch ausgehobener, der rivalisierende Hypothesen trennt, wie man uns weismachen will, sondern einer, der so alt ist wie die Menschheit selbst: jener zwischen Knechtschaft und Freiheit. Das ist es, worum es geht: Nicht um die nächste Generation, nicht um das „Klima“ oder um „Gerechtigkeit“, sondern einzig um die Frage danach, wie wir leben wollen. Diese Frage heute und hier für sich selbst beantworten zu dürfen, ist der Kern allen Menschseins. Wer dieses „einzige wahre Menschenrecht“ nicht zugesteht, will nicht menschliche Kooperations- und Koexistenz-Konzepte verändern, verbessern oder abschaffen, sondern einmal mehr den Menschen selbst – und in den meisten Fällen merkt er es nicht mal.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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