14. November 2019

Antwort auf Martin Sellner, die auf sezession.de gelöscht wurde Von wegen „sozialer Patriotismus“

Dokumentation eines bei den Altlinksneurechten unerwünschten Leserkommentars von Benjamin Kaiser

von Redaktion eigentümlich frei

Artikelbild
Bildquelle: Johanna Poetsch / Shutterstock.com Martin Sellner: Widerspruch unerwünscht?

Heute erschien von Identitären-Chef Martin Sellner auf der Internetseite der Zeitschrift „Sezession“ eine Auseinandersetzung mit liberalen und libertären Ideen. Sellner beklagt die „totale Mobilmachung des Menschen in einem Weltmarkt“ – also durch Angebote, die man ablehnen kann. Dazu und zu anderen Argumenten vielleicht später mal mehr, so wichtig war es nicht.

Bemerkenswert aber ist in einem Umfeld, das seinerseits Löschungen etwa auf Youtube oder Amazon gerne als „Angriff auf die Meinungsfreiheit“ beklagt, dass ein kritischer, sehr sachlicher Leserkommentar kurz nach Veröffentlichung von den Administratoren der „Sezession“ gelöscht wurde.

Benjamin Kaiser stellt eigentümlich frei seinen bei der „Sezession“ nicht geduldeten Kommentar zur Verfügung – und wir danken dafür, verbunden mit einem Hinweis auf das gerade erschienene neue Buch von Benjamin Kaiser (herausgegeben von Heiko Schrang): „Kulturmarxismus. Eine Idee vergiftet die Welt“. (Dazu demnächst mehr in ef, direkter Link zum Buch unten.)

Das besonders in der Neuen Rechten verbreitete Konzept eines sozialen Patriotismus ist tatsächlich äußerst skeptisch zu bewerten. Bei einer solchen politischen Programmatik wird ähnlich wie im derzeit herrschenden Kulturmarxismus die Autarkie des Menschen beschränkt und die immer weiter ausufernde Umverteilung und staatliche Regulierung aller Lebensbereiche vorangetrieben:

Sind der Sozialstaat, der neue Sozialismus und die daran angegliederte Bürokratie erst einmal etabliert, müssen sie zwangsläufig wachsen.

Die Hintergründe für diese Wucherung sind vielfältig, vereinfacht hier einige Punkte:

Die zur Finanzierung des Sozialstaates nötigen Steuern und Sozialabgaben beschränken im unteren Lohnbereich das Einkommen in einer Weise, dass erst aufgrund der Abgaben zur Finanzierung des Sozialstaates Anträge auf ergänzende Sozialleistungen gestellt werden müssen. (Berühmtes Beispiel ist die zwangsweise Krankenversicherung für kleine Selbständige.)

Hat sich in den Köpfen der Menschen der Staat als Heilsbringer etabliert, wachsen die Ansprüche, die durch Steuergelder finanziert werden müssen, ins Unermessliche. (Beispiel: bedingungsloses Grundeinkommen, die Menschen möchten staatlich rundumversorgt auf dem Sofa liegen.)

Je mehr der Mensch seine Befähigung zu wirtschaftlicher Autonomie verliert, desto abhängiger wird er von staatlicher Umverteilung. (Beispiel: Generationenübergreifender Bezug von Sozialleistungen. Die Kinder lernen von den Eltern, dass Sozialleistungen den Lebensunterhalt sichern, und sind nicht mehr in der Lage, sich den Lebensunterhalt aus eigener Kraft zu verdienen.)

Bürokratien wachsen natürlicherweise und suchen sich stets neue Arbeitsbereiche.

Zusätzliches Problem eines sozialen Patriotismus ist jedoch meiner Ansicht nach, dass er durchaus, besonders in Ostdeutschland, Erfolg haben könnte. Durch das Programm „sozial und patriotisch“ wird vermutlich insbesondere im Osten so etwas wie eine „Querfront“ entstehen können.

Das mag dann vielleicht in der Migrationsfrage eventuell eine Verbesserung darstellen. Das Problem der zunehmenden staatlichen Einflussnahme auf das persönliche Leben ist damit jedoch keinesfalls gelöst, sondern wird weiter zementiert. Die Menschen werden vollends in die staatliche Abhängigkeit getrieben, von ihrem Einkommen bleibt allenfalls noch ein Taschengeld, das dann durch Umverteilung nach bürokratischer Maßgabe, durch Sozialleistungen, ergänzt wird.

„Sozial geht nur national“, hieß es vor ein paar Jahren auf den Werbeplakaten einer durch den Verfassungsschutz unterwanderten Partei. Wie Rolf Peter Sieferle in „Das Migrationsproblem“ konstatierte, ist durchaus etwas dran.

Sollte sich also so etwas wie ein „sozialer Patriotismus“ durchsetzen, werde ich mich diesem politischen Modell mit Entschiedenheit entgegenstellen. Freiheit, Autarkie und Patriotismus sind für mich konstitutiv.

Benjamin Kaiser

Benjamin Kaiser und Heiko Schrang: „Kulturmarxismus. Eine Idee vergiftet die Welt“ (amazon.de)


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