07. November 2019

Linke Gewalt in Leipzig und anderswo Wenn Kräne brennen

Die Antifa will zerstören

von Dushan Wegner

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Bildquelle: shutterstock Will zerstören: Antifa

Ein Schüler fragte: „Meister, was ist Glück?“ – „Glück ist ein anderes Wort für richtige Ordnung“, sagte der Meister, „das Glück zeigt uns nicht den Weg zu sich“. Der Schüler hatte nicht verstanden. Er nickte und schwieg höflich.

Am Horizont war ein Berg zu sehen, und seine Flanke war weniger als einen halben Tagesmarsch entfernt. „Wenn ich zum Berg gehen wollte“, fragte der Meister, „wohin müsste ich mich dann richten?“ Der Schüler zeigte auf den Berg und sagte vorsichtig: „Soll man sich nicht nach dem Gipfel ausrichten? Zeigt der Gipfel nicht an, wo der Berg ist, und damit, wohin der Weg zum Berg führt?“ – „Richtig“, sagte der Meister, „der Gipfel zeigt an, wo entlang es zum Berg geht. Doch es gibt Wege, die zwar zum Gipfel führen, eine Zeitlang aber gar nicht zum Gipfel weisen. Es kann ja schneller und einfacher sein, den Berg zu besteigen, indem man an der Seite des Berges entlanggeht. Es gibt erfahrene Wanderer, die den Berg besteigen, ohne den Gipfel zu sehen. Es gibt dumme Wanderer, die den Berg zu besteigen versuchen, ohne den Gipfel gesehen zu haben. Die Unwissenden wissen nicht, was die Erfahrenen erfahren haben. Im Zweifel gilt: Der Berg weist den Wanderern durch seinen Gipfel den Weg zu sich selbst.“

„Aber das Glück ist nicht wie der Berg“, sagte der Schüler. „Wieder richtig“, sagte der Meister, und er zeigte auf einige zerstreute Steine am Rande des Weges. Der Meister fragte: „Was kannst du über diese Steine sagen, die hier zerstreut liegen?“ Der Schüler sagte: „Diese Steine sind wohl einmal eine Mauer gewesen.“ – „Ein weiteres Mal richtig“, lobte der Meister, „diese Steine, so scheint es, sind einst eine Mauer gewesen. Doch was an diesen Steinen weist darauf hin, dass sie zur Mauer bestimmt sind?“

Der Schüler studierte die Steine, dann versuchte er sich an einer Antwort: „Die Steine liegen auf eine Art am Boden, wie sie liegen würden, wenn ein Mensch sie einst zur Mauer geschichtet hätte. Auch findet man am Rand dieser Wege oft Mauern, gebaut aus Steinen von dieser Art. Also nehme ich an, dass diese Steine die Teile einer Mauer waren, die vielleicht von einem Sturm oder von bösen Leuten umgeworfen wurde.“ – „Und schon wieder richtig!“, freute sich der Meister, „aus deiner Erfahrung, aus der Umgebung und aus dem Rest an Ordnung innerhalb der Steine schließt du auf die gute und richtige Ordnung der Steine. An diesen Steinen zeigt ja wenig an, dass sie Teil einer Mauer sein sollten. Diese Steine könnten auch Teil einer Straße sein oder eines Hauses. Diese Steine könnten am Boden des Meeres liegen oder sie könnten Teil eines Felsens sein, unangetastet, seit die Erde existiert. Doch nein, diese Steine liegen hier, und aus der Art, wie und wo sie liegen, schließt du, was ihre Ordnung sein sollte.“

Der Schüler setzte zu einer Antwort an, doch der Meister fuhr fort: „Richtig, das Glück ist nicht wie der Berg, dessen Gipfel den Weg signalisiert. Das Glück ist wie die Steine der Mauer, deren Ordnung du selbst bestimmst, anhand der Nützlichkeit, der Umgebung und der Erfahrung derer, die vor dir lebten. Ein Berg hat seinen Gipfel, der weithin sichtbar ist, und am Gipfel richten sich die Wanderer aus. Wer zum Gipfel läuft, der steigt damit auch den Berg hinauf, doch so ist das Glück nicht. Das Glück ist mehr wie die Mauer, deren Ordnung du den Steinen erst gibst.“

Der Schüler sinnierte über die Steine der Mauer, die zerstreut am Boden lagen, und es drängte ihn, sie wieder aufzubauen. Der Meister sagte: „Wer sein Glück bauen will, der setze den ersten Stein.“ Der Schüler bückte sich und setzte einen der zerstreuten Steine zurück. Der Meister lächelte. Einen Stein auf den nächsten zu setzen, das war dem Glück recht nahe.

Nicht der erste „Hausbesuch“

Man hört beängstigende Meldungen aus Leipzig, seit einiger Zeit nun. In der Nacht vom 2. auf den 3. November wurden auf einer Baustelle zwei Kräne in Brand gesetzt – Sachschaden circa zehn Millionen Euro, ein linkes Bekennerschreiben liegt vor. Der nächste Brandanschlag erfolgte kurz darauf in Bautzen – 400.000 Euro Schaden. Die von Linken verbreitete Legende, wonach sich linke Gewalt immer nur gegen „Sachen“ richtet, wird jedes Mal widerlegt, wenn die rote SA versucht, mit Gewalt die Veranstaltungen der Opposition im Stil der braunen SA zu sprengen, und von der Polizei davon abgehalten werden muss – doch manchmal ist eben keine Polizei da, dann schlägt die Antifa ganz konkret zu.

Am Abend des 3. November 2019 wurde in Leipzig die Prokuristin einer Immobilienfirma von Vermummten daheim überfallen und geschlagen; man geht von Linksextremismus aus. Es ist nicht der erste „Hausbesuch“ (linkes Vokabular) von Linken, aber bislang galten diese privaten Bedrohungen vor allem jenen, die Linke als „rechtsextrem“ bestimmten. Jetzt trifft es eine Person allein ihres Berufs wegen, was ein klein wenig die Presseresonanz erhöht – wenn auch nicht wirklich im Staatsfunk, da spricht man aktuell eher so über rechts, über rechts, über rechts, über rechts, über rechts, über rechts, und außerdem über rechts. (Die Suche nach „Linksextreme“ auf heute.de für den Zeitraum 1. bis 5. November 2019 ergibt am 6. November 2019 genau null Fundstellen, die Suche nach „Rechtsextreme“ dagegen zehn. Man kann die Suchen auch ohne Zeitbegrenzung und mit anderen Stichworten probieren. Mit dem Zweiten sieht man besser? Kommt drauf an, was man unter „besser“ versteht.)

Eine Linie oder keine

Das Wort „Terror“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Schrecken“. Heute steht „Terror“ für den Versuch, durch die Verbreitung von Angst und Schrecken politische Ziele zu erreichen. Ein Terrorist ist in demokratischen Gesellschaften jemand, der sich nicht die Mühe machen will, seine politischen Ziele über rechtsstaatlich-demokratische Wege wie Wahlen, Gesetze und Gerichte durchzusetzen, sondern stattdessen auf (öffentliche) Gewalt und Einschüchterung seiner Gegner setzt.

Mancher Zyniker könnte den Verdacht entwickeln, dass Medien und Politiker die Vokabel „Terror“ nicht nur nach der Wahl der Methoden zuteilen, sondern auch nach der politischen Gesinnung. Wenn Antifa-Trupps versuchen, politische Ziele durch Gewalt und Einschüchterung zu erreichen, durch Brände und Aufmärsche bis hin zu Angriffen auf Menschen, dann müsste man doch erstens diese Aktionen richtig „Terror“ nennen und zweitens diejenigen, die sie ausführen, richtig „Terroristen“. (Wie man jene nennen soll, die mit ihnen sympathisieren, überlasse ich diesen selbst – vielleicht wissen jene selbst nicht, was sie reden.)

Ja, Terror macht mir Angst, doch etwas macht mir noch mehr Angst, und das ist die ideelle Unterstützung, die die roten Terroristen zu genießen scheinen. Es wäre müßig, mit der Antifa diskutieren zu wollen. Erstens diskutiert man nicht mit Erpressern (Terror und politische Gewalt sind eine Art von Erpressung), und zweitens würde es die Ebenen verwechseln. Im Handeln der Antifa ist keine echte politische Linie erkennbar, es sind wenig mehr als Schlagworte und Floskeln. Das Handeln der Antifa hat immer dasselbe Ziel: Die Gesellschaft zu destabilisieren und öffentliche Ordnung anzugreifen. Ich frage nicht, warum sie es tun – erstens spielt es in der Bewertung der Folgen und damit des ethischen Wertes wenig bis keine Rolle, und zweitens sind Gespräche mit Fanatisierten inhaltlich selten besonders ergiebig (Youtube liefert genug Beispiele, auch wenn ich sie hier nicht einzeln verlinken will).

Bei genauer Betrachtung stellen wir fest, dass es keine Linie gibt zwischen dem, was Rechtsextreme denken und tun, und dem, was jene glauben, die heute als „rechts“ beschimpft und bekämpft werden. Rechtsextreme hassen das Fremde – jene, die heute als „rechts“ bekämpft werden, sind tatsächlich meist noch deutlich „links“ der SPD oder der CDU vor Merkel – oder sogar noch der unter Merkel um 2002. Es gibt jedoch eine klare Linie zwischen Linken und Linksextremen – „Linke“ fordern Maßnahmen wie die Deindustrialisierung im Namen „ökologischer Moral“, die das Land beschädigen werden, Linksextreme arbeiten aufs selbe Ziel direkt und mit Gewalt hin.

Gebückter Gleichschritt

Hinter allen Religionen und ihren neuen Varianten, nämlich psychologischem Marketing und moderner Konsumkultur, steckt immer wieder dieselbe Grundfrage: Wie werde ich glücklich?

Warum kaufen wir ein? Um glücklich zu werden! Warum besuchen wir ein Konzert oder gründen eine Familie? Warum hängen wir einer Religion an oder geben uns diesem oder jenem Aspekt der Konsumkultur hin? Immer nur mit dem einen Ziel: um glücklich zu werden, um unsere Splitter am Glück zu erwerben.

Die Attraktivität der sogenannten „Rechten“ ist einfach zu erklären: Menschen ahnen, dass Glück sich in einer Ordnung der relevanten Strukturen um uns herum finden lässt. Menschen spüren, dass der linke Kampf gegen Ordnung und Strukturen nicht nur demokratisch bedenklich ist, sondern Menschen auch unglücklich macht. Es ist dem Linkssein wesentlich, ein unrealistisches „Ideal“ vorzugeben, an das sich Menschen gefälligst anzupassen haben – deshalb münden linke Ideen so oft konsequenterweise in Totalitarismus. Das Problem ist: Dieses Ideal gibt es nicht und kann es nicht geben. Die Reaktion der Linken ist folglich, alles zu zerstören (oder erst einmal zu verbieten), was ihrem Ideal nicht entspricht – bis es nichts mehr gibt, bis ihr Wahn implodiert oder von außen gestoppt wird. Der Gang der Linken ist der gebückte Gleichschritt, und niemanden hassen sie mehr als den, der aufrecht gehen und nach seinem eigenen Gusto frei leben möchte.

Es liegt an uns

Freiheit ist zuerst die Freiheit, sein eigenes Glück nach seinem Gusto zu bauen. Es gibt keine „ideale Ordnung“, du musst deine Ordnung selbst finden. Misstraue den Leuten, die dir vorschreiben wollen, hier oder dort sei Glück, das sie dir geben könnten, wenn du ihnen nur gehorchst – es hat einen guten Grund, warum diese Schwätzer so oft am Leben gescheitert und unglücklich wirken (oder jung, dumm und unerfahren).

Du findest die Steine vor, die du vorfindest. Niemand sucht sich aus, in welche Familie und in welches Land er geboren wird, nicht einmal, welche Kultur es ist, die ihn zuerst prägt. Es liegt an uns, die Steine, die wir vorfinden, neu für uns zusammenzustellen – und wir selbst sind einer dieser Steine!

Linke sagen, sie wollten eine bessere Welt, doch ihr „besser“ bedeutet Gleichschritt und Unterwerfung, und das Ergebnis ist immer und immer wieder nichts als Angst und Elend.

Suche nach der Ordnung für die Steine, die du im Leben vorfindest – ordne deine Kreise!

In diesen Tagen wird viel diskutiert, ob man doch „mit der AfD reden“ dürfe, etwa in Thüringen, auch politisch. Es ist eine wichtige Frage, aber nicht die eigentliche. Die eigentliche Frage ist, wie lange sich das Land noch eine Politik und eine Geisteshaltung erlauben will, erlauben kann, die das Leben der Menschen in Unordnung bringen, die den Bürger und seinen Staat voneinander entfremden.

Vertun wir uns nicht: Einige der Antifa-Schläger, die Bürger angreifen und Brände legen, sind überzeugt, mit Rückendeckung der öffentlichen Meinung, der Moral (was auch immer sie darunter verstehen), der Mehrheit der Journalisten und eines Teils der Politik zu handeln. Die Antifa wird ihr letztes Ziel nicht erreichen – hoffentlich –‌, denn ihr praktisches Ziel ist Zerstörung. Was wird also ihr nächster Schritt sein? In Sachsen wird jetzt die „Soko Linksextremismus“ ins Leben gerufen; wir sollten den Verantwortlichen danken und guten Erfolg wünschen. Braucht es Mut, auch gegen den linken Zeitgeist jene Leute dingfest zu machen, die die Ordnung zerstören wollen? Wenn es Mut braucht, dann wünschen wir ihn, von Herzen.

Politiker, macht Politik für jene Bürger, die wenig wollen, außer ihr Leben und ihre „relevanten Strukturen“ zu ordnen! Im Wunsch und Streben nach Glück und Ordnung stützen die Bürger den Staat und doch auch euch!

Wenn Unordnung gegen Ordnung steht, würde ich langfristig immer auf die Ordnung setzen. Wonach sollte sich der Mensch sehnen, wenn nicht nach Glück und Ordnung?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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