04. November 2019

Dialog mit Linken Wenn sie uns so hassen, sollen wir noch mit ihnen reden?

Der linke Hass auf alle Nicht-Linken wird brutaler

von Dushan Wegner

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Bildquelle: shutterstock Nicht immer möglich: Brücken bauen

Es gibt Brücken, die stehen auf Stelzen. Es gibt Brücken, die schwimmen auf dem Wasser. Es gibt sogar Brücken, die lassen sich auf Knopfdruck hochziehen, etwa wenn ein Schiff vorbeikommt und die Brücke sonst zu niedrig wäre. Und in der Schweiz gab es bis vor wenigen Jahren einige Brücken, bei denen war TNT-Sprengstoff eingebaut. Sollte einmal drohen, dass Panzer drüberfahren, die nicht drüberfahren sollen, dann hätte man die Brücken vorher sprengen können, damit jene Panzer dann nicht mehr drüberfahren. Erst 2014 wurden die letzten Sprengsätze aus den Brücken nach Deutschland entfernt.

Eine Brücke soll eine bestimmte Funktion erfüllen, nämlich Menschen und/oder Fahrzeugen einen Weg bereitstellen, um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen – und meist, wenn sie wollen, auch wieder zurück von Punkt B nach Punkt A. Wenn man an Punkt A lebt, dann kann es der Fall sein, dass das, was von Punkt B kommt, gefährlich ist, und dann kann es sinnvoll sein, von sich aus die Brücke zu sprengen.

„Einfach eine reinhauen“

30 Jahre nach dem Mauerfall und bald auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung ist Deutschland ein innerlich geteiltes Land. Die Grenze der neuen Teilung verläuft durch die Köpfe und Seelen, wenn sie sich auch schwerpunktmäßig entlang alter Grenzen manifestiert.

Die neue Teilung benutzt alte politische Aufkleber, namentlich „links“, „rechts“ und „Mitte“, doch es ist auf Orwellsche Weise gegenteilig, und damit Unsinn. Was sich heute „links“ nennt, ist oft blind für den einfachen Arbeiter (manche sagen: waren die alten Linken auch), verachtet offen demokratische Prinzipien und dient sich schamlos Globalisten an. Was heute als „rechts“ beschimpft wird, will meist nur in Frieden und auf Augenhöhe mit den Nachbarn leben, will den kleinen Mann in Schutz nehmen vor Globalisten und ihren „linken“ Helfershelfern, und ansonsten will es den Rechtsstaat bewahrt wissen, mit einem Rechtssystem, das für alle Menschen gleichermaßen gilt, ohne Ansehen von Person, Rasse und politischer Herkunft.

Nach der Landtagswahl in Thüringen schwoll der ohnehin permanent strömende Hass sogenannter „Linker“ gegen Abweichler zu neuer Stärke an. Bekannt wurde etwa die für den NDR, den „Stern“ und den Komiker Otto arbeitende Jenny Kallenbrunnen, die erklärte: „In Thüringen würde ich ab morgen bedenkenlos jedem fünften Menschen, der mir begegnet, einfach eine reinhauen.“ (27.10.2019, inzwischen gelöscht, aber vielfach im Internet dokumentiert.)

Der „Spiegel“-Korrespondent Hasnain Kazim beschreibt sein Anliegen, Wähler der Opposition „auszugrenzen, zu ächten, sie klein zu halten, ihnen das Leben schwer zu machen“. (Kazim tritt gelegentlich wie ein selbsterklärter „Migrantensprecher“ auf – mich vertritt er nicht.)

Die offen erklärte Ausgrenzung von Andersdenkenden kommt nicht aus dem Nichts – es fängt früh an. Linke Lehrer lassen sich innerhalb der linken Blase für ihre politische Indoktrination feiern. Ich habe selbst reichlich Elternberichte über Lehrer, die linksgrüne politische Agitation an Schulen verbreiten – meiner eigenen Tochter wurden an einer NRW-Schule wahrheitswidrige Behauptungen über eine Oppositionspartei erzählt.

Jene, die sich „links“ und „gut“ nennen, bedienen sich des Jargons und der Denkweise der echten Nazis und entmenschlichen Abweichler. Auch der deutsche Staatsfunk wirkt gelegentlich recht offen in der Agitation gegen Abweichler. Der Begriff „Rassist“ sitzt ja bei Linken bekanntlich sehr locker und bedeutet, ähnlich wie „Nazi“, in der Praxis wenig mehr als „Abweichler“, und im Deutschlandfunk wird offen zum „Hass“ aufgerufen gegen alle, die im engen linksgrünen Weltbild zu „Rassisten“ gestempelt wurden: „Hassen? Ja, aber das Richtige!“ (Deutschlandfunk Kultur, 31.10.2019.) Das „das“ im Titel ist irreführend, der Text meint explizit Menschen.

Propaganda wirkt, und sie spaltet das Land. Familien brechen auseinander, Menschen leben ein öffentliches und ein privates Leben, in einem zu sehr gespaltenen Land wird nicht die Hoffnung auf Glück, sondern die Angst vor der falschen Meinung – und dem gelegentlichen Messer – zum neuen Normalzustand. Wenn du heute „Wie geht‘s?“ gefragt wirst, überlegst du erst einmal, wie ehrlich du sein kannst, damit sie dich nicht fürs falsche Gefühl fertigmachen.

Ich will zurückfragen

Als ich die Essays auf meinem Blog zu schreiben begann, hoffte und glaubte ich, helfen zu können, eine Brücke über den großen Graben zu bauen. Einer meiner meistgelesenen Texte hieß sogar wörtlich „Eine Brücke über den großen Graben“. Es war, was mich antrieb – und es wäre immer noch, was mich antreiben würde, wenn ich denn eine Möglichkeit sähe.

Kann man „mit Linken reden“? Ich will zurückfragen: Wie soll man mit jemandem reden, der einen ausgrenzen, ächten und letzten Endes vernichten will? Wie willst du mit jemandem reden, der deine Kinder fanatisieren und gegen dich aufbringen will? Wie willst du mit jemandem reden, der dich als „Ratte“ betrachtet, als Ungeziefer, kaum noch als Menschen?

Ein Gespräch braucht gewisse Grundvoraussetzungen. Zu den Voraussetzungen eines gelingenden Gesprächs gehört etwa, dass beide Parteien sich den Regeln von Logik und Argumentation unterwerfen, dass man Kausalität als solche anerkennt, dass man dem Gegenüber zustimmt, wenn es das stärkere Argument vorlegt – das Gespräch mit Linken scheitert bereits daran. Wie willst du ein Gespräch führen mit jemandem, dessen Position lautet, deine Meinung sei Hass und Hass sei keine Meinung, also könne deine Meinung gar nicht valide sein?

Doch selbst wenn wir, um der lieben Hoffnung willen, akzeptieren wollten, dass Linke nicht mehr mit Logik, Kausalität und Fakten argumentieren, dass es nur noch darum geht, emotionale Fetzen in den Debattenraum zu schmieren, selbst wenn man solche intellektuelle Regression akzeptieren wollte, selbst dann wäre ein Austausch nicht möglich. Du kannst keine Brücke bauen zu einem Menschen, der dich nicht einmal als Menschen betrachtet, der dich als Ungeziefer sieht, als Nicht-einmal-Menschen, weil du seine Meinung nicht teilst.

Die in den Medien dominierende Linke hat sich in den Wahn gesteigert, dass Nicht-Linke nicht einmal mehr vollwertige Menschen mit allen Grundrechten seien – da gibt es keine Brücke mehr, die sich bauen ließe.

Seid höflich, auch zu Linken

Der Sprengstoff in den Schweizer Brücken wurde entfernt. Vermutlich haben die Schweizer begriffen, dass die neuen Gefahren, die Gesellschaften zerstören und ganze Länder in die Knie zwingen können, nicht mehr unbedingt als Kettenfahrzeug daherkommen.

Ich sehe nicht, wie sich eine Brücke bauen ließe zu Menschen, die erstens in ihrer Argumentation mehr elektrischen Robotern gleichen, die inkohärente politische Slogans auswerfen – und die zweitens mich als auszurottende „Ratte“ ansehen, die es auszugrenzen und zuletzt zu vernichten gilt.

Wir leben neben Linken, wir werden von Linken regiert, manche von uns müssen mit Linken im Job zusammenarbeiten. Wir werden professionell mit ihnen umgehen müssen – oder Wege finden, uns ihrer gefährlichen Gewalt zu entziehen. Verschwendet eure Zeit nicht damit, mit Leuten zu reden, für die Logik, Verstand und Wahrheit nicht gelten, die die Welt nur in „Haltung“ und „Abweichler“ teilen, die dich nicht einmal als Menschen mit allen Grundrechten ansehen.

Seid höflich, auch zu Linken, doch habt zugleich die Kraft, emotionale Brücken abzubrechen, wenn ihr keine Chance mehr seht, dass ein vernunftgeleitetes, ehrliches Gespräch zustande kommt. Vielleicht kommen klügere Zeiten, vielleicht kommen sie bald, doch es bringt nichts, wenn wir uns bis dahin kaputtmachen lassen.

Eure ersten Verantwortungen sind eure eigene seelische Stabilität und eure Familie. Verschwendet eure Zeit nicht damit, Brücken zu bauen, die nur dazu dienen, das Gift der Propaganda in eure Seelen und Wohnzimmer zu tragen. Wisst, was euch wichtig ist, was eure relevanten Strukturen sind – und seid ehrlich darin, was euren relevanten Strukturen schadet.

Jede Sekunde und jeder Atemzug im Leben kommen nur einmal – lasst uns die Augenblicke, die uns bleiben, klug nutzen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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