04. November 2019

Ideologisches Schlagwort auf dem Bundeskongress der Grünen Jugend „Queerfeministische Klimagerechtigkeit“

Wer verdient das beste Klima?

von Michael Klein

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Queeres Klima: Norwegen im Winter

„Queerfeministisch“ ist ein Begriff, der mich mehrfach erreicht hat. Er findet sich nicht nur in Veröffentlichungen des Gunda-Werner-Instituts der Heinrich-Böll-Stiftung, also der Parteistiftung der Grünen, er hat nun, ergänzt um die Klimagerechtigkeit, Prominenz auf dem Bundeskongress der „Grünen Jugend“ erhalten. Doch: Was bedeutet „queerfeministische Klimagerechtigkeit“?

Na, dann wollen wir mal für Klarheit sorgen: „Queer“, zuweilen mit „Theorie“ ergänzt, weil manche der Ansicht sind, wenn man viele Worte macht, viel Unsinn anhäuft und diesen Unsinn mit vielen Fremdworten bestückt, dann werde eine Theorie daraus, „Queer-Theorie“ ist einer der Ableger, die Michel Foucault, dem Mann, den viele Linke zitieren und den kaum ein Linker je gelesen hat, untergeschoben werden. Wie fast alles, was Foucault untergeschoben wird, so geht es auch bei dem, was „Queer-Theorie“ genannt wird, darum, zu dekonstruieren.

Was wird dekonstruiert? Na, was schon. Sexualität! Die Queeren unterscheiden sich indes von den anderen, die Foucault für sich reklamieren, vor allem von den Feministen, dadurch, dass sie hinter allem: hinter Kultur, gesellschaftlichen Handlungsmustern, hinter allem, was eine Gesellschaft ausmacht, Ausbeutungsverhältnisse vermuten, die natürlich heteronormativ dominiert sind und von „weißen Männern“, die zum Patriarchat konspirieren, durchgesetzt werden. Diese Ausbeutungsverhältnisse wollen die Queeren auf der Grundlage von Sexualität dekonstruieren.

Zwischen den Queeren und dem Feminismus gibt es einige Reibungspunkte, von denen diejenigen, die den Begriff „queerfeministisch“ benutzen, aber noch nie etwas gehört haben. Sie benutzen den Begriff so, wie sie die Begriffe „Kapitalismus“, „Imperialismus“, „Kolonialismus“ benutzen, nämlich befreit von allen kognitiven Bestandteilen als sprachlichen Ausdruck derselben Bewertung: schlecht in diesen Fällen, gut im Fall von „queerfeministisch“.

Mit welchen geistigen Dünnbrettbohrern man es hier zu tun hat, kann man am Beispiel des Queer-Referats des Asta der TU Darmstadt deutlich machen: „Wir dulden kein homodiskriminierendes, transdiskriminierendes, sexistisches, rassistisches, nationalistisches, antisemitisches, chauvinistisches Verhalten und andere Unterdrückungsmechanismen.“ Irgendwie fällt mir jetzt das Kleine Arschloch von Walter Moers ein…

Zurück zur „queerfeministischen Klimagerechtigkeit“, von der wir schon sagen können, dass damit etwas „Gutes“ gesagt, nicht beschrieben wird, denn um etwas zu beschreiben, muss man es kennen. Ich habe erhebliche und begründete Zweifel daran, dass diejenigen, die „queerfeministische Klimagerechtigkeit“ im Mund führen, auch nur entfernt eine Idee haben, was damit gemeint sein könnte. Sie können diese Idee schon deshalb nicht haben, weil „queerfeministische Klimagerechtigkeit“ absoluter Blödsinn ist, etwas, das man nicht beschreiben kann, weil es jenseits der Signalfunktion: Ich kenne den Code, ich bin einer von euch, ich bin wie ihr: gut (und dumm), keinerlei Inhalt transportiert.

Gerechtigkeit ist ein relatives Maß. Gerechtigkeit setzt immer eine Tätigkeit und ein Ergebnis voraus. Wenn zwei etwas tun, A mit halber Kraft, B mit voller Kraft, wenn A etwas Halbes leistet, B etwas Brauchbares und A deshalb eine deutlich geringere Auszahlung erhält als B, dann ist das gerecht.

Bringt man nun Gerechtigkeit mit dem Klima in Verbindung, dann stellt sich zunächst die Frage, was im Hinblick auf zwei Menschen und ihre Leistung und im Hinblick auf das Klima gerecht sein kann. Die Frage stellt sich umso mehr, als das Klima sich jeder Beeinflussung durch Menschen entzieht, was Probleme mit Bezug auf Gerechtigkeit nach sich zieht. Wenn ein Mexikaner Siesta hält, während ein Deutscher im Schweiße seines Angesichts nachmittags am selben Werktag in seiner Funktion als bezahlter Häscher des Staates einem Steuerzahler nachstellt und dafür in Euro bezahlt wird, während unser Mexikaner im Schlaf keine Peseten verdient, ist das dann klimagerecht? Wäre unser Mexikaner, wenn das Klima in Mexiko so wäre wie in Deutschland, auch ein bezahlter Häscher des Staates, der Steuerzahlern nachstellt, um sie um weitere Peseten zu erleichtern? Zweifel.

Wie kann Klima überhaupt gerecht sein? Wer verdient das beste Klima? Was ist das beste Klima? Ist es gerecht, dass tropische Regionen Schlangen und Skorpione ertragen müssen, während die nördlichen Breiten, wenn es um tierisches Gift geht, eher benachteiligt sind? Wie ist es mit der gerechten Verteilung von Moskitos? Die kommen nachweislich häufiger da vor, wo es heiß und feucht ist. Müssen die Moskitos deshalb, weil sie in nördlichen Breiten fehlen, zwangsumgesiedelt werden, um Klimagerechtigkeit herzustellen? Und wenn ja, wird queerfeministische Klimagerechtigkeit dann hergestellt, wenn die Moskitos verpflichtet werden, vor allem queere Spinner und Feministen zu stechen?

Kann man die Klimagerechtigkeit quasi weitertreiben und Moskitos eine Klimagerechtigkeitsprämie, eine Art Stechprämie, bieten: Der Moskito, der die meisten queerfeministischen Spinner sticht, erhält ein Blutplasma ganz für sich alleine; queer-feministisch Grüne zählen doppelt? Jetzt, da ich die queerfeministische Klimagerechtigkeit durchdenke, finde ich das Konzept durchaus brauchbar.

Bekanntermaßen ist es im Winter in Norwegen besonders dunkel und kalt, weshalb Norweger im Winter besonders viele Kerzen, viel Holz und viel Strom verbrauchen, damit sie Licht in das tagelange Dunkel bringen können. Dagegen genießen queerfeministische Spinner in Deutschland alle Vorteile, die die Unterscheidung in Tag und Nacht, die selbst im Winter in Deutschland vorhanden ist, mit sich bringt. Um diese Klima-Ungerechtigkeit zu beseitigen, plädiere ich dafür, aus Gründen queerfeministischer Klimagerechtigkeit alle queerfeministischen Spinner nach Spitzbergen zu schicken, sie sind zwar keine großen Leuchten und können deshalb kein Licht unter einen Scheffel stellen, aber sie sind dann aus dem Weg geschafft. Während die Queerfeministischen in Spitzbergen die Eisschmelze durch gutes Zureden bekämpfen, können in Deutschland diejenigen, die für den produktiven Teil des Lebens zuständig sind, zumindest ungestört von Idiotien ihrer Arbeit nachgehen, klimagerecht und vollkommen frei von Queerfeminismus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Politische Korrektheit

Mehr von Michael Klein

Über Michael Klein

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige