25. September 2019

Öko-Apokalyptik und der Ruf nach Katastrophen und Gewalt Das Jucken und der Mob

Der tierische Drang nach Unterwerfung

von Dushan Wegner

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Bildquelle: shutterstock Von manchen herbeigesehnt: Apokalypse

„Die wichtigste Idee in der Werbung“, so erklärt Don Draper in der Fernsehserie „Mad Men“, „ist ‚Neu‘. Es weckt einen Juckreiz, und du bietest dann dein Produkt an, als eine Lotion gegen das Jucken.“ Diese Erklärung ist Teil der Vorrede zur Vorstellung einer Kampagne für einen neuen Diaprojektor (Staffel 1, Folge 13, meine Übersetzung). Die Rahmengeschichte, in die Draper diese Erklärung einbettet, ist wohl erfunden, die Erkenntnis umso wahrer.

Der Wunsch nach Neuem um des Neuen willen ist nicht das einzige Jucken, das der Mensch verspürt. Andere Juckreize sind etwa der Wunsch nach Sex, nach Dopaminschüben und nach Anerkennung durch seine Mitmenschen.

In der Politik spürt ein bestimmter Menschenschlag – die Deutschen haben da einen gewissen Ruf – auch so ein gewisses Jucken, und es ist das Jucken danach, von seiner Obrigkeit unterworfen zu werden und zugleich andere zu unterwerfen. Man nennt es auch den „Radfahrer“ – oben buckeln, unten treten. Ich fürchte, das Jucken war nie ganz weg, doch dieser Tage bricht es wieder aus, auf Konzerten und Großdemonstrationen, in den Schulen, und im Staatsfunk sowieso.

Das letzte Buch

Seit es die dokumentierte Gesellschaft gibt, gibt es auch Bewegungen, die das unmittelbar bevorstehende Ende der Welt ankündigen und damit eine Moralpanik schüren. Im Namen der Moral werden alle anderen Regeln menschlichen

Zusammenseins aufgehoben und Menschen zu Gehorsam gezwungen. Diese Sekten und Bewegungen werden unter dem Stichwort der „Apokalyptik“ studiert, man könnte auch „Endzeitprophetie“ oder schlicht „Weltuntergangsstimmung“ sagen.

Man könnte das gesamte Christentum – nicht zu verwechseln mit den geldschaufelnden Kirchen – als eine apokalyptische Bewegung bezeichnen. Der wirklich bibeltreue Christ lebt in täglicher Erwartung des zweiten Kommens Jesu – und kennt seine „Offenbarung des Johannes“, das letzte Buch des Neuen Testaments, das auch „Apokalypse“ genannt wird. Schon Jesus schien zu glauben, dass das Weltende unmittelbar bevorsteht, siehe etwa Matthäus 16,28, doch das Christentum ist damit nicht allein. Die englischsprachige Wikipedia liefert eine lange Liste von Apokalyptikern diverser Religionen, die allesamt ähnliche Eigenschaften aufweisen: Sie glauben, dass das Weltende unmittelbar bevorsteht, und daraus leiten sie radikale Forderungen für den Alltag ab.

Doch apokalyptische Sekten und Bewegungen müssen nicht von transzendentalen Inhalten getragen sein, sie kommen auch ohne Bezug auf einen Gott aus, und ein Beispiel finden wir in den Apokalyptikern von „Fridays for Future“.

So high

Letzten Freitag fanden Demonstrationen der mysteriösen „Fridays for Future“-Bewegung statt, in Deutschland und einigen anderen Ländern mit traditionell monotheistischen Kulturen (dort sind apokalyptische Strömungen häufiger, was mit dem linearen Weltbild zusammenhängt – wenn man wie asiatische Religionen an die ewige Wiederholung der Welt glaubt, fürchtet man das Weltende eher weniger; Christen dagegen können sich partout nicht entscheiden, ob das Ende der Welt total super oder total schlimm ist).

Wer einen der Demonstrierenden nach Details zu seinem Anliegen fragt, kann erschrecken, denn man hat das Gefühl, es mit Drogenberauschten zu tun zu haben, oder eben mit Sektenanhängern.

Die Berliner Autorin Milena Glimbovski schreibt auf Twitter: „Gerade eben noch so high von Klimastreik und Alle Fürs Klima und jetzt so down von der politischen Realität.“ Ja, „so high“ ist ein passendes Wort für den Zustand eines guten Teils der sogenannten Aktivisten. Die erste Gefahr ist, wenn der Rausch der Apokalyptiker sich in Regierungshandeln niederschlägt, doch es ist nicht die einzige Gefahr. Bei einem guten Teil der Apokalyptiker entsteht ein Frust, dass und wenn der nahende Weltuntergang ausbleibt und/oder die Menschen nicht auf ihre hysterischen Forderungen hören – und das kann mehrere problematische Folgen haben.

Vergleichsweise mild ist es noch, sich mindestens implizit verheerende Katastrophen zu wünschen, damit Menschen einem endlich glauben: „Es wird sich einfach exakt nichts bewegen, bis es in ein paar Jahren eine große Naturkatastrophe in Deutschland gibt und es plötzlich populär wird, tatsächlich was gegen den Klimawandel zu tun. Und dann wird man beschließen, was man gestern hätte beschließen müssen.“ (Marina Weisband)

Eine Stufe weiter gehen wohl jene, die sich Brandstiftung und offenen Bürgerkrieg zu wünschen scheinen: „Klimapaket-Frustrierte werden übrigens beim Team Alles Anzünden jederzeit mit offenen Armen empfangen. Kuchen und Feuerzeug mitbringen erwünscht.“ (Lars Fischer) „Wenn die Bundesregierung aus Angst vor gewalttätigen Protesten nichtexistierender Gelbwesten auf eine CO2-Steuer verzichtet, die von Wissenschaftlern gefordert wird, ist das eine klare Aufforderung an die bisher friedlichen 1,4 Millionen Klimademonstranten, gewalttätig zu werden.“ (Mario Sixtus)

Zu beachten ist, dass es sich bei diesen Zitaten nicht um „kleine Fische“ handelt, sondern um Kulturschaffende mit Arbeits- beziehungsweise Verlagsverträgen in angesehenen Häusern, im letzten Fall sogar einem Journalisten des Staatsfunks, der eben dort über sogenannte „Hate Speech“ doziert, was Ihnen alles Notwendige zu dem Herrn, dem Staatsfunk und dem Propagandabegriff „Hate Speech“ sagt.

Auf den Demonstrationen der Apokalyptiker wird inzwischen offen die Abschaffung des „Kapitalismus“ (gemeint: soziale Marktwirtschaft, Demokratie und Pluralität) und der nächste mörderische Anlauf zum Sozialismus gefordert.

Als im Juni die sowieso antideutsche und eher „demokratiekritische“ (um es höflich zu sagen) Grüne Jugend die Restwürde des Bundestags beschädigte und sich stolz über „Tumult im Bundestag“ freute, woraufhin sich Ulf Poschardt über diese „Geste mangelnden Respektes gegenüber der parlamentarischen Demokratie“ beschwerte, entgegnete Luisa Neubauer (die Dame, deren Hintergrund merkwürdigerweise nie ausgeleuchtet wird): „Sorry, Revolution ist kein Ponyhof.“ So haben sich manche antidemokratischen Garden mancher Zeit angehört, es mündete immer in Leid. In einer rationaleren Zeit würde „Fridays for Future“ vom Verfassungsschutz beobachtet – und von allen Demokraten tunlichst gemieden – werden, aber halt, dass „Fridays for Future“ von Demokraten gemieden wird, das ist eigentlich schon jetzt der Fall.

Affen, Wölfe, Rudeltiere

In der Seele des Menschen ringt mehr als nur eine Instanz um die Vorherrschaft. In „Relevante Strukturen“ spreche ich vom „Affen“ und vom „Philosophen“, man könnte ähnlich auch von „Vernunft“ und von „Emotionen“ reden, wobei in beiden Begriffspaaren allein noch keine Wertung vorliegt.

Affen, Wölfe und viele andere Rudeltiere fühlen sich nur wohl, wenn die Rangordnung in der Herde geklärt ist. Schon kleine Tierbabys ringen miteinander, gehen spielerisch einander an die Gurgel – sie spielen Unterwerfer und Unterworfene, und wenn sie groß sind, dann wird es ernst – und wehe, einer hält sich nicht daran!

Es grassiert heute ein Jucken in der Gesellschaft nach der Unterwerfung – der aktiven wie auch der passiven. Ich fürchte, dass es Menschen gibt – in Deutschland häufen sie sich womöglich –‍, die sich auch heute (wieder) danach sehnen, unterworfen zu werden und andere zu unterwerfen.

Allen Demokraten sitzt noch das erschreckende Gebrüll aus Wien in den Knochen, von der aufgeheizten Menge, die johlt, wenn es darum geht, zu „diktieren“, wie „eine Gesellschaft auszusehen hat“, doch solche Bilder werden häufiger. Aus Hamburg sehen wir erschreckende Bilder von Öko-Demonstranten, die einen SUV-Fahrer öffentlich verhöhnen, ihn als geistig krank ausweisen („Ist SUV heilbar?“) und ihn gegen seinen Willen mit dem Handy zu filmen scheinen. Es ist extra erschreckend, dass es offensichtlich Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft sind, die da feixen, und es scheint nur noch der kleinste Funken zu fehlen in diesem vom Staatsfunk und NGOs angefachten Cocktail, und sie werden den Fahrer aus seinem Fahrzeug zerren – der Totalitarismus aus der Mitte der Gesellschaft.

Die neueste Variante

Das Jucken nach Unterwerfung und Unterworfenwerden, es ist wieder da, und wieder kommt es mit Naturschutz im Namen daher. Öko-Aktivismus gibt dem Jucken nach dem Geist des Faschismus ein neues „Produkt“, wo er wieder Abweichler unterwerfen kann im Namen der Moral.

Bücher wie „Die Welle“ warnen vor der Manipulierbarkeit junger Menschen, vor dem Jucken nach aktiver und passiver Unterwerfung – es ist unabsichtlich ehrlich, wenn Greta Thunberg die ihr Nachfolgenden als „wave of change“, als „Welle der Veränderung“ bezeichnet. Diese Leute nennen sich selbst „Welle“, sie träumen von Gewalt und von Naturkatastrophen, damit man ihnen glaubt, sie verhöhnen die Demokratie inzwischen offen – wie deutlich sollen sie es noch machen?

Öko-Apokalyptik ist die neueste Variante des tierischen Drangs in uns, Mitmenschen zu unterwerfen. Das Jucken nach Unterwerfung ist da, gerade in Deutschland juckt es seit über 100 Jahren arg und immer wieder, und Öko-Apokalyptik gibt dem Jucken das Versprechen einer Heilung – es ist eine Lüge, selbstverständlich, das Jucken wird nur noch ärger werden, bis es von außen ganz gestillt wird – für eine Zeit.

Demokratie und Humanismus sind motiviert vom Wunsch, das Tierische im Menschen einzuhegen. Demokratie und Freiheitlichkeit sind das Gegenteil des Geistes der Öko-Apokalyptiker, die öffentlich Andersdenkende verhöhnen und vom Weltuntergang halluzinieren.

In einer anderen Verkaufsrede sagt Don Draper: „Werbung basiert auf einer Sache: Glück. Und weißt du, was Glück ist? Glück ist der Geruch eines neuen Autos. Es ist die Freiheit von Furcht. Es ist das Plakat an der Seite der Straße, das dir zuruft, dass, was immer du tust, okay ist. Du bist okay.“

Meine eigene Theorie zum Glück ist – Leser wissen es – die der „geordneten Kreise“. Glück ist das Bewusstsein, dass deine relevanten Strukturen wohlgeordnet sind. Ja, dazu kann das Auto gehören, das deine Familie ins Freibad transportierte, bevor Freibäder gefährlich wurden (dank eines ähnlichen Wahns wie jenem, der sich jetzt Naturkatastrophen übers Land wünscht). Glück ist die Freiheit, sich um das zu kümmern, was einem wichtig ist, unbehelligt von Propaganda, Gedankenpolizei und Antifa-Schergen.

Einst hielt ich den Begriff „Öko-Faschismus“ für überzogen, ich bin mir nicht mehr so sicher. Hüte dich vor den Öko-Apokalyptikern und bringe deine Familie, dich und dein Geld, so es dir möglich ist, vor diesen Wahnhaften in Sicherheit.

Egal was dir der von der Propaganda aufgepeitschte Mob entgegenbrüllt, egal was sie im Staatsfunk am Abend predigen, ordne deine Kreise, lehne dich zurück – ja, du bist okay.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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