10. September 2019

Lena Bodewein verbreitet in der ARD Fake News über Waldbrände Nein, der Busch in Australien brennt nicht „ungewöhnlich früh“

Die Feuer sind vitaler Bestandteil der australischen Fauna

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Gehören zur australischen Fauna: Buschfeuer

Die ARD schreibt wieder beim „Guardian“ ab. Und das kommt dabei heraus: „Eine sehr ernste Situation so früh wie noch nie im Jahr“: „In Australien wüten bereits seit Tagen heftige Buschfeuer, Hunderte Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Und das Wetter spielt gegen die Einsatzkräfte.“

Verantwortlich für den Text der ARD zeichnet Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur. Sie darf auch einmal Journalist spielen.

„Dicke schwarze Wolken steigen auf“, so schreibt Bodewein, so als hätte es jemals ein Buschfeuer ohne „dicke schwarze Wolken“ gegeben. „Tausende Hektar von Buschland“ zerstören die Feuer, so jammert Bodewein. Der Winter in Australien habe „Rekordtemperaturen“ gehabt, so behauptet sie, und weil alles noch nicht schlimm genug ist, sind auch noch die „Schulen geschlossen“. Und dann kommt die eigentliche Message: „So früh im australischen Frühling habe es noch nie eine so ernste und im wahrsten Sinne brandgefährliche Situation gegeben, sagte der Leiter der Feuer- und Katastrophenschutzbehörde von Queensland. Das sei ein Vorzeichen für eine ausartende Feuersaison im kommenden Sommer.“

So früh wie noch nie im Jahr wüten heftige Buschfeuer in Australien. Das ist die Meldung, die beim Leser ankommen soll. Die Buschfeuer wüten natürlich so früh wie noch nie in Australien, wegen, na? Dem Klimawandel. Was sonst könnte die Ursache von Buschfeuern in Australien sein als der Klimawandel, der schon für die „Rekordtemperaturen“ in Australien verantwortlich war. Indes, es brennt in Queensland und New South Wales. Beide Regionen haben in den letzten Monaten in der Tat Rekordtemperaturen erlebt, Rekord-Tiefsttemperaturen, die Schnee selbst in Gebiete von Queensland, New South Wales und dem benachbarten Victoria gebracht haben, die seit Jahrzehnten keinen Schnee mehr gesehen haben.

Das vergisst Bodewein zu erwähnen, dass es Tiefsttemperaturen waren. Vermutlich weiß sie es gar nicht. Das, was Journalismus in der Berufsbeschreibung auszeichnet, Recherche und Prüfung von Informationen, das ist in den letzten Jahren komplett verschwunden. Die meisten Journalismus-Darsteller verstehen sich als Durchlauferhitzer für Informationen, die zu dem passen, woran sie glauben oder was andere gesagt haben, denen sie glauben. Sie sehen sich als Propheten der richtigen Lebensweise und des Untergangs, wenn die richtige Lebensweise nicht eingehalten wird, denn dann gibt es Klimawandel. Und dass sie das tun, liegt daran, dass sie das Handwerkszeug, das den Journalisten vom Sprachrohr unterscheidet, nicht beherrschen, dass ihnen die Kompetenz fehlt, Journalist zu sein. „Klimawandel“, das ist die umbenannte „globale Erwärmung“. Nachdem es mit der globalen Erwärmung einfach nicht klappen will, weil sich die Erde hartnäckig weigert, den Klima-Modell-Prognosen zu folgen, wurde aus „globaler Erwärmung“, bei der das Scheitern schon im Begriff steckt, „Klimawandel“. Klimawandel ist nun das, was man als guter Mensch bekämpfen muss, gegen das man als guter Journalismus-Darsteller anschreiben muss. Und Bodewein ist in diesem Sinne ein „guter Journalismusdarsteller“. Sie kommt nicht einmal auf die Idee, zu recherchieren und zu prüfen, ob das, was erzählt wird, mit den Fakten übereinstimmt.

Das ist eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit besteht darin, dass Bodewein die Konsumenten der ARD vorsätzlich belügt. Denn die Behauptung, die Buschfeuer-Saison habe dieses Jahr in Australien besonders früh angefangen, sie ist nachweislich falsch.

Bleiben wir noch etwas bei Buschfeuern. Buschfeuer sind ein vitaler Bestandteil der australischen Fauna. Die meisten australischen Pflanzen sind „feuerfest“. Nicht an Buschfeuer angepasst sind im Wesentlichen: Menschen. Deshalb versucht man in Australien, die Konsequenzen der unweigerlich auftretenden Buschfeuer so gering wie nur möglich zu halten, während es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland offenkundig darum geht, die Konsequenzen der Buschfeuer so massiv wie nur möglich zu übertreiben. „Dicke schwarze Wolken“ und „Tausende Hektar von Buschland“ zerstört.

Die Intention des Beitrags von Bodewein ist klar. Es ist eine Fortsetzung der Amazonas-Saga. Damit sind die Öffentlich-Rechtlichen auf die Schnauze gefallen, weil herausgekommen ist, dass die Feuer in Brasilien in diesem Jahr nicht ungewöhnlich sind, dass in Bolivien, wo ein Sozialist regiert, viel intensiver und mit staatlichem Segen Brandrodung betrieben wird als im Brasilien des „ultrarechten“ Bolsonaro. Nun werden die Buschfeuer in Australien instrumentalisiert, um die Klimawandel-Hysterie anzufeuern.

Und ich frage mich: Ist Bodewein eine komplette Fehlbesetzung oder eine Lügnerin? Man muss wirklich nicht intensiv recherchieren, um herauszufinden, dass die diesjährigen Feuer nicht früher begonnen haben und auch nicht häufiger und heftiger sind als in den Jahren davor. Die Brandsaison hat im März, wie jedes Jahr, so richtig begonnen und bleibt derzeit in ihrer Entwicklung hinter den Jahren 2004, 2005, 2006, 2012, 2017, 2018 zurück. Tatsächlich sind in den ersten achteindrittel Monaten nur in den Jahren 2012 und 2013 weniger Brände gezählt worden als 2019 (Global Fire Emissions Database, siehe Link unten).

Nun brennt es ja nicht in ganz Australien, wie die ARD ihren Konsumenten vermitteln will, sondern in Queensland und New South Wales, und dort angeblich viel mehr als in den Jahren davor. Fake News.

Abbildungen der Nasa zeigen die Anzahl und Intensität von Bränden in Australien für immer denselben Zeitraum vom 25. August bis zum 10. September des jeweiligen Jahres. Am Jahr 2019 ist nichts, wirklich gar nichts außergewöhnlich. Weder beginnt die Brandsaison früher, noch sind die Brände zahlreicher, noch sind sie auf Queensland und New South Wales beschränkt.

An der Meldung, die heute von der ARD verbreitet wird, ist nichts richtig und alles falsch.

tagesschau.de: „Der Busch brennt – ungewöhnlich früh“

„Global Fire Emissions Database“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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