07. September 2019

Bevorzugung und Benachteiligung von Frauen, Behinderten und Migrationshintergründlern bei Stellenbesetzungen Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verbreitet rassistische Ausschreibungstexte

Wer benachrichtigt die Antidiskriminierungsstelle?

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Skandal: Nicht alle Benachteiligten werden gleich bevorzugt

Wenn eine Universität heutzutage einem potentiellen Bewerber mitteilen will, dass sie eine ganz tolle, eine prima Universität ist, dann verweist sie nicht auf hervorragende Forschungsergebnisse, top Ausstattung oder bekannte Koryphäen von Wissenschaftlern, die an ihr lehren, nein, dann gibt es dafür eine Formel: „Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel ist bestrebt, den Anteil der Wissenschaftlerinnen in Forschung und Lehre zu erhöhen, und fordert deshalb entsprechend qualifizierte Frauen nachdrücklich auf, sich zu bewerben. Frauen werden bei gleichwertiger Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung vorrangig berücksichtigt. Die Hochschule setzt sich für die Beschäftigung schwerbehinderter Menschen ein. Daher werden schwerbehinderte Bewerberinnen und Bewerber bei entsprechender Eignung bevorzugt berücksichtigt. Ausdrücklich begrüßen wir es, wenn sich Menschen mit Migrationshintergrund bei uns bewerben. Auf die Vorlage von Lichtbildern/Bewerbungsfotos verzichten wir ausdrücklich und bitten hiervon abzusehen.“

Dieser Quatsch, der wie ein Sprachfehler, zum Beispiel ein „Äh“ nach jedem dritten Wort, allen Stellenausschreibungen der Christian-Albrechts-Universität angehängt wird, bringt ein paar Probleme mit sich. Er ist ableistisch, sexistisch, rassistisch und dumm. Quatsch eben.

So werden „entsprechend qualifizierte Frauen nachdrücklich aufgefordert, sich zu bewerben“. Dass „entsprechend qualifizierte Frauen“ den Ausschreibern aus Kiel mehr gelten als zum Beispiel „schwerbehinderte Menschen“, zeigt sich daran, dass Bewerbungen von „schwerbehinderten Menschen“ nur „ausdrücklich begrüßt“ werden. Schwerbehinderte Menschen werden nicht „nachdrücklich aufgefordert“, sich zu bewerben. Aus dieser Hierarchie muss man den Schluss ziehen, dass die Universitätsverantwortlichen es eher ungern sehen, wenn sie mit einem schwerbehinderten Bewerber belastet würden. Das nennen die Krieger sozialer Gerechtigkeit „Ableismus“. Eine klare Diskriminierung von schwerbehinderten Bewerbern.

Zum Glück ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Schwerbehinderter bewirbt, gering. Obwohl schwerbehinderte Bewerber gegenüber Frauen einen Vorteil hätten, denn von schwerbehinderten Bewerbern wird nur „entsprechende Eignung“ gefordert. Liegt sie vor, werden sie bevorzugt. Im Gegensatz zu Schwerbehinderten müssen Frauen „gleichwertige Eignung, Befähigung und fachliche Leistung“ mitbringen, um „vorrangig berücksichtigt“ zu werden. Klarer Sexismus. Frauen werden schlechter gestellt als Schwerbehinderte.

Der eigentliche Skandal ist jedoch der immanente Rassismus in den Ausschreibungen der Christian-Albrechts-Universität: Menschen mit Migrationshintergrund werden als Bewerber nur „ausdrücklich begrüßt“. Sie werden weder „nachdrücklich“ zur Bewerbung aufgefordert, noch „vorrangig berücksichtigt“ wie Frauen, noch werden sie „bevorzugt berücksichtigt“ wie Schwerbehinderte. Ein klarer Fall von Rassismus, denn wenn der Migrationshintergrund keinerlei Vorteil zu generieren imstande ist, weder zu vorrangiger noch zu bevorzugter Berücksichtigung führt, dann werden Migrationshintergründler nicht nur gegenüber Schwerbehinderten, sondern auch gegenüber Frauen diskriminiert. Ein Skandal.

Wer benachrichtigt die Antidiskriminierungsstelle?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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