16. August 2019

Angela Merkel will, dass der Staat wieder sogenannte „Seenotrettung“ treibt Afrika, Europa und das Erwachsenwerden

Warum sind so viele afrikanische Nationen nicht in der Lage, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen?

von Dushan Wegner

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Bildquelle: Cineberg / Shutterstock.com Staatliche „Seenotrettung“: Eunavfor Med

Stellen wir uns vor, ein Sanitäter würde mit dem Krankenwagen zu einem Unfall fahren und aus diesen oder jenen Gründen würde er die Verletzten jedes einzelne Mal nicht versorgen lassen, woraufhin sie nach Hause geschickt würden, sondern er würde sie zu seinen eigenen Nachbarn bringen.

Beim ersten angelieferten Patienten würden die Nachbarn des Sanitäters sich zwar wundern, doch sie würden automatisch helfen. Spätestens beim zweiten oder dritten angelieferten Patienten würden die Nachbarn des Sanitäters wohl beginnen, kritische Fragen zu stellen.

Der Sanitäter würde sich nicht durch kritische Fragen von seiner Praxis abbringen lassen – im Gegenteil! Wenn seine Nachbarn fragen würden, wieso er die Patienten nicht zu sich nach Hause bringt, oder besser noch ins Krankenhaus, wenn sie ihn fragen würden, wie lange er derart fortzufahren gedenkt, oder wenn sie schlicht wagen würden, darauf hinzuweisen, dass sie hart für ihr Zuhause gearbeitet haben und es gerne für sich behalten würden, jedes Mal würde der Sanitäter die Nachbarn wüst beschimpfen und ihnen drohen, sie bei der Polizei als verdächtige Personen zu melden.

So in etwa ist die Situation der sogenannten „Seenotretter“, die vor Afrika kreuzen, um Schlepperkunden aufzusammeln und sie nach Europa mit seinen Sozialsystemen zu bringen.

Ungewohnt konkret

Es war eine der peinlicheren Veranstaltungen – die Verabschiedung von Ursula „Beraterfreund“ von der Leyen via „Zapfenstreich“ – sie wird ja jetzt die leibgewordene Verhöhnung der EU-Wahlen, sprich: sie wird neue EU-Chefin. (Ihre Nachfolgerin wird die ungewählte Annegret Kramp-Karrenbauer. Wen soll man mehr verachten – die Demokratieverbieger selbst, die mitspielenden Parteisoldaten oder die Journalisten, die das im Namen der Haltung alles durchgehen lassen?)

Bei Gemälden auf dem Trödelmarkt ist es keine Überraschung, wenn der Rahmen weit wertvoller ist als die bemalte Leinwand darin. Einen ähnlichen Eindruck konnte man beim jüngsten Zapfenstreich in Berlin gewinnen. Merkel, Deutschlands Noch-immer-Kanzlerin, gab überraschend eine Meinung zur sogenannten „Seenotrettung“ ab: „‚Sicherlich wäre es gut, wir hätten auch heute wieder eine Mission ,Sophia‘ und staatliche Schiffe, die retten würden‘, sagte Merkel.“ – „Seenotrettung sei ebenso notwendig wie die Bekämpfung von Schleusern.“ (welt.de, 16.08.2019.)

Manche Kommentatoren stimmen ihr zu, und manche widersprechen ihr, und die Gründe dafür sind, wechselweise und über Kreuz, dass einige die Details von „Sophia“ im Hinterkopf haben – und dass andere sich eben nicht mit den Einzelheiten beschäftigten.

Eigentlich war es Ziel des Einsatzes „Eunavfor Med“, afrikanischen Schleppern das Geschäft schwerer zu machen und die libysche Küstenwache auszubilden – eigentlich. Je nach politischer Orientierung kann man das super oder weniger super finden. Aber: Nach Seerecht sind auch kreuzende Kriegsschiffe verpflichtet, Schiffbrüchige aufzusammeln, und dazu zählen nun einmal auch Menschen, die von Schleppern auf dem Meer ausgesetzt wurden, damit westliche Schiffe sie aufsammeln und so (ungewollt) den finalen Abschnitt des Produkts „Schlepperei“ liefern.

Merkels Aussage wird als „ungewohnt konkret“ bezeichnet (welt.de, 16.08.2019). Ich halte sie eher für einen typischen Merkelismus – jeder kann es auf seine eigene Weise interpretieren, und am Ende tun Merkel und ihre Helfer das, was Deutschland den größten Schaden zufügt und gewisse NGOs glücklich macht. (Ich lasse mich sehr gern von zukünftigen Handlungen widerlegen. Aus der Tatsache, dass die Sonne bislang immer unterging, folgt nicht logisch zwingend, dass sie auch heute untergehen wird.)

Doch selbst wenn man davon ausginge, dass diesmal sensationellerweise Schaden vom deutschen Volke abgewendet würde statt die Probleme weiter zu verschärfen, selbst dann meine ich, dass hier das falsche Problem angegangen wird. Wenn du nach Süden gelangen willst, sind Nordost und Nordwest beide ähnlich falsch.

Nicht-mithalten-Können

Es muss nicht mehr ausgeführt werden, dass der Begriff „Seenotrettung“, so wie er heute verwendet wird, eine halbe Wahrheit ist – manche würden ihn eine ganze Lüge nennen.

Das eigentliche Problem an der sogenannten „Seenotrettung“ ist, dass sie das eigentliche Problem nicht mal anerkennt – geschweige denn es löst.

Menschen wandern aus ihrer afrikanischen Heimat aus, weil ihre Heimat nicht mithalten kann mit dem Angebot der christlich geprägten Demokratien des Westens – dieses „Nicht-mithalten-Können“ ist eine relative Vergleichseinheit, und sie reicht von Krieg und Verfolgung in der afrikanischen Heimat – bis hin zur geradezu legendären Möglichkeit, in Deutschland gratis und all inclusive leben zu können, und das unter Umständen ein Leben lang, wenn man einer aktuell favorisierten Minderheit angehört und den Pass vor der Grenze wegwirft.

Über Jahrzehnte hat der Westen absurde Millionenbeträge als Entwicklungshilfe nach Afrika gepumpt – mit welchem Ergebnis? Die Menschen wollen auswandern. Und dann hat man Geld an Küstenwachen überwiesen, damit die Migranten am illegalen Auswandern gehindert werden.

Bereits im Sommer 2017 lautete ein Beschluss der EU-Kommission, 46 Millionen Euro für eine Stärkung der libyschen Küstenwache und den Schutz der Südgrenze des Landes zu transferieren. Die Flüchtlingszahlen in Italien hatten sich durch den Einsatz der libyschen Küstenwache im Sommer 2017 im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Dennoch wirkt es etwas dubios.

Denkweisen, Kulturen und Regierungen

Die sogenannte „Seenotrettung“ ist eine jener Angelegenheiten, die so falsch sind, dass das Gegenteil auch nicht richtig ist. Menschen auf dem Meer aufzusammeln, führt dazu, dass sich noch mehr von ihnen aufs Meer begeben – und es nicht zu tun, führt dazu, dass die, die sich aktuell dort befinden, sterben werden.

Das eigentliche Problem sind Denkweisen, Kulturen und korrupte Regierungen, die in einer modernen Welt kaum lebensfähig sind, die sich selbst der größte Feind sind.

Der Westen – allen voran Linke und dubiose NGOs – behandelt Afrika wie ein Kleinkind, das ununterbrochen an der Hand genommen wird und dem man mit der anderen Hand in die Tasche mit den Rohstoffen greift – korrupte Politiker durchschauen das Spiel und spielen gern mit.

Dem Westen wird nichts anderes übrigbleiben, als Afrika wie einen Erwachsenen zu behandeln. Deutschland müsste Afrikas Staaten sagen: „Werdet erwachsen!“ Das Problem dabei ist nun wiederum, dass Deutschland und der linke Teil des Westens derzeit retardieren, denken wir nur an die neuen „Kinder-Soldaten“, die eine viel zu emotionale Debatte noch kindischer, noch irrationaler werden lassen.

Erwachsen zu werden

Es wird uns nichts anderes übrigbleiben, als Afrika zu sagen: „Werdet erwachsen – und übernehmt Verantwortung für euch selbst.“ Asien gelingt es, Amerika gelingt es, Russland gelingt es und uns auch – ihr bekommt das auch hin.

Ja, wir werden nicht drum herumkommen, die Problemländer zum Erwachsenwerden aufzufordern, wozu eben gehört, ihnen die Möglichkeit zu nehmen, die Verantwortung für ihre sozialen Handlungen ganz automatisch nach Europa abzugeben.

Ja, es ist wichtig und richtig, Menschen in Not zu helfen, doch wenn du mehr Hilfsbedürftige hast, als alle deine Krankenhäuser – und die Nachbarschaft – aufnehmen könnten, wäre es eine gute Idee, mal nachzuschauen, was das für eine Unfallstelle ist – und wer dafür verantwortlich ist, den Dauerunfall zu stoppen!

Wer anderen abverlangt, erwachsen zu werden, der sollte natürlich zuerst selbst erwachsen werden – und bleiben! Zum Erwachsensein gehört zuerst, selbst zu denken, statt Autoritäten für sich denken zu lassen. Wirklich erwachsen zu sein, bedeutet auch, alles zu prüfen, statt unbedarft irgendwelche Märchen und Propaganda zu glauben. Und, natürlich: Erwachsen zu sein bedeutet auch und zuerst, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen – und auch tatsächlich verantwortlich in die Welt hinein zu handeln!

Das Kind sagt: „Der ist schuld!“, und: „Ich habe keine Lust!“ – der Erwachsene sagt: „Ich kümmere mich“, und: „Ich trage Verantwortung, also handle ich.“

Seid Erwachsene – und bleibt Erwachsene! Habt die Kraft, Verantwortung zu übernehmen und erwachsen zu werden.

Erwachsen zu werden, kann weh tun, doch Kind zu bleiben, das tut allen zu weh, die zusehen müssen. Habt das bescheidene Selbstbewusstsein, auch von anderen zu verlangen, erwachsen zu werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.


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