18. März 2019

Die deutsche Sprache aus Sicht eines Auslandsdeutschen Das Kreuz mit der „Political Correctness“

Unverständliches noch unverständlicher machen

von Alejandro Danner

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Bildquelle: shutterstock Im Inland bald nicht mehr verstanden: Deutsch

Jeden Tag wird von deutschen Politikern und NGOs, die alles Mögliche oder eher Unmögliche fordern, auch gleich die „passende“ politisch korrekte Sprechweise mitgeliefert.

Ein Dialekt entsteht

Nicht nur diese Forderungen, sondern auch der mitgelieferte korrekte Sprech sind derart sinnbefreit, dass man darüber nicht mal mehr lachen kann. Schlicht, weil diese Worte und Formulierungen im Ausland nicht verstanden werden. Es entwickelt sich ein politisch korrekter deutscher Dialekt, der mit viel gutem Willen höchstens von einem kleineren Teil der Bevölkerung Deutschlands begriffen wird. Mal abgesehen davon, dass es für diesen neuen politisch-ideologisch gefärbten Dialekt keinerlei Übersetzungen in andere Sprachen gibt, bleiben diese Begriffe auch für alle Auslandsdeutschen überwiegend ein Buch mit sieben Siegeln.

Im Dritten Reich wurde die Sütterlinschrift abgeschafft, um auch ausländischen Lesern die Möglichkeit zu geben, sich über Deutschland zu informieren. Heute wird die Sütterlinschrift quasi wieder eingeführt, um unter sich zu bleiben. Die angeblich politisch Weltoffenen betreiben in dieser Hinsicht eine nationalistische Politik...

Das Wörterbuch für politisch korrektes Neudeutsch?

Wenn beispielsweise die Begriffe „Menscher“ oder „Kinderinnen“ genannt wird, fehlt den „deutsch-außerirdischen Normalos“ – also den Auslandsdeutschen – schlicht die Phantasie, herauszufinden, was damit gemeint sein könnte. Hier könnte eine Infoschrift der Amadeu-Antonio-Stiftung „Politisch korrektes Deutsch für Deutsche“ wirklich hilfreich sein.

Fast die Hälfte der Deutschen lebt außerhalb Deutschlands

Denn was immer vergessen wird: Neben den 80 Millionen Deutschen in Deutschland leben rund 70 Millionen Deutsche und Deutschstämmige außerhalb des heutigen deutschen Staatsgebietes. Das bedeutet, dass deutlich mehr als die Hälfte aller Deutschen (in Deutschland selbst verstehen auch nur relativ wenige diesen seltsamen Dialekt) keinen Schimmer haben, was man ihnen eigentlich sagen möchte.

Gender-Gaga auf hohem Niveau

Der Gender-Wahn hat nun mit dem „dritten Geschlecht“ die Hürde des Offiziellen überwunden. Was bisher im Ausland belächelt wurde, ist nun in der internationalen Presse in Spott und Hohn übergegangen. Sind die Deutschen verrückt geworden?

Als Auslandsdeutscher muss man sich bei Gesprächen mit den Nachbarn, die den Unfug mit dem „dritten Geschlecht“ schon als Glosse in der ausländischen Presse lasen, entschuldigen. Die Versicherung, man habe mit dem ganzen Unfug nichts zu tun, beruhigt die Gemüter zumindest vorübergehend. Skepsis bleibt, denn eigentlich hatte man die netten deutschen Nachbarn doch als ganz vernünftig kennengelernt...

Aber auch die Auslandsdeutschen selbst sind – um es mal höflich auszudrücken – stark irritiert. Was, bitteschön, ist ein drittes Geschlecht? Warum soll es nun Toiletten für etwas geben, das anscheinend nur auf dem Papier existiert? Und was bedeuten eigentlich die ganzen Sternchen oder Querstriche innerhalb der Wörter? Im Duden (meiner ist zehn Jahre alt, und neue gibt es hier nicht), der für die Definition der deutschen Sprache maßgeblich ist, kann man darüber anscheinend nichts finden. Alles Fragen, die einem im Ausland niemand beantworten kann.

Die gemeinsame Sprache zerbricht

In der derzeitigen Situation ist abzusehen, dass die gleiche Situation eintritt, wie sie in Spanien – jedoch aus anderen Gründen – bereits Realität ist: Die deutsche Sprache wird innerhalb Deutschlands so sehr vergewaltigt, dass sie außerhalb niemand mehr versteht. Genau wie bei der spanischen Sprache, deren gültige Hochsprache alsbald die Lateinamerikas sein wird, wird Hochdeutsch eine Sprache werden, die nur noch außerhalb Deutschlands gesprochen wird.

Gut, für die Auslandsdeutschen ist das ein kleineres Problem. Wenn man sich schon nicht mehr mit den Deutschen in Deutschland unterhalten kann, hat man ja noch die vielen Millionen deutschsprachigen Menschen um Deutschland herum sowie im Rest der Welt...


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Dossier: Politische Korrektheit

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Alejandro Danner

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