21. Dezember 2018

Affäre Claas Relotius Tröpfchen auf dem heißen Berg

Eine viel zu späte und engsichtige „Einsicht“

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: IgorGolovniov / Shutterstock.com Lügenpresse: Muh, Relotius!

Was soll das heißen, „Tröpfchen“? Nimmt der Autor dieser das jüngste Schauspiel um einen von zahllosen Betrugsfällen am Leser ehrlich gesagt nur noch gelangweilt zur Kenntnis nehmenden Zeilen etwa einen Journalisten in Schutz, der Geschichten und Akteure für seine Reportagen frei erfunden haben soll? Ist das denn kein Skandal?

Doch, sicher. Ja, es ist nicht okay, wenn ein Journalist sich so verhält. Und jetzt?

Entschuldigung, aber ich ziehe hiermit – ja, jetzt schon – in Zweifel, dass dieser Vorfall tatsächlich ein größeres Umdenken, einen „Richtungswechsel“, eine „Selbstein‑“ oder gar „Rückkehr“ zu ernster genommenen journalistischen Tugenden bewirken wird. In Einzelfällen sicher, das sei nicht in Abrede gestellt. Es wird Schreiber und Funker geben, die sich diesbezüglich ihre Gedanken machen und vielleicht wirklich etwas besser darauf achten werden, ob sie auch in Zukunft stur und gebetsmühlenartig so manches schon vor Jahren widerlegte Narrativ nachbeten sollen.

Egal ob es dabei um das Kindermärchen geht, es gehe bei „Auslandseinsätzen“ (gleich Kriegen) um „Demokratie, Frieden und internationale Stabilität“, um die „Verteidigung unserer Werte“ oder „humanitäre Hilfe“. Eine fromme Lüge, die ungeachtet ihrer Lächerlichkeit Lesern und Zuschauern nach wie vor in die Köpfe gepaukt wird. Egal ob man die Bevölkerung mehr oder weniger dazu aufruft, sofort die Luftschutzbunker aufzusuchen, wenn Putin nach einer etwas zu herb gewürzten Mahlzeit unter Flatulenzen leidet. Egal ob die von unlängst nicht etwa von dilettantischen Dummschwätzern, sondern mehreren Lungenfachärzten zu Recht in Zweifel gezogenen, übertriebenen „Grenzwerte“ für Stadtluftbelastung lustigerweise als „Klimaschutz“ verkauft werden sollen, obwohl es um eine vorsätzliche Einschränkung der Mobilität der Bürgen unter ökologischen Vorwänden geht.

Egal ob man Wissenschaftler, die nicht etwa anhand intuitiver Eingebungen, drogengeschwängerter Tagträume und kruder Spekulation, sondern auf Basis belastbarer Daten und vernünftiger, nachvollziehbarer Argumente die Propaganda vom CO2 als „menschengemachter“ Ursache des Klimawandels (den es in der Tat gibt, nur wandelte sich das Klima durch die Weltgeschichte schon immer) anzweifeln, in gewissen (irre‑) führenden Fischröckchen erst gar nicht zu Wort kommen lässt, weil es schließlich eine Agenda zur Deindustrialisierung und ökonomischen Prekarisierung ins „öffentliche Bewusstsein“ zu peitschen gilt, die der damalige Präsident des Internationalen Währungsbetrugsfonds (IWF) namens Jacques de Larosière am 30. September 1979 in Belgrad in die ziemlich eindeutigen Worte fasste, es gehe um: „die Neuordnung der Welt auf Kosten einer Schrumpfung des Arbeitsniveaus und des Lebens in den industrialisierten Ländern“ (zitiert nach E.R. Carmin, „Das schwarze Reich“, Seite 382).

Egal ob die „freie Presse“ ihren Kunden dabei geschmeidig verschweigt, dass die Leitlinien dieses Politricks im trojanischen Kohlenstoffbauch schon vor Jahrzehnten ausgearbeitet wurden, was ich keineswegs frei erfinde, sondern in den Arbeitspapieren zum Beispiel der Trilateralen Kommission schwarz auf weiß nachzulesen ist, bitte schön: Es „ist angemessen, wenn die trilateralen Länder verschiedene Mechanismen zur Erhöhung der Preise in Betracht ziehen würden. Wir empfehlen dringendst jeder trilateralen Regierung, ihre Steuerstrukturen zu überprüfen und spezifische Energiesteuern einzuführen.“

Deutschland ist übrigens ein solches „trilaterales Land“ mit einer, naja, überwiegend „trilateralen Regierung“. Das glauben Sie nicht? Dann recherchieren Sie doch mal zur sogenannten „German Group“ dieser Kommission und staunen sie, wie viele (irre‑) führende Politrickser – und zwar über alle Parteien verteilt – durch die letzten Jahrzehnte in eben dieser Kommission saßen und heute sitzen. Sie werden ihren Augen nicht trauen. Doch das wäre nicht nur einen eigenen Artikel, sondern eigentlich schon wieder ein ganzes Buch wert.

Aber die gibt es ja schon! Also, Bücher zu diesen „Netzwerken der Macht“. Tja. Und jetzt werfen Sie mal einen Blick auf die alljährlichen „Lektüreempfehlungs“- und „Bestseller“-Listen der Qualitätspresse. Sie werden kein einziges dieser Werke darauf finden. Muh, Relotius.

Egal ob man dabei verschweigt, worum es bei diesen „Mechanismen“ zur (derzeit rein zufällig an vielen Fronten zu beobachtenden) „Erhöhung der Preise“ (!) wirklich geht. Und noch ein wunderhübsches Zitat: Es „steht außer Zweifel, dass für die internationalen Ziele in den künftigen Jahren immer mehr Geld benötigt werden wird“ (die obigen beiden Zitate entstammen dem trilateralen Papier „Energy: Managing the transition“, erschienen 1978, zitiert nach Carmin, „Das schwarze Reich“).

Und genau diese Dukaten sollen den Bürgen nun für die globalistischen Ziele mittels eben zitierter PR-Stunts aus der Nase gezogen werden.

Egal ob man schon vor knapp 28 Jahren in einem schrecklich kruden Buch, das ganz selbstverständlich zu „unseriös“ war, es auf „unsere“ Leselisten zu schaffen, über den weiteren Fahrplan dieser Prekarisierungs‑, Enteignungs‑, Nötigungs- und Freiheitsberaubungspolitik lesen konnte, es gehe um die Zerstörung des Immobilienmarktes, der – aufgemerkt bitte – Auto‑, Stahl- und Schwergüterindustrie.

Ich finde es übrigens sehr erfreulich, dass eine zunehmende Zahl von Kommentatoren sich darob den Hinterkopf kratzt: Woher plötzlich diese massiven Angriffe auf die Autoindustrie? Was soll das? Das kann doch kein Zufall sein!? Es wirkt doch irgendwie „merkwürdig“ orchestriert? Ja, ist es. Immerhin wurde erst kürzlich sogar auf einem „Mainstream-Kanal“, nämlich den „Tagesthemen“, vor einem „Kahlschlag“ gewarnt.

Aber muh, Relotius.

Egal ob ein vielbeachtensrenommerkenswertes Blatt dieses Landes sich in einem Artikel zur Situation in der Ukraine auf einen bekanntermaßen etwas psychotischen, notorischen Kriegshetzer bezieht, der in seinem eigenen Artikel im „Focus“ ganz unverhohlen zu einem zweiten Russlandfeldzug blies (denn Putin verstehe nur eine Sprache...) und diesen Wahnsinnigen, diesen Irren dabei tatsächlich, kein Witz, als „Russland-Experten“ vorstellte (was in gewisser Hinsicht ja gar nicht falsch ist, nämlich gewiss aus Nato-Sicht).

Egal ob nicht nur vor Abschluss, sondern sogar Aufnahme von Ermittlungen im Falle eines angeblichen Giftgasanschlags in England eine Medienfront geschlossen aufmarschiert und den Schuldigen bereits klar benennen kann – ja, das alles ist nicht nur aus kriminalistischer, sondern auch psychologischer Sicht schon sehr verblüffend.

Ich meine die Art, in der seit vielen Jahren journalistische Standards und Tugenden komplett außer Kraft gesetzt, umgangen, kastriert, gevierteilt, geteert und gefedert werden. Was aber nie zu einem Aufschrei führte oder gar zu eigentlich bitter nötigen Entschuldigungen gegenüber den mit solchem – Verzeihung, wenn ich in der Vorweihnachtszeit schimpfe – Propagandadreck dauerbeworfenen Lesern und Zuschauern (denen im Falle der Veröffentlicht-Unredlichen die Finanzmittel für diese Prawdasysteme auch noch unter Androhung der Piratengewalt des Staates gestohlen werden).

Egal ob gegen politisch unerwünschte Figuren flugs Schmier- und Hetzkampagnen, sprich Menschenjagden veranstaltet werden.

Nun gut. Sie merken es sicher schon: Da hat sich jemand warmgeschrieben. Weshalb ich es aus Rücksicht auf die Ruhe und Besinnlichkeit des bevorstehenden Festtagsgenusses auch vermeide, erst so richtig in Wallung zu kommen und heißzulaufen, denn an brennenden Weihnachtsbäumen hat ja niemand Freude.

Jetzt entschuldigt man sich.

Frohes Fest, ihr Lichtgestalten.


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