20. November 2018

Mit Linken leben Aus Angst wird Hass wird Hetze!

Therapie für rechtspopulistische Angstbündel

von Marei Bestek

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Bildquelle: shutterstock „Rechtspopulistische“ Ängste: Lassen Sie sie zu!

Sie kennen das sicherlich. Äußern Sie in einer Diskussion Bedenken zur aktuellen politischen Lage, dann beruhen diese natürlich keineswegs auf Fakten oder persönlichen Erfahrungen, sondern sind allein Ausdruck ihrer irrationalen und ausufernden Ängste! Sie haben Angst vor Flüchtlingen, Überfremdung, Globalisierung und Werteverlust, und bald schon sind Sie ein Hetzer vor dem Herrn!

Anstandslos in dieses Schema reihten sich auch die Berichterstattungen im Fall Chemnitz ein, die den Bürger nicht etwa als Leidtragenden und Sündenbock politischer Fehlentscheidungen erkannten, sondern ihn stattdessen zum Opfer seiner Ängste stilisierten. Während ihm seine Angst als infantile Marotte präsentiert wurde, galt jeder „Herz statt Hetze“-Aktivist gleich als progressiv und mutig.

Angstempfinden als Auslaufmodell und Störfaktor

Das Konstrukt, mit dem sich Linke die Proteste gegen die Folgen unserer desaströsen Asylpolitik erklären, ist dabei ziemlich simpel: Aus Angst wird Hass wird Hetze! Unsere Angst wird nunmehr als lästiges Überbleibsel vergangener evolutionärer Entwicklungsstadien diskreditiert und uns als Hindernis oder Beeinträchtigung verkauft. Die vorherrschende Meinung in linken Dunstkreisen ist: Angst reduziert unsere Sensibilität und verstärkt unsere Ichbezogenheit; sie macht uns zu abgestumpften Gefährdern eines friedlichen Zusammenlebens.

Die Überzeugung, dass wir den evolutionären Gesetzen gegenüber erhaben sind, führt schließlich zu der Annahme, man könne sie gar mit noch mehr Offenheit und Toleranz als Opfergabe überwinden. Anstelle harter Sanktionen reagieren wir heute mit Deeskalation, Appeasement, Stuhlkreisen und der Suche nach schnellen Lösungen und Erlösungen. In diesem therapeutischen Gesinnungsstaat debattiert man nicht mehr über das deutsche Staatsversagen, sondern über all diejenigen, die sich seiner Bevormundung entziehen wollen.

Regierungskritiker gelten als grausam, unbarmherzig und von Hass getrieben, wohingegen positive mentale Einstellungen wie Offenheit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft allein der Linken vorbehalten bleiben. Gefährlich ist heute, wer Ängste und Sorgen offen ausspricht. Das, wovor man uns eigentlich warnen möchte, wird hingegen bagatellisiert, relativiert oder lächerlich gemacht. Denn die einzige Angst, die das linke Meinungsspektrum weiterhin billigt, ist die Angst vorm Generalverdacht! (Und das Bedrohungsgefühl, das von rechts kommt, selbstredend!)

Keine Angst zu haben, ist kein Anzeichen von Mut

Dass uns Ängste im Gegenteil sogar für die Wirklichkeit sensibilisieren können, stößt im Selbstverständnis der Linken nicht auf Zuspruch. Durch unsere Sorgen nehmen wir unsere Umgebung bewusster wahr, werden wachsam gegenüber Veränderungen und Regelverstößen und können schließlich darauf reagieren.

Ängste zu akzeptieren und sie verantwortungsbewusst „am Kragen“ zu packen, kostet jedoch nicht nur Mut, sondern auch den Willen, nach Wahrheiten zu suchen und Lösungen anzubieten. Diesen notwendigen, aber arbeitsaufwendigen Schritt sparen Linke jedoch konsequent aus, indem sie sich in einer Welt des ewig Guten abschirmen und damit sowohl den Kontakt zur Wirklichkeit als auch den zu ihren eigenen Gefühlswelten verlieren.

In ihren Käseglocken wird zwar die Sprache von Moral und Solidarität gesprochen. Auf den Prüfstand gestellt (zum Beispiel durch Fakten!), wird jedoch schnell deutlich, dass hier jeder nur um sich selbst kreist. Im Grunde haben Linke keine Argumente und auch kein wirkliches Interesse an Wohltätigkeit und Selbstlosigkeit. Alles, was sie wirklich interessiert, ist das unverdiente Gefühl der moralischen Überlegenheit, das mit der Illusion einhergeht, dass jeder andere ein Hasser ist (und wenn er doch die Wahrheit spricht).

Linke als Therapeuten rechtspopulistischer Angstbündel

Der Vorwurf der Linken, die politische Rechte sei von bloßer Furcht und Hass getrieben, ist damit nur ein Widerschein ihrer eigenen Charakterschwäche. Es ist ein billiges und vordergründiges Motiv, um die Brisanz der Proteste zu schwächen und den Bürger in seiner Integrität und Menschlichkeit zu diskreditieren, so dass er einer Debatte nicht würdig erscheint.

Ein Diskurs findet somit nicht statt. In den Fokus rückt stattdessen die emotionale Verfasstheit des rechten Gegenübers, der wegen seines vermeintlich neurotischen und atavistischen Angstempfindens fürsorglich therapiert werden muss. Diese Diagnose wird dem fehlgeleiteten rechtspopulistischen Angstbündel nicht nur hochmütig von der Linken gestellt. Durch belehrende Therapeutengesten, behutsames Zureden und Handauflegen wollen sie gleich selbst den Heilungsprozess einleiten:

Wann genau sind Sie vom rechten (oder besser: linken?) Weg abgekommen? Liegt eventuell ein Kindheitstrauma vor? Haben Sie private Probleme? Nehmen Sie Drogen? Sind Sie jetzt AfD? Haben Sie die falschen Freunde? Wohnen Sie vielleicht im Osten? Lassen Sie die Hosen runter, denn hier werden Sie geholfen, ob Sie wollen oder nicht!

Das Gute an solchen Diskussionen ist immerhin: Anschließend sind Sie nicht nur um einige Neurosen reicher, Sie erhalten auch gänzlich neue Einblicke in Ihr Seelenleben und Ihre Krankenakte. So erfahren Sie zum Beispiel, dass die Ursache Ihres Widerstandes gegen die deutsche Willkommenskultur ihren Ursprung allein im Tod Ihrer Urgroßtante zweiten Grades findet, den Sie nie richtig verkraftet haben, und dass außerdem Ihr Bruder ein sehr schlechter Einfluss für Sie ist. Dabei haben Sie gar keinen Bruder. Aber keine Sorge. Die Therapeuten sind schließlich schon da!

Am Ende braucht Ihr Gegenüber nicht mehr rational zu antworten und kann sich somit gegen jede Form der faktenbasierten Kritik immunisieren. Neben Diffamierung und dem einfachen Ignorieren von Sachverhalten ist dies ein weiterer Weg der Linken, echte Auseinandersetzungen zu umgehen und gleichzeitig die Deutungshoheit zu behalten.

Sagen Sie daher nein zur grün-linken therapeutischen Sedierung! Lassen Sie Ihre Ängste zu und nutzen Sie sie: Sie lassen Ihnen den klaren Blick, die Kraft, sich zu empören und schließlich etwas zu verändern!


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