22. August 2018

Mirjam Kruppa über Integration von Migranten Die Rassisten sind in Thüringen Landesbeauftragte

Menschen werden auf genau ein Merkmal reduziert

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Ein Neuer kommt in die Klasse: Wie wird der Umgang mit ihm sein?

Gerade gefunden: „Ich denke an eine Schulklasse. Eine neue Schülerin aus Syrien kommt hinzu. Wie wird sich der Klassenverband ihr gegenüber positionieren? ‚Wir sind die wahren Schülerinnen und Schüler der Klasse 9b! Keine Migrantin kann dazugehören!‘ Oder: ‚Nein zur Ausgrenzung der neuen Schülerin! Ja zum Miteinander in der Schule!‘ Die Antwort hat viel mit dem Lehrpersonal zu tun. Es wird erklären müssen, dass Ausgrenzung ein Mittel ist, um zum Beispiel politische Macht zu erreichen. Ein Zerstörungsmittel also, das nur die Ausgrenzenden und nicht die Gesellschaft weiterbringt! Dagegen ist das Miteinander ein Gestaltungsmittel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wissen schafft Demokratie!“ Das schreibt eine Mirjam Kruppa, Thüringer Beauftragte für Integration, Migration und Flüchtlinge, im Vorwort zu einem Gutbuch des Amadeu-Antonio-Ablegers Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft. Und was Kruppa da schreibt, das ist der blanke Rassismus.

Erinnern Sie sich an Ihre Schulzeit. Ein neuer Schüler kommt in die Klasse, vielleicht weil er sitzengeblieben ist, vielleicht weil seine Eltern umgezogen sind, vielleicht weil er von der Realschule aufs Gymnasium oder umgekehrt gewechselt ist. Es gibt viele Gründe. Kann sich einer der Leser erinnern, dass der neue Schüler als Vertreter einer Gruppe kam, auf genau ein Merkmal, nämlich das eines Migranten oder eines Sitzenbleibers oder eines Schulwechslers oder Umziehers, eines aus der Arbeiterschicht oder was auch immer reduziert wurde? Oder war es nicht vielmehr so, dass der neue Schüler an dem gemessen wurde, wie er sich gab, wer er war, wie er sich darstellte, welchen Anspruch er als Individuum erhob, selbst von denen, die ihn zunächst vielleicht als Sitzenbleiber angesehen oder als Fremdkörper empfunden haben?

Wie rassistisch und armselig muss man in seinem Denken eigentlich sein, wenn man es für möglich hält, dass ein neuer Schüler in einer Klasse ausschließlich in seiner Funktion als Flüchtling betrachtet und nicht als Individuum angesehen wird, das vielleicht interessant, vielleicht langweilig, vielleicht intelligent, vielleicht etwas langsam im Begreifen, vielleicht ein guter Sportler oder Mathe-Crack ist?

Wie weit von der Normalität muss man entfernt sein, wenn man denkt, Lehrer könnten sich in eine Klassendynamik einmischen und den Schülern sagen, was sie von bestimmten Mitschülern zu halten haben (noch dazu in der Klasse 9b), ohne dass sie damit entweder das Gegenteil des Erwünschten bewirken oder die gesamte Klasse gegen sich aufbringen?

Es ist erschreckend, wie normal es für diejenigen ist, die sich angeblich für Integration starkmachen wollen, Menschen auf genau ein Merkmal zu reduzieren, sie zum Flüchtling in allen Lebenslagen und in allen individuellen Äußerungen zu beschränken, sie dadurch auszugrenzen und sich dann für ihre Integration einzusetzen, eine Integration, die man in Abwesenheit von mit Integration Beauftragten gar nicht benötigt hätte?

Das deutsche Bildungssystem mag darniederliegen, aber im Vergleich zu den politischen Institutionen und denen, die derzeit Gutmensch und Politikdarsteller spielen wollen, ist das Bildungssystem ein Lichtblick am Horizont der geistigen Umnachtung.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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