16. Mai 2018

Netzwerk Reconquista Germanica als Feindbild Nicht rechtsextrem und viel Lärm um herzlich wenig

Gibt es bald auch „Linksoben“?

von Michael Klein

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Bildquelle: shutterstock Von „Kämpfern gegen rechts“ zum Monster gemacht: Reconquista Germanica

Nicht zuletzt der Glockenturm („belltowernews“) der Amadeu-Antonio-Stiftung hat das Netzwerk Reconquista Germanica bekannt gemacht. Die Faktenfinder und Patrick Gensing haben sich alle Mühe gegeben, Reconquista Germanica hochzureden und zum öffentlichen Feind Nummer eins, zur Trollfabrik, aufzubauen. Jan Böhmermann hat mit seiner misslungenen Aktion Reconquista Internet und der dazugehörigen Liste derer, die aus dem demokratischen Deutschland, wie es sich Böhmermann vorstellt, entfernt werden müssen, dazu beigetragen, dass Reconquista Germanica auch noch dem letzten Begriffsstutzigen ein Begriff geworden ist.

Die ganze Kampagne gegen Reconquista Germanica ist ein perfektes Modell dafür, wie ein Echozimmer funktioniert, wie Nachahmung (mimetische Isomorphie) dazu führt, dass gleichgeschaltete Akteure auf Grundlage von gleichgeschalteten Informationen sich auf ein Objekt fixieren und dieses Objekt zum wichtigsten Gegenstand ihrer engen Stirn machen.

Und natürlich finden sich in diesem Echozimmer nicht nur politische Aktivisten wie die Glockenturmbesatzung der Amadeu-Antonio-Stiftung, die davon lebt, dass es Plattformen oder Organisationen oder Erscheinungen wie Reconquista Germanica gibt, die man hochreden und mit Relevanz versehen kann, sondern auch Politiker, denen es ein ideologisches Ansinnen ist, eine rechte Gefahr zu beschwören, rechte Feinde aufzubauen und Rechtsextremismus zum großen Problem aufzubauschen, aus dem man dann politisches Kapital schlagen zu können glaubt.

Die Linke hat gerade im Bundestag versucht, mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung Kapital aus der Hysterie um Reconquista Germanica zu schlagen – und ist klassisch gegen die Wand gelaufen. Es gebe Rechtsextremisten und rechtsextremistisch beeinflusste Gruppen, die im Internet versuchten, „Stimmung zu machen“ (so wie es linke und linksextreme Gruppen, Parteien und Politiker gibt, die versuchen, Stimmung zu machen, schon weil „Stimmung machen“ das ist, worum sich Politik dreht, vor allem in Zeiten des Wahlkampfs), so die Bundesregierung in ihrer Antwort. Reconquista Germanica sei „kein Beobachtungsobjekt des Bundesamtes für Verfassungsschutz“, sei „bislang nicht als rechtsextremistisch eingestuft“, ist somit auch nicht zu den rechtsextremistischen Gruppen zu zählen, die im Internet versuchten, „Stimmung zu machen“. Reconquista Germanica sei eine Vernetzungs- und Kommunikationsplattform, nicht mehr.

Dabei hat die Linke wirklich alles versucht, um eine Verbindung von NPD, Drittem Weg, Identitärer Bewegung, der Partei Die Rechte und anderen Gruppen mit Reconquista Germanica herbeizufragen. Es hat nichts genutzt. Reconquista Germanica ist nichts anderes als das Portal „Linksunten“ in der derzeit vom Verfassungsschutz geduldeten Variante, und im Gegensatz zu einer Reihe von Organisationen, die Teil der Partei Die Linke sind, wird Reconquista Germanica weder vom Verfassungsschutz beobachtet noch als verfassungsfeindlich eingestuft.

Ob Jan Böhmermann den gleichen Elan, den er dazu verwendet hat, ein Miniaturportal, von dem keinerlei nachweisbarer Effekt auf die Bundestagswahl ausgegangen ist, trotz aller Bemühungen, den entsprechenden Effekt herbeizureden und herbeizuforschen, zum Monsterproblem zu stilisieren, nun, aus Gründen der ausgewogenen Berichterstattung, die ja zum Auftrag des öffentlichen Rundfunks gehört und im Rundfunkstaatsvertrag festgeschrieben ist, eine Aktion „Linksoben“ ins Leben ruft, um dem Hass auf „Linksunten“ die Liebe von „Linksoben“ entgegenzusetzen?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Sciencefiles“.


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