27. April 2018

Alternative Presseschau (Radio)Wahrheit. Ehre. Menschlichkeit. Aufstieg. Heimat.

Der „Goldstandard der Literatur“ in der Identitätskrise

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Bildquelle: shutterstock Identitätskrise: Schwedische Akademie in Stockholm

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Wahrheit: Algorithmen statt russischer Trolle

Das „Contra-Magazin“ kritisiert die Anschuldigungen der USA gegenüber Russland, die letzte Präsidentschaftswahl manipuliert zu haben. Stattdessen sollten sie erst einmal in ihren eigenen Reihen aufräumen. Mittlerweile habe sich nämlich herausgestellt, dass der Datenskandal von Facebook dazu genutzt wurde, maßgeschneiderte Wahlkampagnen zu starten. Cambridge Analytica, eine britische Beratungsfirma, hatte Facebook-Daten gekauft, um gezielt demokratische Wähler vom Urnengang abzuhalten – Google hatte wiederum Clinton unterstützt, indem die Suchergebnisse zu Donald Trump und Bernie Sanders bewusst negativ dargestellt wurden. Marco Maier fragt: „Was dürfen wir bei Wahlen in Europa erwarten?“

Ehre: Stockholm und Moskau

Nicht nur der Echo leidet unter Imageproblemen. Auch beim Literaturnobelpreis kriselt es gewaltig. Kath.net spricht gar von einer „Identitätskrise beim Kampf um die Ehre“. Die Schwedische Akademie stehe wegen Machtmissbrauchs in den Schlagzeilen. „Vorwürfe von sexuellem und finanziellem Fehlverhalten wurden gegen den Ehemann von Akademiemitglied K. Frostenson bekannt“, so Gastautorin Martha von Jesensky. Ein Antrag auf Ausschluss Katarina Frostensons fand anschließend keine Mehrheit. Aus Protest traten daraufhin drei bedeutende Mitglieder aus der Akademie aus, darunter Klas Östergren und Akademieveteran Kjell Espmark. Die Akademie sei somit formal handlungsunfähig. Jesensky bewertet die Vorgänge: „Es geht nicht nur um Sex und Geld, es geht um die Kriterien und das Verhalten jener Menschen, die der Goldstandard der Literatur sind.“

Götz Kubitschek stellt auf der „Sezession“ einen neuen Roman vor: „Ein Gentleman in Moskau“ von Amor Towles. Der adlige Graf Rostov wird von den revolutionären Truppen Russlands vor Gericht gestellt und entgeht fast zufällig der Hinrichtung – muss sich aber von nun an unter Hausarrest in ein Hotel begeben. Vier Jahrzehnte lebt der Graf im Hotel „Metropol“ und berichtet über sein Leben auf kleinstem Raum. Kubitschek schließt ab: „Was haben sie zu lehren, Rostov und dieser Roman? Auf die Frage, warum man darauf verzichten sollte, Dubai zu besuchen oder auf die Seychellen zu reisen, sollte man eine zugleich melancholische und stolze Antwort geben: Es gibt in unserem eigenen Land und überhaupt im ‚alten Europa‘ noch unendlich viel, was wir noch nicht besucht, aufgesogen, gekostet und gewürdigt haben.“

Menschlichkeit: Strafminderung für geschwänzte Deutschkurse

Armutsmigrant Abdel S. war aufgrund wiederholter Verurteilungen erneut vor dem Haftrichter gelandet. In erster Instanz hatte Abdel S. bereits eine Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren erhalten, so berichtet „Zuerst!“. Der Richter Rupert Geußer entschied, dass Abdel S. aufgrund seiner fehlenden Deutschkenntnisse „erhöht haftempfindlich“ sei. Auch sein Geständnis soll strafmindernd gewirkt haben, Geußer verringerte die Strafe auf zwei Jahre und sechs Monate, schließt „Zuerst!“.

„RT Deutsch“ berichtet über einen „historischen Handschlag“. Kim Jong-un betritt als erster nordkoreanischer Staatschef seit 65 Jahren südkoreanischen Boden. Der nordkoreanische Machthaber wurde vom südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in begrüßt, Kim hoffe in „freimütigen Diskussionen“ eine „bedeutende Vereinbarung“ zu erzielen, so „RT Deutsch“. Spontan forderte Kim Jong-un seinen Amtskollegen auf, einen Schritt über die Grenze zu machen, um symbolisch Nordkorea zu besuchen. Die Konferenz der beiden koreanischen Staatschefs wurde live im Fernsehen übertragen. Moon Jae-in äußerte sich positiv: „Mit dem Moment, in dem der Vorsitzende Kim die militärische Demarkationslinie überschritten hat, wurde das Grenzdorf Panmunjeom zu einem Symbol des Friedens, nicht der Teilung.“

Aufstieg: Steuern von Strömen

Der Strompreis ist auf den Weg zu neuen Höhen. Heinz Horeis fasst auf „Novo“ die Entwicklungen des Preisindexes zusammen. Nach der Liberalisierung des Strommarktes 1998 kostete der Strom umgerechnet 14 Cent pro Kilowattstunde, dann kam die rotgrüne „ökologische Steuerreform“ mit einer Besteuerung von zwei Cent pro Kilowattstunde – endlich dann das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“, das „dem Bürger am Haushalt vorbei“ Geld aus der Tasche ziehe, und die Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage, die wieder zwei Cent addiere. Mittlerweile liegt der Strompreis in Deutschland bei über 30 Cent und ist damit doppelt so hoch wie in Frankreich oder der Schweiz. Stromerzeugung und ‑vertrieb machen dabei nur knapp 20 Prozent des Gesamtpreises aus. Abschließend warnt Horeis die grünen Verfechter: „Das fossil-nukleare Elektrizitätssystem kommt problemlos ohne die Ökostrom-Trittbrettfahrer aus. Umgekehrt aber gilt dies nicht.“

Heimat: Häuser auf Pump

Henning Lindhoff blickt skeptisch auf den Neubauboom in Europa und Deutschland. In der „Jungen Freiheit“ verweist er auf die gigantischen Bauprojekte in den Metropolen, aber auch auf die erhöhte Eigenheimquote in Deutschland. Durch zu billiges Geld der Zentralbanken könne man sich günstig liquide machen und ohne Rückkopplung an den Markt Bauprojekte starten. Besonders interessant sei hierbei der sogenannte Wolkenkratzer-Index des Ökonomen Andrew Lawrence, der eine Korrelation zwischen überdimensionierten Bauprojekten und Wirtschaftscrashs feststellen konnte. Zwischen der Börsenpanik im Jahr 1907 und der Asienkrise 1997 gab es diverse Beispiele, in denen kurz vor einem Markteinbruch gigantische Hochhäuser gebaut wurden. In Deutschland übernähmen zudem immer mehr öffentliche Anbieter die Nachfragefunktion, da es einfach nicht genügend Häuslebauer gebe, um das Angebot an Bauland und Krediten abzudecken.

„Contra-Magazin“: „Google und Facebook manipulierten US-Wahlen – nicht Russland“

Kath.net: „Identitätskrise beim Kampf um die Ehre“

„Sezession“: „Amor Towles – ‚Ein Gentleman in Moskau‘“

„Zuerst!“: „Kuscheljustiz: Landgericht Zwickau mildert Strafe für ausländischen Intensivtäter ab – wegen seiner ‚erhöhten Haftempfindlichkeit‘“

„RT Deutsch“: „Historischer Handschlag: Kim Jong-un auf Staatsbesuch in Südkorea“

„Novo“: „Der Strompreis steigt und steigt …“

„Junge Freiheit“: „Der Immobilienboom ist nicht unbedingt ein Zeichen von Stärke“

Zusammenstellung: Florian Müller


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