17. April 2018

Alternative Presseschau (Radio)Anschuldigungen. Fortschritt. Ästhetik.

Frankenstein und Ackerbau

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Bildquelle: shutterstock „Neeein, nicht meine Bienen“: Anton Hofreiter träumt wieder vom Glyphosat

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Anschuldigungen: Gift hoch zwei und Rückgratverlust

Nachdem gestern die ersten Gerüchte durch die sozialen Medien flatterten, bei dem Stoff der verwendet wurde, um den russischen Agenten Sergej Skripal zu vergiften, handle es sich um eine US-amerikanische Produktion, fasst der ehemalige Richter am Bayrischen Verwaltungsgerichtshof, Peter Vonnahme, für die „Deutschen Wirtschaftsnachrichten“ die Entwicklung zusammen: Der Konflikt mit Russland sei von der ersten Minute an gewollt worden, und man müsse sich im Zweifel immer für den Angeklagten entscheiden. Es sei Zurückhaltung geboten, denn schon mehrfach waren Kriege aufgrund falscher Beschuldigungen und Lügen ausgebrochen, so die „Brutkastenlüge“ (1991), der sogenannte „Hufeisenplan“ (1999) und die „Yellowcake-Lüge“ (2003). „Es ist an der Zeit, zu einem vernünftigen Umgang mit Russland zurückzufinden“, schließt Vonnahme.

Jens Berger, Autor auf den „Nachdenkseiten“, fasst die aktuellen Entwicklungen zum angeblichen Giftgasangriffs Assads auf ein Gebiet der Rebellen zusammen. Am Samstag sollten die Chemiewaffeninspektoren der OPCW die Anschuldigungen überprüfen, doch bevor es soweit kam, „nahmen Donald Trump, Theresa May und Emmanuel Macron die Sache selbst in die Hand und befahlen den Abschuss von 105 Raketen“, so Berger. Dass die Nato-Staaten USA, Großbritannien und Frankreich sich nicht an das Völkerrecht halten, sei mittlerweile bekannt. Während Medien und Politiker noch von einer „Vergeltung“ sprachen, gestand US-Verteidigungsminister Mattis ein, dass es keine Beweise für eine Tat Assads gegeben habe. „Das Recht wird nicht nur mit Füßen getreten, es wird schlicht ignoriert; es gilt nicht mehr“, schließt Berger auf den „Nachdenkseiten“.

Nach diversen Anschuldigungen hat Dr. Wilhelm Hopf, Verleger des Münchner „LIT-Verlags“, seine Unterschrift auf der Erklärung 2018 zurückgezogen. „Er leistet öffentlich dafür Abbitte, dass er sich für das Recht auf Meinungs- und Demonstrationsfreiheit für Merkel-Kritiker einsetzte“, so David Berger auf „Philosophia Perennis“. Auf der Seite des LIT-Verlages heißt es: Die Erklärung 2018 als Verleger des LIT-Verlags zu unterschreiben, war ein Fehler. Ich ziehe daher meine Unterschrift unter die Erklärung 2018 zurück.“ Jörg Baberowski, Geschichtsprofessor an der Humboldt-Universität Berlin, kritisiert die Entwicklungen: „Noch vor Jahren hätte ich es für unmöglich gehalten, dass in Deutschland Menschen, die anderer Meinung sind, öffentlich gedemütigt und zu entwürdigender Selbstkritik gezwungen werden. Es ist beschämend, das sich Professoren meiner Universität an dieser Denunziationskampagne beteiligt haben. Ein Verleger muss öffentlich widerrufen, damit er ökonomisch überleben kann.“

Nachdem ein Polizist einen 19-Jährigen Afghanen erschossen hatte, der angeblich beim Bäcker Brötchen holen war und danach floh, kommen immer mehr Details ans Licht. Bei einer Presseerklärung des ermittelten Staatsanwalts, so berichtet „Tichys Einblick“, stellte sich heraus, dass der Migrant in den Morgenstunden randalierte, ein Fenster zerstörte und einen Paketlieferanten mit einem Stein schwer am Kopf verletzte. Die herbeigerufene Polizei wurde bedroht, einem Polizisten wurde ein Schlagstock entwendet, einem Kollegen der Arm gebrochen. Der Afghane war erneut auf die Polizisten losgegangen, auf Warnschüsse hatte er nicht reagiert. „Es ist wie so oft im Leben: Der Sachverhalt stellt sich im Nachhinein völlig anders dar, als hier die aufgebrachten Demonstranten und der Vorsitzende des Ausländerrates insinuieren“, schließt „Tichys Einblick“.

Fortschritt: Frankenstein und Ackerbau

Die Zeitschrift „Novo“ mokiert sich: „Es gerät in Vergessenheit, dass uns Fortschritt und Naturbeherrschung in den letzten 200 Jahren Freiheit, Wohlstand und Sicherheit von bisher nie gekanntem Ausmaß gebracht haben.“ Stattdessen werden Untergangsszenarien vermittelt, die erst durch den menschlichen Fortschritt entstehen. 200 Jahre nach der Veröffentlichung von Mary Shelleys Frankenstein, jenem Roman, der als einer der ersten die Auslöschung der Menschheit durch etwas künstlich Geschaffenes thematisiert, sei dies das Narrativ des 21. Jahrhunderts. Durch den technischen Fortschritt könne man aber bei hereinbrechenden Naturkatastrophen den Menschen besser helfen als jemals zuvor. Der Fortschritt habe uns nicht zerstört, sondern sorge dafür, dass Knappheit und Leid weltweit immer mehr zurückgedrängt werden, schließt „Novo“.

Grünen-Chef Anton Hofreiter hat Frankenstein gelesen und kann sein Gewissen nicht weiter belasten. Hofreiter, der wie alle Grünen denkt, dass eine Parteifarbe Qualifikationen im Bereich der Umwelt nachweist, fordert das sofortige Verbot von Glyphosat. Die „Epoch Times“ berichtet, dass Hofreiter Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) aufforderte, ihren „Zick-Zack-Kurs zu beenden“. Hofreiter äußerte sich dahingehend, dass „angesichts des dramatischen Sterbens von Bienen, Schmetterlingen und Vögeln Klöckner den Fehltritt ihres Vorgängers korrigieren“ müsse und „Glyphosat von den Äckern verbannen“ müsse, „wo das meiste Gift eingesetzt werde“. Klöckner hält sich derzeit an einen Koalitionsvertrag, in dem der „schrittweise Ausstieg bis 2021“ festgeschrieben ist, so die „Epoch Times“.

Ästhetik: „Jeder hasst die Antifa“

„Compact Online“ berichtet vom „Aufstand der Schönheit“, der patriotischen Frauen gegen die Feministen-Szene. Autor Marc Dassen übt sich in postmodernem Realismus: „Sie schreien, schwitzen und grölen. Über ihren halbnackten Leibern spannen sich Kompositionen zwischen Karnevalskostüm und Fetisch-Outfit.“ Dabei handle es sich um die „Freakshow“ des „Dritte-Welle-Feminismus“, die seit Jahren gegen das „Patriachat“ grölen und Politik machen. Walter Benjamin spräche zwar von der „Ästhetisierung der Politik“, welche der Faschismus betreibe, setzte diesem Konzept aber die „Politisierung der Ästhetik“ gegenüber. Dergleichen könne man nun beobachten: Der schwarze Block sei so abstoßend, dass der Slogan „Jeder hasst die Antifa“ mittlerweile recht populär geworden ist, bewertet „Compact“.

Dass die großen Totalitarismen des 20. Jahrhundert auf Ästhetisierung setzten, kann man noch heute beobachten. Die ehemaligen Gelände des Reichssportflughafens könnten bald zu neuem Leben erwachen, hofft die „Preußische Allgemeine Zeitung“. Allerdings sollen keine Flugshows mehr stattfinden. Stattdessen sei es dem Land Brandenburg gelungen, einen Kaufinteressenten zu finden. Die Immobilienfirma „Terraplan“ will nun auf dem Areal Wohnungen für 500 Menschen bauen. Die bisherigen Interessenten waren meist vom Denkmalschutz der Anlage abgeschreckt, so die „Preußische Allgemeine“.

„Deutsche Wirtschaftsnachrichten“: Die Hysterie um Nowitschok und das Gift der Theresa May

 „Nachdenkseiten“: Krieg und Völkerrechtsbruch als Normalfall

 „Philosophia Perennis“:  Prof. Baberowski: Menschen, die anderer Meinung sind, werden öffentlich gedemütigt

 „Tichys Einblick“: Beim Brötchen holen auf der Flucht erschossen?

 „Novo“: 200 Jahre Frankenstein

 „Epoch Times“: Hofreiter verlangt „Ende des Zick-Zack-Kurses“ bei Glyphosat

 „Compact Online“: „Aufstand der Schönheit – Patriotinnen vs. Links-Feministinnen“

„Preußische Allgemeine Zeitung“: „Historisches Areal wird erweckt“

Zusammenstellung: Florian Müller


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