13. April 2018

Alternative Nachrichten (Radio) Folge 24Lambsdorff. Genussmittel. Russland. Murmeltier.

Was uns am Abend des 13. April bewegt

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Bildquelle: shutterstock Um unser Publikum trotz allem mit einem guten Gefühl ins Wochenende zu entlassen: Hoffen und arbeiten wir daran, dass langfristig wieder „In vino veritas“ gilt

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Nach Unklarheit aus Washington – Jetzt bläst Lambsdorff zum Krieg

Berlin/Washington. Es ist zur Zeit unmöglich, eine auch nur halbwegs zuverlässige Einschätzung bezüglich der weiteren Entwicklung der Syrienfrage abzugeben. Dazu sind die Positionswechsel, die der US-Präsident in den letzten zwei Wochen vorgenommen hat, einfach zu zahlreich und zu schizophren. Donald Trump, den man bisher auf Basis politischer Maßstäbe als vergleichsweise nüchtern-rational betrachten konnte, legte eine Sprunghaftigkeit an den Tag, wie sie auch Angela Merkel verkörpert. Entweder hat der akute Realitätsverlust, wie er sich bei Politikern nach einer gewissen Zeit im Amt regelmäßig beobachten lässt, sich jetzt auch bei ihm Bahn gebrochen. Oder es handelt sich um ein gut orchestriertes Verwirrspiel zwischen ihm und seinen Beratern, um Gegner und Öffentlichkeit psychologisch zu zermürben. In beiden Fällen hält die Redaktion der „Alternativen Nachrichten“ es für angebracht, darauf hinzuweisen, dass es uns zur Zeit unmöglich ist, abzuschätzen, wohin die Reise gehen wird. Wir gehen jedoch ebenso davon aus, dass das Thema unserem Publikum aktuell mehr als alles andere unter den Nägeln brennt. Soweit der Verbleib bei unseren schusterischen Leisten es erlaubt, wollen wir dem daher gerne nachkommen. „Hoffe das Beste, rüste für das Schlimmste“, besagt ein altes Sprichwort. Das Schlimmste wäre im Fall einer Eskalation, dass die selbsternannten Eliten, die das Desaster zu verantworten haben, erneut unbescholten aus dem Schneider kämen. Deshalb sollte eine nachher hoffentlich überflüssige Dokumentation von Ross und Reiter besser schon vorher beginnen. Merkel hat einer deutschen Beteiligung vorläufig eine Absage erteilt. Darauf ein Chapeau, wobei man sich nüchtern ebensowenig darauf verlassen sollte wie auf die geistige Zurechnungsfähigkeit des US-Präsidenten. Alexander Graf Lambsdorff, seines Zeichens außenpolitischer Sprecher der FDP im Bundestag, kritisierte diese Haltung jetzt als „bedauerlich. Sollten unsere Partner Unterstützung brauchen und eventuell anfordern, dann sollte das zumindest nicht von vorneherein ausgeschlossen sein.“ Nun denn, Herr Graf, zurückrudern gilt nicht mehr. Wahrscheinlich ist ihnen das Schicksal ihres Parteifreundes Westerwelle eine Lehre gewesen. Immerhin ist er nach seiner Enthaltung in der Syrien-Frage so schnell und so tief gestürzt wie kein anderer deutscher Politiker vor ihm. Vielleicht hoffen Sie ja im Gegenzug auf einen ebenso kometenhaften Aufstieg? Was ist denn dagegen auch schon der potentielle Tod einiger weniger Zehnmillionen junger Männer? Hier kommt sogar ein noch besserer Vorschlag für Sie: Melden Sie sich doch einfach selbst freiwillig in den US-Streitkräften. Von Berlin bis nach Rammstein ist es ja nicht ewig weit. Für die Kosten der Ausbildung sollten Sie jedoch mit ein bisschen Anstand selbst aufkommen. Es kann ja nicht angehen, dass nachher der amerikanische Steuerzahler für Ihre Reise- und Abenteuerlust aufkommt. Nehmen Sie sich ein Beispiel an Winston Churchill. Auch er hat seine rein karriereorientierten Kriegseinsätze von 1895 bis 1900 stets selbst organisiert und finanziert. Es ist ja bekannt, wie stark es seine Karriere nachher während rund 60 Jahren befördert hat. Außerdem können die Militärs fähige Leute aktuell wohl gut brauchen, denn die Situation ist immer noch eine andere als 1914. Der Erste Weltkrieg wurde auch deshalb als totaler Völkerkrieg geführt, weil sich nicht unwesentliche Teile verschiedener europäischer Nationen damit identifizierten. Es gibt aktuell jedoch kein böses Blut zwischen den Menschen selbst. Wenn Sie Krieg wollen, dann gehen Sie hin, gerne auch mit dem Maasmännchen, aber bitte auf eigene Kosten.

Alkohol – Weiterer Angriff auf Genussmittel

International. „Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“, damit soll nun Schluss sein. Nach den jahrelangen Drangsalierungen von Rauchern sowie dem jüngsten Vorstoß für Zuckersteuern und dem Verbot knuspriger Pommes gerät nun wohl auch der Alkohol ins Visier der ewigen Miesmacher. Eine neue Studie belegt nämlich jetzt, dass das Genussmittelchen viel schädlicher ist, als bisher angenommen. Wo hat man ähnliche Aussagen bloß schon mal gehört? Wer die Studie wann und unter welchen Finanzierungsvoraussetzungen in Auftrag gegeben hat, ist bisher nicht bekannt. Aus Medienberichten war nur zu erfahren, dass sie von einem internationalen Forscherteam durchgeführt und im Fachblatt „The Lancet“ publiziert wurde. An der Studie haben denselben Berichten zufolge 600.000 Probanden aus 19 wohlhabenden Ländern teilgenommen. In Mengen ab 100 Gramm, also fünfeinhalb Gläser Wein oder 2,5 Liter Bier pro Woche, ist Alkohol demnach schädlich. Diese Quantität verkürzt die durchschnittliche Lebenserwartung um sechs Monate. Ah ja, was wurde noch einmal aus der Lebensreduzierung um sechs bis neun Minuten durch jeweils eine Zigarette? Lebt wohl mit dem Waldsterben auf einer einsamen Insel. Hier ist übrigens auch noch eine schöne Statistik: Direkte Steuern und Abgaben reduzieren wahlweise Freizeit oder verfügbares Einkommen um 50 Prozent. Zusätzliche, indirekte Steuern um 70 bis 80 Prozent. Eine Eskalation in Syrien beendet das Leben auch nicht sechs Monate früher, sondern viel eher in sechs Monaten. Um also abschließend auf den Alkohol zurückzukommen: „Das Beste hoffen, sich auf das Schlimmste vorbereiten“ kann man ruhig ohne schlechtes Gewissen auch genussvoll auslegen. Gerade am Wochenende.

Ökonomischer Gegenschlag – Russland diskutiert Sanktionen gegen USA

Moskau/Washington. Nicht nur die militärische, auch die anhaltende ökonomische Konfrontationsspirale setzt sich fort. Nachdem die USA vergangene Woche Sanktionen gegen russische Unternehmen wegen vermeintlicher Wahleinmischung erließen, diskutiert die Duma jetzt Gegenmaßnahmen. Auf der Tagesordnung des russischen Parlaments standen sowohl neue Handelsbeschränkungen als auch Maßnahmen gegen Personen. Im zur Zeit ruhenden Zollstreit zwischen den USA und der EU hatte Brüssel ja bereits eine Zolliste für Produkte aus Staaten der Trump-Wähler vorgelegt. Ganz so plump geht man dann in Moskau doch nicht vor, aber tatsächlich finden sich auch hier Agrargüter sowie Tabak und Alkohol auf der Liste potentieller Importverbote. Des weiteren wird auch ein Einfuhrstopp für eine Reihe technischer Güter wie Software, Flugzeug- und Raketenzubehör sowie Nukleartechnik diskutiert. Bei den personenbezogenen Sanktionen sollen Rahmenbedingungen amerikanischer Kanzleien sowie die Arbeitsgenehmigungsprozesse für Arbeitnehmer in Russland überprüft werden. Beim letzten Punkt erschließt sich die Relevanz nicht vollständig, da das Ostland nicht gerade für einen Brain-Drain aus Übersee bekannt ist. Wenngleich es bedauerlich ist, wenn die internationale Arbeitsteilung eingeschränkt wird, dürfte Russland die technischen Produkte mittelfristig wohl aus eigener Kraft herstellen können. Falls nicht, dürften sich in den hoch spezialisierten asiatischen Volkswirtschaften schon passende Anbieter finden lassen. Nur, mit dem Alkohol dürfte es mit der Autarkie bekanntermaßen etwas schwieriger werden. Ob Putin sich da mal nicht den Zorn der Oligarchen zuzieht, wenn er ihnen den Zugang zu dem weltbekannten amerikanischen Whiskey verwehrt. Im Gegenzug einfach in die USA auswandern können aufgrund der Sanktionen auch viele nicht mehr. Außerdem befinden sich die nächstliegenden Ersatzmärkte Irland und Schottland ausgerechnet in der EU, die sich Russland gegenüber selbst zum Feind erklärt hat. Schon zu Zeiten Richard Cobdens war Wein ein besonders umstrittenes Produkt in den anglofranzösischen Handelsbeziehungen. Mit einem langen Atem schaffte er es dann doch, einen Freihandelsvertrag aufzusetzen, der die Blütezeit des 19. Jahrhunderts wesentlich bereicherte. Vielleicht gilt mit einem langen libertären Atem ja irgendwann wieder mal: „In vino veritas.“

Murmeltierpreis für von Abschiebungsgefahr und Liebeskummer geplagte Fachkraft

Hamburg. Unser dieswöchiger Murmeltierpreis geht an einen hoch einsatzfähigen Kulturbereicherer aus der Hansestadt. Mourtala M. überzeugte die Jury durch gleich mehrere Aspekte. Einerseits wählte er den Ort, an dem er seine Messerfähigkeiten unter Beweis stellte, mit dem Hamburger Jungfernstieg bereits sehr sorgfältig aus. Hier fanden nämlich in den vergangenen Wochen mehrfach rechtsextreme, muttifeindliche Demonstrationen statt, bis sie von der Antifa unterbunden wurden (wir berichteten). Damit setzte er erst einmal ein Zeichen, dass es sich hier immer noch um das Land der Murmeltiere und nicht das von selbst titulierten sogenannten Einheimischen handelt. Außerdem stellte er seine Fähigkeiten unter Beweis, nach einem belastenden Arbeitseinsatz auch gleich noch einen zweiten zu absolvieren. Bisher ist noch nicht geklärt, in welcher Reihenfolge er sich an seiner Ex-Frau und seiner einjährigen Tochter abarbeitete. Jedoch hat er auf jeden Fall ganze Arbeit geleistet und die Bewerbung danach gleich selbst an die verantwortlichen Stellen gemeldet. Wirklich herzzerreißend wurde seine Geschichte allerdings erst, als er uns den Grund für seinen Eifer mitteilte. Er hatte soeben das Sorgerecht für seine Tochter vor Gericht verloren, womit er seine Aufenthaltserlaubnis verwirkt hätte. Lange Zeit profitierte er vom Kirchenasyl. Durch seine letztes Jahr geborene Tochter bekam er dann eine vorläufige Aufenthaltserlaubnis. Leider konnten wir nicht in Erfahrung bringen, welche der beiden großen Amtskirchen hier gesondert lobend hervorzuheben wäre. Mit nassen Taschentüchern in der einen überreichen wir mit der anderen Hand die aus Bundesbankbeständen gefertigte, goldene Murmeltierstatue. Wir gratulieren außerdem zu der wiedergewonnenen Aufenthaltserlaubnis, die jetzt zusätzlich eine Gratisunterbringung in einem Luxushotel mit schwedischen Gardinen beinhaltet.

Zusammenstellung: Jean Modert


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