12. April 2018

Alternative Presseschau (Radio) Folge 25Moral. Militär. Geschichte.

Abschied vom Europa, wie es war

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Bildquelle: shutterstock Europa auf Abschiedstournee: Wo bleibt der Stier?

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Moral: Organklau im Sinne des Gemeinwohls

Die „Freie Welt“ greift die Stellungnahme des hochrangigen Bischofs Marcelo Sánchez Sorondo auf, der von einer „erfolgreichen Reform des chinesischen Organspende-Systems“ sprach. Angeblich verzichte China mittlerweile auf die Praktik, bei zum Tode Verurteilten die funktionierenden Organe zu entnehmen. Kritiker gehen davon aus, dass es sich dabei um eine bewusste Falschmeldung der chinesischen Regierung handle. Die umstrittene Praktik soll noch weiter fortgeführt werden. China sei das beste Beispiel für die katholische Soziallehre, so der umstrittene Sorondo, da dem „Gemeinwohl andere Interessen unterworfen werden“, schließt die „Freie Welt“.

Die „Junge Freiheit“ berichtet über die Erklärung 2018 von Vera Lengsfeld. Im Format „Junge Freiheit TV“ traf man die Initiatorin und Ex-DDR-Bürgerrechtlerin, die unter anderem forderte: „Die Politik müsse endlich wieder lernen, dass sie unter dem Gesetz steht und entsprechend zu handeln hat.“ Nachdem zahlreiche Intellektuelle die Erklärung unterzeichneten, schlossen sich mittlerweile fast 120.000 Bürger an. Die Erklärung richtet sich gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung. Lengsfeld im Wortlaut: „Der Druck wird nicht aufhören. Wir werden weitermachen, bis endlich wieder rechtsstaatliche Verhältnisse einkehren.“

Die „Jungle World“ beschwert sich über das Verhalten des Berliner Regierenden Bürgermeisters Michael Müller und der SPD. Die Forderung nach einem „solidarischen Grundeinkommen“ vor einigen Wochen habe das Gefühl losgetreten, in der SPD würde sich etwas bewegen. In Deutschland leben zur Zeit sechs Millionen Deutsche von Hartz IV, zehnmal so viele leben angeblich in der Angst, in Hartz IV zu fallen, so die „Jungle World“. Eine Reform der Reform sei in der SPD nicht einfach. Michael Müller hatte gefordert, dass Langzeitarbeitslose rund 1.200 Euro Grundeinkommen erhalten sollen, wenn sie sich bereit erklären, gemeinnützige Arbeiten zu erledigen. Müllers Vorschlag sei allerdings perfide, so die „Jungle World“, weil er beispielsweise „nicht verhindere, dass Menschen die Leistungen erhalten, bevor sie ihr komplettes Vermögen aufgezehrt haben“.

Auf der „Achse des Guten“ schreibt Markus Vahlefeld, dass die Deutschen durchaus Humor besitzen, beispielsweise bei den aktuellen Reformen der Bundeswehr, wie der Bestellung von 25 Millionen „Öko-Schuss“ oder der neuen Schwangeren-Mode. „Seit für die Deutschen nicht mehr der Krieg, sondern die gute Moral die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, haben sie auf dem Weg zur Vervollkommnung ein gutes Stück Strecke zurückgelegt“, so Vahlefeld auf der „Achse“.

Militär: Europäisches Drängen

Auf den „Nachdenkseiten“ verweist Albrecht Müller auf den Beitrag Norman Paechs über die „Militarisierung der EU“. Die Europäische Union werde als Wirtschafts- und politische Union wahrgenommen, nicht aber als „Verteidigungsunion“, wie sie Ministerin Ursula von der Leyen jüngst nannte, gibt Paech zu bedenken. Mittlerweile sei eine Militarisierung allerdings immer weiter vorangeschritten – allerdings noch nicht im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen. Die EU plane, eine eigenständige militärische Kraft zu werden, die unter Umständen unabhängig von der USA und der Nato operieren könnte, so Paech auf den „Nachdenkseiten“.

Das „Contra-Magazin“ berichtet über die chinesische Reaktion auf den angeblichen Giftgasangriff in Syrien. Die chinesische Regierung stellt sich zwar gegen den Einsatz von Giftgas, fordere aber eine „faire und objektive Untersuchung“ des Vorfalls. Die betroffenen Seiten sollten keine voreiligen Schlüsse ziehen, so der Sprecher des chinesischen Außenministeriums. Für das „Contra-Magazin“ sind die Fronten damit geklärt, die Chinesen stellen sich auf eine Linie mit Russland und Syrien. In Washington und der EU scheint man allerdings auf böswillige Unterstellungen zu setzen.

Geschichte: Abschiedstournee

Polen soll seine Sowjetdenkmäler abbauen. Während in Deutschland bald neue Karl-Marx-Statuen die Plätze zieren (eigentümlich frei berichtete), müssen sich die polnischen Städte und Gemeinden von ihrer kommunistischen Vergangenheit verabschieden. Die „Preußische Allgemeine Zeitung“ berichtet, dass bis Ende März alle Denkmäler abgerissen werden sollen, nur wenige Gemeinden in Polen haben sich entschieden, für den Erhalt von Sowjetdenkmälern zu kämpfen. Nach der Wende habe Polen mit Russland vertraglich vereinbart, Gedenkorte und letzte Ruhestätten zu erhalten sowie für Erhalt und Pflege zu sorgen. Auf Kritik stößt das Vorgehen, hinter dem die nationalkonservative PiS stehe, vor allem bei Russland, das Polen unter anderem Geschichtsfälschung vorwerfe, so die „PAZ“.

Für Dushan Wegner, Autor auf der „Achse des Guten“, sind wir bereits Geschichte. Er titelt: „Nehmt Abschied vom alten Europa“. Abschied sei der bewusste Übergang vom Teil-Sein zum Nicht-mehr-Teil-Sein – und zwar in beide Richtungen, so Wegner, wir müssten nicht mehr fragen, wohin oder warum uns unsere Eliten steuern, wir sähen die Veränderungen. Gleichzeitig habe der Westen die „schärfende Brille der Aufklärung“ verloren. Selbst wenn der Westen es schaffen sollte, einen Weg zu finden, den Wahnsinn zu bekämpfen, es werde doch ein neuer Westen sein. Vom Europa, wie es war, müssten wir Abschied nehmen, schließt Wegner.

Auf „Philosophia Perennis“ blickt Gastautor Marcus Franz auf die europäische Tradition eines Kulturimperialismus. Wir seien mittlerweile zu feige geworden, die europäischen Werte in die Welt hinauszutragen. Selbst in der Kirche sei die Mission bereits fragwürdig geworden, so Franz. „Der politisch gelähmte Riese darf nur salbungsvolle Rhetoriken benützen, aber niemals mehr aktiv werden“, schließt Franz. Das Überleben Europas sei davon abhängig, dass Europa den notwendigen Kulturimperialismus, der uns aberzogen worden sei, nach innen anwendet.

„Freie Welt“: „Vatikanbischof: Chinas Transplantationsmarkt sei ethisch vertretbar“

„Junge Freiheit“: „Erklärung 2018: ‚Der Druck wird nicht aufhören‘“

„Jungle World“: „Die Mogelpackung“

„Achse des Guten“: „Der rosarote Pflegepanzer“

„Nachdenkseiten“: „Norman Paech: Die Militarisierung der EU“

„Contra-Magazin“: „Syrien: China fordert politische Lösung“

„Preußische Allgemeine Zeitung“: „Die Frist ist abgelaufen“

„Achse des Guten“: „Nehmt Abschied vom alten Europa“

„Philosophia Perennis“: „Sind wir zu feige zum Kulturimperialismus?“

Zusammenstellung: Florian Müller


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