03. April 2018

Alternative Presseschau (Radio) Folge 18Russland. Sozialismus. Zeitgeschichte. Lettergate.

Neue Erkenntnisse zu Putins Hintergründen

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Bildquelle: shutterstock Borschtsch in Moskau: Wladimir Putins Großvater war der persönliche Koch Stalins (Symbolbild)

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Russland: Alte Anschuldigungen, neues Wissen

Das Nachrichtenmagazin „Zuerst!“ betont, dass es noch immer keine Beweise im Fall Skripal gebe. Das russische Außenministerium habe London nun einen Fragenkatalog vorgelegt. Russland will unter anderem wissen, warum noch immer keine russischen Vertreter Zugang zu dem verletzten Skripal und seiner Tochter bekommen und woher die Sicherheit komme, dass es sich bei dem festgestellten Giftstoff tatsächlich um das Nervengift „Nowitschok“ handle. Russland erscheine es auch seltsam, dass am Unfallort das Gegengift bereits zur Hand war, betont „Zuerst!“.

Wer sich über den russischen Präsidenten ausgewogen und neutral informieren will, dem bleibt nur der Weg ins Internet. Das „Contra-Magazin“ stellt fünf Dokumentationen über den wohl faszinierendsten Staatschef des 21. Jahrhunderts vor. Putin werde von Eliten gehasst, „schaffe aber weltweit enorme Sympathien“, so Marco Maier im „Contra-Magazin“.

Eine neue Erkenntnis über den russischen Präsidenten kommt von Putin selbst. Der hatte in einer neuen Dokumentation bekanntgegeben, dass sein Großvater Lenins und Stalins persönlicher Koch war, so berichtet „RT Deutsch“. Putin wundert sich zudem, dass sein Großvater Spiridon Putin keiner Säuberungsaktion zum Opfer gefallen war wie ein Großteil der Vertrauten Stalins. Sein anderer Großvater kämpfte an der Ostfront gegen die Österreicher und half angeblich einem sterbenden Soldaten, so Putin in der Dokumentation.

Sozialismus: Ideologisches Wieselwort

Auf „Jouwatch“ schreibt Hans Mundi einen Essay über die Konstante des Sozialismus: die Umformung der Kinder. Der Autor zieht eine Linie von Marx‘ Vorstellungen aus dem Jahr 1859 bis zur modernen Unterrichtsform, in der Kinder zum „Schleimen, Petzen und Mobben“ motiviert werden. Der „vereinnahmte Bildungssektor“ habe allerdings nichts mit „links“ zu tun, die Parteiunterteilung diene lediglich den Herrschenden, die damit die Bevölkerung teilen. Zudem würden nach und nach die musischen Fächer abgeschafft, das Leistungsprinzip werde zerstört und die Kinder nachhaltig geschädigt, so Mundi auf „Jouwatch“.

Dass man den Sozialismus auch anders interpretieren kann, zeigt die genossenschaftliche „Junge Welt“. Die Zeitung interviewt die Bundesvorsitzende der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) über die ideologische Lösung zu den Problemen der Zeit. Für Lena Kreymann sind falsche Geldverteilungen das Problem, statt in Rüstung solle man in Schulen investieren. Dafür brauche man schließlich einen Sozialismus. Dass diese Überlegung absolut genial ist, erkennt man an historischen Beispielen. Während der Westen im Kalten Krieg immer mehr in Rüstung investierte, wurden aus Russland und China Vorzeigeländer in Sachen Bildung. Allein in China gab es in den 50er Jahren kaum Schulabbrecher – das lag allerdings an den fehlenden Schulen und der Kindersterblichkeit durch Verhungern.

In der SPD bemüht man sich, in sozialistische Fußstapfen zu treten. Welche Parteivorsitzende sich aber die Stiefel anzieht, steht noch in den Sternen, schätzt „Tichys Einblick“ die Lage ein. Andrea Nahles, die aktuelle Interimschefin, sitze gar nicht so fest im Sattel. Am 22. April könnte Nahles im Amt bestätigt werden, Gegenkandidatin ist Simone Lange, die die Partei wieder sozialdemokratisch ausrichten könnte. Um Lange allerdings aus dem Amt zu halten, führe die Parteispitze gerade eine „Pseudo-Hartz-IV-Reform-Diskussion“, die der Gegenkandidatin den Wind aus den Segeln nehmen soll. Die sei nämlich eine „Idealistin aus dem Norden“, eruiert „Tichys Einblick“.

Zeitgeschichte: 68 und 88

Heute wäre Helmut Kohl 88 Jahre alt geworden. Sabine Beppler-Spahl zeichnet auf „Novo“ ein Bild des ehemaligen Bundeskanzlers, der den Weg zum modernen Berufspolitiker geebnet habe. Auch habe sich seine „geistig-moralische Wende schnell als inhaltsleer“ erwiesen, Kohl sei allerdings kein Konservativer gewesen, sondern ein pragmatischer Machtpolitiker, der sein Kabinett auch für Frauen öffnete und „zahlreiche grüne Forderungen aufgriff“. Sein Zögling Angela Merkel, die zu Kohls Sturz beitrug, könnte seine Amtszeit sogar noch übertreffen, schließt die Autorin, „das demokratische Versprechen von 1989“ sei allerdings immer noch nicht eingelöst.

Die Linke erinnert an Rudi Dutschke, der vor 50 Jahren bei einem Attentat schwer verletzt wurde. Die „Jungle World“ beschreibt es  als Anschlag eines verwirrten Rechtsextremen und Dutschkes Gedankenwelt als Teil der Außerparlamentarischen Opposition. Zum anderen glaubte Dutschke, dass die Linke die „nationale Frage“ vernachlässige, der Dutschke großen Wert zuordnete. Dutschkes Witwe Gretchen stellte in diesem Jahr ein neues Buch vor, das Antwort auf die Frage nach der Wirkung der Achtundsechziger gibt, so Alexander Nabert in der „Jungle World“.

Lettergate: Teilveröffentlichung abgesprochen

Die katholische Kirche hat ein eigenes kleines „Gate“. Mittlerweile sprechen immer mehr Stimmen von einem „Lettergate“. Nach dem Skandal über den manipulativ teilveröffentlichten Brief Benedikts XVI. an Papst Franziskus ist die Debatte noch nicht ausgestanden. Die Ausschnitte des Briefes, die Franziskus in einem positiven Licht darstellen, seien mit dem emeritierten Papst abgesprochen gewesen, so behauptet Bernd Hagenkord, ein sogenannter „Insider“ im Vatikan. Kath.net berichtet, dass Hagenkord die Behauptung in einer Kommentarspalte wieder schleunigst löschte, Kritiker sprechen von einer Manipulation durch ihn.

„Zuerst!“: „Bislang keine Beweise: Russisches Außenministerium legt London Fragenkatalog zum Fall Skripal vor“

„Contra-Magazin“: „Die fünf besten Putin-Dokumentationen“

„RT Deutsch“: „Putin enthüllt, dass sein Großvater Lenins und Stalins persönlicher Koch war“

„Jouwatch“: „‚Merkels Realsozialismus: ‚Heute werden Kinder zum Schleimen, Petzen und Mobben motiviert‘ (FAZ)“

„Junge Welt“: „‚Es braucht ein anderes System, den Sozialismus‘“

„Tichys Einblick“: „SPD-Spitze zieht eine Grundeinkommens-Show ab, um Nahles eine Blamage zu ersparen“

„Novo“: „Kohls Vermächtnis“

„Jungle World“: „Dutschke und das Attentat“

Kath.net: „Brief mit Benedikt XVI. abgesprochen – Manipulation durch Hagenkord?“

Zusammenstellung: Florian Müller


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