13. März 2018

Alternative Nachrichten (Radio) Folge 9Russland. Jens Spahn. Syrienreise. Murmeltier.

Was uns am Abend des 13. März bewegt

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Für Frauen weitaus sicherer als Berlin-Neukölln: Syrische Hauptstadt Damaskus

Audio

Download

Britisches Imperium stellt eurasischem Zwergstaat dringendes Ultimatum – Deutsche Journaille poliert derweil die Instrumente

London/Moskau. In der britischen Stadt Salisbury wurde vor gut einer Woche ein versuchter Mordanschlag auf einen ehemaligen russischen Geheimdienstmitarbeiter verübt. Er und seine Tochter liegen zur Zeit im Koma. Da das Attentat mit einem ursprünglich in der Sowjetunion entwickelten Giftgas ausgeführt wurde, geriet die russische Regierung schnell in den Verdacht britischer Behörden. Auch die britische Premierministerin Theresa May beschuldigte bei einem parlamentarischen Auftritt nach gerade mal einer Woche Ermittlungen den seit 2014 wieder hinter allem stehenden Russen der alleinigen Verantwortlichkeit. Die Premierministerin ihrer Majestät der Königin stellte der Regierung des Zaren ein Ultimatum, sich bis heute abend zu den Vorwürfen zu äußern. Mit den am Sonntag stattfindenden Präsidentschaftswahlen in Russland hat all das selbstverständlich nichts zu tun. Es geht allein um die Aufklärung, die der Iwan ohne Zugang zum Tatort aus 3.000 Kilometern Entfernung gefälligst heute abend auf dem Schreibtisch von May abzuliefern hat. Der Umstand, dass die britische Regierung den zaristischen Behörden keinen Zugang zu den Giftgasproben gewähren kann, sollte ja nicht als faule Ausrede für Arbeitsversäumnisse missbraucht werden. Unter dem Schutzschirm der britischen Nuklearmacht lugt deshalb auch bereits die einig deutsche Journaille immer wieder kurz hinter dem Rücken der britischen Premierministerin hervor und winkt dem Putin mit den Instrumenten. Der hochgehandelte Favorit auf den WM-Titel Großbritannien könnte doch im Sommer der Fußball-Großveranstaltung fernbleiben. Oder man könnte ganz offen Cyberangriffe auf russische Regierungsseiten vornehmen. So schlimm kann es also um die Sicherheit deutscher Journalisten in Moskau nicht stehen, wenn man dort sogar zum Krieg gegen das eigene Gastland aufrufen darf.

Auf die Reaktionen, wenn ein „Russia Today“-Korrespondent einmal das Gegenexperiment starten sollte, darf man gespannt sein. Von den Gegenhypothesen zu der Behauptung, dass die russische Regierung ausgerechnet auf englischem Boden einen Mordanschlag mit einem international bekannten Giftstoff aus eigener Produktion begangen haben soll, lässt man übrigens nichts verlauten. Etwa darüber, ob Teile des Kampfstoffes nicht spätestens in der chaotischen Umbruchzeit der 90er Jahre verlorengegangen sein könnten oder mittlerweile nachgebaut wurden. Des weiteren wird nicht gefragt, ob der Täter, woher auch immer er stammte, eventuell Interesse hatte, eine falsche Fährte zu legen. Es ist beispielsweise kein ungewöhnlicher Vorgang, dass schlecht bezahlte, aber gut ausgebildete osteuropäische Ex-Agenten irgendwann den Weg in das nicht von der Regierung organisierte Verbrechen fanden. Auch im vorliegenden Fall wäre ein hypothetischer Zusammenhang in diese Richtung durchaus möglich. Aber warum liest man abseits der ebenso satirischen wie investigativen eigentümlich frei-Nachrichten nichts davon? Ach so, weil berechtigte Kritik nur noch als Satire geäußert werden darf.

Jens Spahn auf den Spuren von Guido Westerwelle

Deutschland. Die Schlagzeilen um die Äußerungen des designierten Gesundheitsministers Jens Spahn, dass man von Hartz IV gut leben kann, wollen nicht abreißen. Wer sich in Deutschland einer solch anhaltenden Berichterstattung und eines solchen Geplärres vom politischen Gegner wie vom vermeintlichen Koalitionspartner erfreuen darf, hat in der Regel etwas richtig gemacht. Schlechte Werbung ist besser als gar keine Werbung, und Leistung soll ja auch belohnt werden. Im Zusammenhang mit dem Ausschluss von Ausländern bei der Essener Tafel (wir berichteten) hatte Spahn geäußert, dass es die Tafeln gar nicht bräuchte, da die Grundsicherung durch Hartz IV für alle Menschen gewährleistet sei. Damit hat er wahrscheinlich den größten sozialpolitischen Skandal in der Bundesrepublik ausgelöst, seit der mittlerweile verstorbene Guido Westerwelle 2009 verlauten ließ, systematische Fehlanreize würden die Bürger zu spätrömischer Dekadenz einladen. Die Wiederholung zu den libertären Einschätzungen zu solchen Analysen sparen wir uns an dieser Stelle, da sie unseren mündigen Lesern mehr als ausreichend bekannt sein dürften. An Jens Spahns Äußerungen gäbe es tatsächlich viel zu kritisieren. Beispielsweise hat noch nicht ein einziger der hyperventilierenden Gutmenschen die Frage aufgeworfen, wann Spahn zuletzt selbst einen Euro in der freien Wirtschaft verdient hat. Die könnte sich dann wohl doch leicht als Bumerang erweisen. Ebenso hat niemand thematisiert, warum die Menschen erst jahrelang zwangsenteignet werden, um sie dann in der Not wie Junkies in künstliche Abhängigkeiten zu drängen. Grüne Gutmenschen sind sich nicht zu schade, korrekterweise davor zu warnen, Vögel nur unter sehr harten Winterbedingungen zu füttern, weil sie sonst ihrer natürlichen Nahrungsbeschaffungsinstinkte durch Fehlanreize entwöhnt werden. Nur wenn die gleichen Mechanismen auf ungleich perversere Art bei Menschen zum Tragen kommen, werden ihre Forderungen plötzlich ins Gegenteil verkehrt. Eins hat die künstliche Empörung von Guido Westerwelle bis Jens Spahn wohl auf jeden Fall deutlich gemacht. Bei allen laufenden Enteignungsprogrammen sind in Deutschland nicht ausgerechnet die Hartz-IV-Empfänger im Sinne echter Armut unterversorgt. Dieser Befund funktioniert ausnahmsweise unabhängig davon, ob sie vormals selbst durch Einzahlungen in die Asozialentöpfe und viele andere Programme über Jahre geschröpft wurden oder zu den Neuzudazugekommenen zu zählen sind.

Nach Rückkehr – Bernd Baumann verteidigt Syrienreise seiner Kollegen

Berlin/Damaskus. Letzte Woche absolvierte eine AfD-Delegation auf „private“ Kosten, das heißt aus dem laufenden Gehalt des Steuerzahlers bestritten, eine politische Informationsreise nach Syrien. Die Claqueure der DDR-Kanzlerin reagierten ähnlich empört wie seinerseits die Funktionäre in Merkels alter Heimat auf Republikflucht (wir berichteten). Offensichtlich muss es im Reich des Bösen also tatsächlich einiges zu entdecken gegeben haben, wovon die heimischen Medienkonsumenten nichts erfahren sollten. Am Ende könnte der Bericht sogar zu einer Fehlfunktion bei den chronischen Abnickmännchen im Bundestag führen. Selbst Kinder wissen ja, wie ärgerlich es ist, den sauer gesparten Pfennig in den Krippenautomaten zu werfen und dann ziert das schwarze Männchen sich beim Kopfnicken. Nur weil in der Politik Steuermünzen eingeworfen werden, wäre es doch noch lange nicht weniger bedauerlich. Bernd Baumann, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, verteidigte hingegen die Reise seiner Kollegen. Das Unternehmen sei abgesprochen gewesen, und die Führungsmitglieder seien über die gewonnenen Erkenntnisse informiert worden. Was haben die Heimkehrer von ihrer orientalischen Abenteuerreise zu berichten, von dem wir alle nichts wissen sollen?

Die Abgeordneten kamen zu dem harmlosen Fazit, dass die Sicherheit in Syrien weitaus höher sei als in Afghanistan, wo sie immerhin von der hochgerüsteten und exzellent ausgebildeten Bundeswehr garantiert wird. Und wohin deswegen auch selbstverständlich abgeschoben wird. Auf die mit Heißluft vollgeplusterten parlamentarischen Aufziehfiguren erwiderte Baumann, dass Deutschland ja auch ständig Verhandlungen mit der totalitären Diktatur Saudi-Arabiens führe. Diese Aussage ist zwar faktisch korrekt, aber anscheinend liegt bei Baumann ein Fall intellektueller Verdrängung vor. Dass die den vermeintlichen Bösewichten in aller Welt von Orbán bis Assad unterstellten Schandtaten längst in vielerlei Hinsicht von der eigenen Bundesregierung exemplarisch umgesetzt werden (wir berichteten), will er sich offensichtlich nicht eingestehen. Die Projizierung dieser Konfliktvermeidung auf die Öldiktatur ist zwar verständlich, aber wenig hilfreich. Immerhin hatte die Reisegruppe selbst aus Syrien verlautbaren lassen, dass sich unverschleierte Frauen in Damaskus weitaus sicherer bewegen könnten als in Berlin-Neukölln. Somit wurde die Wahrheit also zumindest ansatzweise wieder vom Kopf auf die Füße gestellt.

Murmeltierpreis wird diese Woche schon am Dienstag vergeben

Großbritannien. Die gute Nachricht zum Schluss muss aufgrund eines aktuellen Lieferengpasses heute leider ausfallen. Die Hersteller kämpfen aktuell mit der Umsetzung neuer, besonders komplizierter politischer Vorgaben. Sie hoffen, dass das Problem bis morgen abend behoben sein wird. Glücklicherweise hat die Redaktion diese Woche bereits besonders aussagekräftige Bewerbungen auf den täglichen Murmeltierpreis der Woche für außergewöhnlich tüchtige Einzelfallfachkräfte und ihre Integrationsunterstützer erhalten. Ein Beitrag aus Großbritannien, wo die Ärzte und Ingenieure immerhin noch vor einreisenden Rechtsterroristen aus Österreich geschützt werden (hätten die Deutschen das mal vor 70 Jahren bloß auch so gehandhabt), hat uns besonders überzeugt. Die jetzt ausgezeichneten Bewerber aus Telford stachen schon in den 1990er Jahren mit der Entführung von mittlerweile 1.000 jungen Mädchen hervor. Die Opfer, von denen die jüngsten elf Jahre alt waren, wurden geschlagen, unter Drogen gesetzt und zur Prostitution gezwungen. Die Kooperation der „asiatischen“ Täter mit den lokalen Behörden funktionierte einwandfrei. Leider scheinen sich große deutsche Medien, aus was für einem Grund auch immer, überhaupt nicht für dieses Vorzeigeprojekt gelungener Integration zu interessieren. Das können wir so nicht im Raum stehen lassen, deshalb geht der tägliche Murmeltierpreis diese Woche verdient nach Großbritannien. Wir weisen weitere enttäuschte Fachkräfte darauf hin, dass die Ausschreibung somit erst nächste Woche wieder stattfindet. Weitere Einzelfälle, auch große Terroranschläge, können also bis einschließlich Sonntag nicht berücksichtigt werden. Da wir selbst keine systematischen Fehlanreize setzen wollen, bedanken wir uns abschließend für ihre Solidarität mit ihren britischen Brüdern.

Zusammenstellung: Jean Modert


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Alternative Nachrichten

Mehr von Nachrichtenredaktion ef

Autor

Nachrichtenredaktion ef

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige