07. März 2018

Alternative Nachrichten (Radio) Folge 5Weltfrauentag. Freispruch. Auslandseinsatz. Dieselskandal.

Was uns am Abend des 7. März bewegt

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Bagdad, Hauptstadt des Irak: Bekämpft die Bundeswehr hier bald den überwiegend in Deutschland stationierten IS?

Audio

Download

Kommunistischer Weltfrauentag – Gewerkschaften wollen Spanien lahmlegen

Spanien. Zum morgigen kommunistisch begründeten Weltfrauentag rufen die spanischen Gewerkschaften zum weiblichen Generalstreik auf, um den Alltag unmöglich zu machen. Passend, dass der Feiertag doch schon durch die Russische Revolution begründet wird. Am 8. März 1917 demonstrierten in St. Petersburg zum ersten Mal massiv Frauen aus allen sozialen Schichten gegen den völlig unnötigen Ersten Weltkrieg, der das Land seit Jahren ausblutete. Die Männer wurden (wie in anderen Ländern auch) an der Front aufgerieben, während zu Hause bei Frauen und Kindern immer mehr der Hungertod um sich griff. Die Anliegen waren berechtigt, und das Zarenregime hatte bereits in der Vergangenheit Demonstrationen blutig niedergeschlagen. Sie waren also tatsächlich auch sehr mutig. Auch wenn die Proteste einen wichtigen Katalysator der nach dem russischen Kalender benannten „Februarrevolution“ darstellen, wäre es natürlich töricht, die Machtergreifung der Kommunisten auf die Frauen zu schieben. Die Wahl dieses Datums als kollektives Identitätsmerkmal sagt viel mehr über die geistige Beschaffenheit der heutigen Fahnenträgerinnen am Weltfrauentag aus. Davon zeugen dann schließlich auch die Initiatorinnen der iberischen Wohlfühlrevolution mit ihrem Aufruf zur „Rebellion gegen die Allianz aus Patriarchat und Kapital“. Immerhin existiert ja in Spanien erst seit 2006 eine qualifikationsunabhängige Frauenquote für Großunternehmen. Auch an den Fleischtöpfen der Macht beträgt die geschlechtsspezifische Aufteilung erst ziemlich genau 50 zu 50 Prozent. Für welchen Umstand die Kapitalbesitzer und für welchen was für ein Phantom auch immer hinter dem Begriff „Patriarchat“ verantwortlich sein soll, sei mal dahingestellt. Um der Ironie die Krone aufzusetzen, zeigt ein Plakat zum Aufruf dann auch sogleich eine klischeebeladene Hausfrau aus den 1950er Jahren, die siegessicher die Faust hochreckt. Sie steht jedoch nicht alleine da, sondern Rücken an Rücken mit einer orientalischen Kopftuchträgerin, mit der gleichen siegessicheren Pose. Wie schön, dass in der heutigen Zeit aber auch wirklich jede psychische Mimose doch ihr Projektionsfeld findet. Auf die Idee eines gemeinsamen Nettosteuerzahlerstreiks scheint übrigens noch niemand gekommen zu sein. Die Realisierung gemeinsamer Projekte könnte die Paare ja auch vielleicht zu eng aneinanderschweißen. Wen gäbe es in einer Gesellschaft mit funktionierenden zwischenmenschlichen Beziehungen denn überhaupt noch staatlich zu gängeln und welche missverstandenen Minderheiten zu vertreten?

IS-Terrorist darf sich trotz mehrfachen Mordes auf baldige Freilassung freuen

Bremen. Erst letzte Woche durften sich zwei Berliner Todesraser über einen Freispruch vor dem Bundesgerichtshof freuen. Ihr Prozess muss jetzt ohne den Vorwurf des Mordes mühsam neu verhandelt werden (wir berichteten). Ist der Ruf jedoch erst einmal ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert. Von diesem lebensfrohen Motto machte die deutsche Justiz gestern erneut Gebrauch. In Bremen war ein deutscher IS-Rückkehrer wegen Aussagen gegen Mitterroristen mit einer dreijährigen Haftstrafe für seine in Syrien begangenen Kriegsverbrechen davongekommen. Nach Prozessende tauchte schließlich ein Video auf, das belegte, dass er entgegen früheren Aussagen für die Exekution von mindestens sechs Gefangenen verantwortlich war. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage, aber das Oberlandesgericht lehnte eine Verurteilung aufgrund des Verbots von „Doppelbestrafung“ ab. Dieser Argumentation folgte jetzt auch der Bundesgerichtshof und lehnte die Beschwerde der Staatsanwaltschaft als „unbegründet“ ab. Wir von eigentümlich frei lassen diese Meldung ausnahmsweise unkommentiert stehen, da sie im Zusammenspiel mit der nächsten Nachricht alles an absurder Realsatire übertrifft, was wir uns mit unserem weichgespülten rosapinken Humor jemals ausdenken könnten.

Afghanistan, Irak, Mali – Am deutschen Wesen soll die Welt genesen

Berlin. Über die Topausstattung der Bundeswehr haben wir in den letzten Wochen ja bereits ausführlich berichtet. Ebenso, dass die Herausforderungen für Uschis stramme Burschen nicht weniger werden. Neben dem Russlandfeldzug darf sich die Bundeswehr jetzt auch noch auf den vertieften Kampf gegen den Islamischen Staat freuen. Jedoch nicht in heimischen Gefilden, wo der Einsatz außer im Fall von Steueraufständen glücklicherweise immer noch umstritten ist. Nein, was dem Russen recht ist, darf dem Deutschen nur billig sein. Ist ja eh klar, wer zahlt. Entsprechend billigte das Kabinett heute den von der Verteidigungsministerin vorgeschlagenen Einsatz der Bundeswehr im Irak. Der IS ist zwar sowohl im Irak als auch in Syrien bis auf wenige Widerstandsnester in weitestgehend unwirtschaftlichen Gebieten längst geschlagen. Im postfaktischen Zeitalter sind solcherlei Nörgeleien ewiger Neinsager aber zum Glück von sekundärer Relevanz. Damit auch endlich die ewigen Fake News politischer Ineffizienz widerlegt werden, holte man im Kabinett gleich zum militärischen Rundumschlag aus. Neben dem neuen Irakmandat wurden nun auch eine Verlängerung der Einsätze in Afghanistan und Mali sowie verschiedene Tank- und Aufklärungsmissionen beschlossen. Die Truppen für die zuletzt genannten Missionen sind derzeit in der Türkei und Jordanien stationiert. Sie kommen im Nahen Osten supranational in der Luft zum Einsatz. Der Einsatz in Afghanistan war ursprünglich auf die Ergreifung des Topterroristen Osama bin Laden ausgerichtet. Dieser wurde 2011 im Nachbarland Pakistan getötet. Zu Mali behaupteten böse Zungen in den alternativen Medien vor Jahren, dass die Franzosen dort das Bundesbankgold schürften. Die Deutschen seien im wesentlichen als Wachdienst auf den Minengeländen zum Einsatz gekommen. Sei es, wie es sei, wer würde den Soldaten denn bei der aktuellen Wetterlage schon einen sonnigen Afrika- oder Nahosturlaub missgönnen wollen? Wozu verfügt man denn sonst über all die mühsam konstruierten Feindbilder, wenn sich die realen Probleme doch freundlicherweise längst zur eigenen Haustür begeben haben?

Fiat Dieselskandal?

München. Die gute Nachricht zum Schluss? Das hängt heute von ihren praktischen Konsequenzen ab. Gestern berichteten wir, wie Politiker unter dem Stichwort „Fiat“ die Realität mittels getürkter Statistiken an ihre Wunschvorstellungen anpassen. Ein solcher außermedialer Fiat-Skandal zeichnet sich nun auch rund um das Gespenst der Stickoxide ab. In München wurden die Messstationen für Stickoxide, die in den vergangenen Monaten einen bürokratisch-psychologischen Krieg gegen Dieselfahrer auslösten, entgegen den Vorschriften direkt an verkehrsreichen Kreuzungen stationiert. Durch die Staus, besonders zu Zeiten des Berufsverkehrs, wurden somit Spitzenwerte gemessen, die dann als Durchschnitt verkündet wurden. Des weiteren wurden die EU-Vorschriften zur Messung von Stickoxiden in Deutschland durch mehrere Sonderregeln ohne Not weiter verschärft. Ebenso dürfen lokale Behörden nur in Deutschland weitere Änderungen am Reglement vornehmen. Somit kann also auch noch jeder kleine Lokalpolitiker dem Papierkrieg seinen Stempel ökologischer Gerechtigkeit aufdrücken. Der „Münchner Merkur“ brachte außerdem den Vergleich mit dem traditionell rot-grünen Wien, wo zu Stadtautobahnen immerhin ein Messabstand von 100 Metern eingehalten wird. Werden die chauffierten Dienstwagenfahrer deswegen von ihren in die Ecke gedrängten Beutetieren ablassen? Wohl kaum. Das Wort „nein“ ist politischen Steuer- und Vorschriftengeiern in der Regel ähnlich geläufig wie den von ihnen hofierten arabischen Sexfachkräften. Ein Gewinner des Fiat-Dieselskandals, nicht des echten, sondern des propagierten, steht aber wohl fest. Der Sponsor der Lobbyorganisation Deutsche Umwelthilfe, Toyota, ließ heute verkünden, die Produktion von Dieselfahrzeugen langfristig komplett einzustellen.

Zusammenstellung: Jean Modert


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

Dossier: Alternative Nachrichten

Mehr von Nachrichtenredaktion ef

Autor

Nachrichtenredaktion ef

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige