07. März 2018

Alternative Presseschau (Radio)Krieg. Transit. Medien.

Berlin-Mitte macht Schluss mit „sexistischer“ Werbung

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Bildquelle: shutterstock Keine Körperbetonung und Einreiseerfahrung: Berlin-Mitte setzt auf neues Werbekonzept

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In Syrien herrscht noch immer machtpolitisches Chaos – in Afghanistan könnte wieder welches entstehen. Flüchtlinge gehen in Europa rein und werden rausgegangen. In den Medien gibt es konservative Verschiebungen.

Krieg: Ein Lichtblick in Korea?

Ursula von der Leyen will mehr Truppen nach Afghanistan schicken. Eine gefühlte Nanosekunde nach der Zustimmung der SPD-Basis zur Großen Koalition kündigte die Verteidigungsministerin an, eine Aufstockung der Truppen zu planen, so die „Freie Welt“. Nach Zustimmung des Bundestages sollen sich 1.300 Soldaten in Afghanistan aufhalten und für die Sicherheit des Landes sorgen. Bisher seien allerdings 56 Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen, so betont die „Freie Welt“. Zudem gebe es keinen Grund zur Hoffnung. Nach Angaben der BBC, so die „Freie Welt“, seien derzeit in 70 Prozent des Staatsgebietes die Taliban aktiv.

Auch in Syrien wird weiterhin gekämpft. Auf „Zuerst!“ schätzt Manuel Ochsenreiter die Lage in einem ausführlichen Interview ein. Von einer Eskalation des Syrienkonflikts könne man nicht sprechen, vielmehr habe sich die Lage eigentlich beruhigt. Probleme machen aber die destruktive Rolle der Türkei, die USA und die kurdischen Kämpfer im Norden des Landes. Für die beiden Großmächte, die Vereinigten Staaten und Russland, bestünden strategische Interessengegensätze. Russland benötige eine politisch stabile Region, damit kein Funke auf den Kaukasus überspringe, die Vereinigten Staaten brauchten eine politisch instabile Region, um den Iran und Russland herauszufordern und billig an Ressourcen zu kommen, so Ochsenreiter auf „Zuerst!“.

Auf den „Nachdenkseiten“ stellt sich Oskar Lafontaine gegen den Krieg und das Propagandablatt „Bild“. In der gestrigen Ausgabe war das Bild eines angeblich toten Kindes zu sehen, das selbstverständlich von Assads und Putins Bomben getötet wurde. Lafontaine kritisiert die heuchlerische Aufmache, die behaupte, das Wegsehen des freien Westens sei für den Tod verantwortlich. Stattdessen sei es gerade die westliche Intervention, die den Konflikt hochschaukele. „Bild“ dürfe sich nicht wundern, dass viele sie das „Lügenblatt der Nation“ nennen, schließt Lafontaine auf den „Nachdenkseiten“.

Die Gespräche zwischen Nord- und Südkorea tragen Früchte, so berichtet das „Contra-Magazin“ am Morgen. Trotz verbaler Attacken zwischen den USA und Nordkorea und den verstärkten Sanktionen der Supermacht haben die bilateralen Gespräche zwischen Kim Jong-un und einer Delegation aus Südkorea erste Ergebnisse gebracht. Man werde keine Provokationen in Form von nuklearen Waffentests mehr durchführen – auch zu Gesprächen mit den USA bezüglich einer nuklearen Abrüstung sei man in Pjöngjang bereit. Für das „Contra-Magazin“ sind nicht die Drohungen Trumps für die Kooperation zwischen Norden und Süden verantwortlich, sondern der gesamtkoreanische Nationalismus.

Transit: Hin und/oder her

Nach Angaben der Bundesregierung seien die Grenzen mittlerweile dicht, die unkontrollierte Einreise gehöre der Vergangenheit an, so die „Junge Freiheit“. Eine Anfrage der AfD habe nun allerdings ergeben, dass 30 Prozent der Asylsuchenden mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen seien. Gleichzeitig, so bemerkt die „Junge Freiheit“, würden überhaupt keine zivilen Direktflüge aus den Krisengebieten der Welt starten. Die meisten Asylsuchenden kämen aus Südeuropa und würden von den dortigen Behörden nicht an der Weiterreise gehindert. Interessant sei, bemerkt die „JF“, dass die Migranten über genügend Geld und Papiere verfügen, um sich einen Flug zu kaufen.

 In Österreich scheinen die Flüge immer häufiger in die andere Richtung zu verlaufen. Die österreichische „Zur Zeit“ titelt: „FPÖ wirkt: Zahl der Abschiebeflüge steigt“. Innenminister Herbert Kickl erklärte, im laufenden Jahr würden die Abschiebungen weiter steigen. Bereits im Januar wurden 13 Charterflüge organisiert, die abgelehnte Asylbewerber unter anderem nach Nigeria zurückbrachten. Kickl betont, dass Österreich eine Vorreiterrolle in Sachen Abschiebung habe und es als selbstverständlich anzusehen sei, nach Erschöpfung der Rechtsmittel die Abschiebung auch zu vollziehen, so berichtet „Zur Zeit“ aus Wien.

Medien: Adios Alphonso – Auf Wiedersehen nackte Haut

David Berger berichtet auf seiner neugestalteten Seite „Philosophia Perennis“ über das Ende des Bloggers „Don Alphonso“ bei der „FAZ“. Rainer Meyers Blog war eines der letzten konservativen Standbeine der „FAZ“. Im Netz hieß es, die „FAZ“ verabschiede sich endgültig aus dem konservativen Spektrum, so betont Berger. Auch Dushan Wegner von „Tichys Einblick“ kritisiert die Einstellung des Blogs. In einem Text des „Zeitbetrachters“ geht man auf die politischen Verschiebungen der Bundesrepublik ein. Aus Adenauer wurde Merkel, aus Bundeswehr Zirkus, aus Deutschen wurden Opfer, und aus der „FAZ“ wurde die „taz“.

„Welt“-Chefredakteur Ulf Poschardt will der AfD die Themen streitig machen. „PI-News“ berichtet, dass Poschardt immer deutlicher die Kritikpunkte der Alternative aufgreife: In den Städten habe man rechtsfreie Räume zugelassen, bei abgelehnten Asylbewerbern verweigere man die Abschiebung. Auch müsse ein scharfer Anforderungskatalog für diejenigen formuliert werden, die hierbleiben können. Übergelaufen sei Poschardt natürlich nicht, trotzdem klängen seine Worte „irgendwie nach Nazi“. „Wenn die Alternativen den oben genannten Forderungskatalog im Rahmen der letzten Bundestagsdebatte proklamiert hätten, wäre Cem Özdemir zur Hochform aufgelaufen und hätte mit Nazi-Worten um sich geworfen“ , folgert „PI-News“, denn „was Jupiter darf, darf der Ochse noch lange nicht“.

In Berlin-Mitte soll sexistische Werbung verboten werden. Bereits 2014 hatte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg sich „Jagd und Verbannung sexistischer, diskriminierender und frauenfeindlicher Werbung“ zum Ziel gesetzt, so berichtet „Jouwatch“. Unter der Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann wurde jetzt ein „grüner No-go“-Katalog erarbeitet. Demnach dürfen Frauen auf Werbeplakaten nicht mehr als „hysterisch, dumm, unzurechnungsfähig, naiv“ dargestellt werden. Ihre Körper sollen zudem „nicht betont bekleidet sein“. Jetzt ziehe Berlin-Mitte nach. Zudem gebe es mittlerweile ein Onlineformular, in dem Hobbydenunzianten Werbung melden könnten, die gegen die Richtlinien der Grünen verstößt.

Das letzte Wort

Leser „Denkerich“ fasst die Sachlage in den Kommentarspalten zusammen: „Die Grünen Khmer sind schizophren. Auf der einen Seite sexistische Werbung verbieten wollen (da habe ich nichts dagegen), auf der anderen Seite die totale Sexualisierung der Kinder durch Gender Mainstreaming erzwingen wollen. Wie passt das zusammen? Gar nicht. Grüne gehören verboten, sie sind jugend- und gesellschaftsgefährdend.“

„Freie Welt“: „Von der Leyen will mehr Soldaten nach Afghanistan schicken“

„Zuerst!“: „ZUERST!-Chefredakteur Manuel Ochsenreiter: ‚Europas Syrienpolitik ist selbstmörderisch‘“

„Nachdenkseiten“: „Kriegshetze“

„Contra-Magazin“: „Nordkorea ist zur Denuklearisierung bereit“

„Junge Freiheit“: „Viele Flüchtlinge kommen mit dem Flugzeug nach Deutschland“

„Zur Zeit“: „FPÖ wirkt: Zahl der Abschiebeflüge steigt“

„Philosophia Perennis“: „Gleichschaltung: Aus FAZ wird taz“

„PI-News“: „Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt will AfD die Themen klauen“

„Jouwatch“: „Sexistische Werbung: Grüne Spürnasen und Denunzianten jetzt auch in Mitte aktiv“

Zusammenstellung: Florian Müller


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