29. Januar 2018

Chinas vermeintlicher „Sputnik-Schock“ Warum Warnungen vor dem biologischen Klonen zu spät kommen

Mental ist es längst Realität

von Axel B.C. Krauss

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Bildquelle: AKKHARAT JARUSILAWONG / Shutterstock.com Mental längst auf dem Marsch: Klonkrieger

„Die Chinesen sind dem Klonen von Menschen jetzt einen großen Schritt nähergekommen. Der Westen muss beunruhigt sein. Denn wer klonen kann, ist mächtig“, hieß es in einem erschreckend realitätsblinden Artikel der „FAZ“ vom 27. Januar.

Im Westen braucht man darob nicht beunruhigt zu sein. Keine Sekunde lang. Im Gegenteil. Man darf mit einigem Stolz behaupten, Vorreiter gewesen zu sein. Gut, zwar nicht auf biologischer beziehungsweise medizinischer Ebene, aber auf mentaler.

Ich kann die üblichen geklonten Phrasen schon stöhnen hören: Ah, er nun wieder mit seinen „westlichen Selbstzerfleischungstendenzen“, die ihm wahrscheinlich von Putin und seinen „Fake News“-Hackerarmeen in den sozialen Netzwerken eingeflößt wurden, die, weiß man doch aus der geklonten Presse, auch die US-Wahl manipuliert haben, um den – na hoppla, und schon klont es fröhlich, aber falsch weiter – vermeintlich „unberechenbaren“, „unkalkulierbaren“, „irrlichternden“ Herrn Trump zum Präsidenten zu machen. Das wäre gleich noch ein Beispiel für erfolgreich angewandte vermassungsmediale Reproduktionsmedizin mittels Propagandapharmaka.

Das Gegenteil ist der Fall. Trump weiß genau, was er tut. Sehr genau sogar. Verkörpert er doch die – und schon wieder muss ich leider auf geklontes Phrasenstroh zurückgreifen – „populistische, nationalistische und protektionistische“ (bitte vor dem Schlafengehen hundertmal nachbeten) Antithese zum Globalismus als These, aus deren Konflikt gewisse – verzeihen Sie bitte, es bleibt mir nichts anderes übrig, das Klonen nimmt nun mal kein Ende – nur in „Verschwörungstheorien“ existierende Eliten in naher Zukunft ihre Synthese, ihre Lösung einer „integrierteren globalen Ordnung“ zu ziehen beabsichtigen werden. Das ist nun mal meine (Achtung, geflügeltes beziehungsweise eher flügellahmes Klonwort) „krude“ oder „umstrittene“ Meinung, davon bin ich felsenfest, bombensicher, einhundertprozentig und mit fast ingrimmig absoluter und definitiver Sicherheit überzeugt. Und hoffe übrigens, mich darin zu irren, aber bisher sieht es leider aus, als behielte ich recht. Die Zeichen dafür tanzen aus meiner Sicht bereits Macarena an den Wänden, aber gut, das ist nicht Thema dieses Kommentars.

Auch sehr beliebt: Was wir wissen (dürfen), was wir nicht wissen (sollen). Nach jedem verdammten Anschlag dieselben geklonten Überschriften. Oder im Politrickbetrug: „Das Wir entscheidet.“ Willkommen bei den Borg. Den kollektivistischen, versteht sich. Und in denselben Parteien sitzen dieselben geklonten Köpfe aus denselben Lenkfabriken, was auch der Grund dafür ist, dass sich schon seit schier endlos scheinender Zeit trotz (warum nicht gleich weiterklonen?) „demokratischer“ Wahlen in den wirklich entscheidenden, sprich großen politischen Belangen von A wie „humanitären“ Auslands-„Einsätzen“ (noch so‘n euphemistischer Klon, wo man ruhig mal etwas ehrlicher sein und einfach von höchst interessenshandfesten „Kriegen“ sprechen könnte, aber so läuft das nun mal in der Post-Orwellschen, postfaktischen Medien-Einöde) bis E wie „Euro“ einfach nichts ändern will. Oder D wie „Diäten‑“ oder S wie „Steuererhöhung“. Na, mal abwarten, ob die, bitte sehen Sie mir das zugegebenermaßen extrem ermüdende Klonen nach, „rechtspopulistische“ oder „rechtsnationale“ AfD daran wirklich etwas ändern kann und wird.

Aber jetzt soll ich Angst haben. Vor Chinas Klonversuchen. Mami, ich fürchte mich so.

In völlig frucht- und nutzlosen politrickreichen Geschwätzshows, die ganz praktisch-realpolitisch bislang soviel bewegt und geändert haben wie eine bereits seit geraumer Zeit regungslos und trocken an die Decke ihres Sarkophags starrende Mumie, sorgen – I‘m so sorry – geklonte Gäste regelmäßig für geklonte Eklats, „hitzige Wortgefechte“ (nein, Sie sind keineswegs paranoid, sollten Sie sich langsam von Klonen umzingelt fühlen), die allwöchentlich für geklonte Diskussionen und/oder geklonte Shitstorms in den Klonlaboren der sozialen Schwätzwerke führen.

In Bussen, U- und S-Bahnen und anderen Nahverkehrsmitteln, auf der Straße, in Kneipen, Lokalen und Cafés, im Kino und im Supermarkt swipen sich Menschen mit geklonten Handbewegungen durch geklontes Nachgerichtetes über Russland, Russland, Russland (tut mir leid, es handelt sich um das beim Klonen unvermeidliche Betriebsecho).

Trump, AfD, Brexit. Trump, AfD, Brexit. Trump, AfD, Brexit. Putin, Assad, Trump. Assad, Trump, Putin. Brexit, Putin, AfD. AfD, Nordkorea, Trump. Brexit, Putin, Nordkorea. Ob deine Programmierung erfolgreich war oder nicht, sagt dir gleich das geklonte Funzellichtchen in deinem Kopf. Sie sehen, die Technik macht Fortschritte: Bis drei zählen können Klone immerhin schon. Vor allem die Klone aus dem beeindruckend meinungsdiversen Reich dessen, was heutzutage als westlich-festlich „freier“ Qualitätsjournalismus sich zu bezeichnen die saukomisch dreikäsehohe, slapstickhafte Albernheit besitzt. Vielleicht sind eines Tages ja auch ein paar höhere Gehirnfunktionen drin, eventuell sogar das Rechnen mit komplexen Zahlen. Das in einer – hier stehe ich vor Gott und kann nichts anders, als zu klonen – „stets komplexer werdenden Welt“ immer wichtiger wird. Daumen drücken!

Klimawandel, CO2-Steuer, Klimawandel, CO2-Steuer, Klimawandel, CO2-Steuer. Nein, bitte lass das Licht an, Opa. Ich fürchte mich im Dunkeln. Du sagst immer, es gebe keine Monster, aber es gibt sie. Geklonte. Kriechen aus dem Kleiderschrank und unter dem Bett hervor, wenn‘s finster wird, und wollen mein Hirn fressen.

Und in der Popkultur? Nun, dort kann uns China besonders gefährlich werden. Grund: Bumm ka-tschak, bumm-bumm tschak, bumm ka-tschak, bumm-bumm tschak. Links, zwo, drei, vier. Was Sie soeben gehört haben, war die erstaunlich vielfältige, abwechslungsreiche, hochkreative, erfrischend individuelle, einfallsreiche, innovative, phantasievolle Rhythmik westlicher Popmusik. Sie brauchen sich nur einige „Greatest Hits“-Kompilationen der, sagen wir mal, letzten zehn Jahre auf Youtube anzuhören, um eindeutig feststellen zu können, dass der Großteil dessen, was da buchstäblich ausgestoßen wird (nämlich aus dem Reich des Geistes, der feineren Empfindungen, der Ästhetik und des guten, höher und besser entwickelten Geschmacks), dem ohrenbetäubend stampfenden Geräusch monoton marschierender tonaler und rhythmischer Klonarmeen schon verdächtig nahekommt.

An dieser Stelle muss ich meinen Kommentar leider abbrechen, denn am Horizont ballen bereits düstere Wolken die Faust. Es ist der von Chinas Klonarmeen aufgewirbelte Staub, der als schwarz schwärendes Omen nun den Westen seiner letzten Freiheitslichter zu berauben droht. Ich fühle, wie die Angst an meinem Rückgrat hochkriecht wie eine giftige Natter, um schlussendlich mein Denken zu erwürgen.

Geehrter Spaßvogel von der Qualitätspresse, bitte vergib mir die profane Sprache: Wake the fuck up, buddy.

Das biologische Klonen wäre keineswegs eine „Zäsur“. Sondern nur die folgerichtige und konsequente Fortsetzung des längst existierenden mentalen mit medizinischen Mitteln. Also warum nicht den nächsten Schritt gehen?

Die Klonarmeen marschieren doch längst, also was willst du eigentlich?


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