04. August 2015

Finanzbranche Banker oder Bankier?

Zwei völlig unterschiedliche Berufsgruppen

von Markus Elsässer

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Bildquelle: shutterstock Äußerlich identisch: Banker und Bankiers

Der Verfall des Bankgewerbes wird seit langem beklagt. Seit dem Desaster 2008 hat sich die Situation auch nicht verbessert. Woher rührt das eigentliche Problem? Am Wandel vom Bankier zum Banker. Aber was macht einen Banker aus? Und was ist im Unterschied dazu ein Bankier?

Schauen wir einmal auf die Anfänge des Berufsstandes. Es geht schon los mit der Berufsbezeichnung „Bankkaufmann“. Eine unsinnige Formulierung. Eigentlich gibt es nur Bankiers oder Kaufleute. Der Bankier will lediglich einen Zins verdienen, aus der Spanne von Einlagen- und Kreditzinsen. Es lässt ihn kalt, wenn der Kaufmann mit dem Kredit ein Vermögen erwirtschaftet. Ganz im Gegenteil, der Bankier freut sich, je reicher sein Kunde wird. Der Bankier möchte ja nur den Zins verdienen. Ansonsten verwahrt er im weiteren Sinne Wertgegenstände seiner Kunden und ist ihnen dabei behilflich. Der Kaufmann hingegen geht Wagnisse ein, indem er Waren einkauft, die er später teurer vermarkten will.

Diese beiden Berufsgruppen sind von ihrer Ethik her grundverschieden und erfordern gänzlich unterschiedliche Charaktere und Lebenseinstellungen. In dem Moment, wo der Bankier sozusagen als Kaufmann mitverdienen möchte, also zum Geschäftemacher wird, mutiert er – im heutigen  Jargon – zum Banker. Und damit ist die Bank unter einer völlig anderen Führung.

Der Banker hat seine eigenen Geschäftsmöglichkeiten im Mittelpunkt seines Interesses. Für den Bankier steht die Beurteilung der handelnden Menschen im Zentrum seiner Tätigkeit. Dies setzt eine Berufung und Begabung voraus, die nicht einfach so an einer Business School ohne weiteres gelernt werden kann. Von dem alten Bankier Hans Vontobel aus Zürich schrieb die „FAZ“ am 26. November 2006: „Zusammen mit Hans Bär gehört Hans Vontobel zu der schrumpfenden Gilde jener Bankiers, die immer mehr waren als Manager und Finanztechniker. Privatbankiers kennen den Menschen besser. Sie wissen, dass er von Schokolade genug bekommt, nicht aber vom Geld. Insofern dürfte Hans Vontobel die Gier nicht völlig überrascht haben, die den letzten Börsenboom prägte.“ 2008 hat es ja dann auch gekracht.

Ohne eine Rückbesinnung auf eine klare Trennung zwischen dem Berufsstand des Bankiers und dem Job eines kaufmännisch agierenden Bankers wird es zu keiner wirklichen Gesundung des Banksystems kommen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.

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