26. Juni 2015

Risikoabsicherung Am Euro hängt´s, zum Golde drängt doch alles?

Über Edelmetalle als Wertanlage in währungspolitischen Krisenzeiten

von Norman Gutschow

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Bildquelle: shutterstock Gold: Wichtige Alternative zum staatlichen Monopolgeld

Wenn es um Gold als Wertanlage geht, befindet man sich schnell zwischen den Goldextremisten einerseits, die es für das Nonplusultra halten, und Menschen wie Investorenlegende Warren Buffett, die Gold keinen Mehrwert zubilligen und es für schlichtweg „faul“ halten.

Auf Einladung des von Stefan Friedrich geleiteten Forums Mittelstand versuchte der Journalist und Autor Daniel Eckert ein wenig Aufklärung zu leisten. In seinen bisherigen Büchern „Weltkrieg der Währungen“ und „Alles Gold der Welt“, das mit dem Deutschen Finanzbuchpreis ausgezeichnet wurde, warf er bereits einen kritischen Blick auf die Papierwährungen und zeichnete Szenarien einer drohenden gigantischen Währungskrise, die einer inflationären Geldpolitik geschuldet sind.

Deutschland als Geisterfahrer in der Schuldengemeinschaft

Trotz anders lautender Einlassungen hat sich seit der Finanzkrise 2008, die eigentlich eine Verschuldungskrise war und ist, die Situation nicht verbessert, sondern verschlechtert. Daniel Eckert erklärte anhand der Zahlen von Eurostat, dass die Verschuldung der Staaten der Euro-Zone weiter zugenommen hat. Die durchschnittliche öffentliche Bruttoverschuldung der EU-Länder wuchs im Zeitraum 2011 bis 2014 von 80,1 Millionen auf 86,8 Millionen an, in der Euro-Zone sogar von durchschnittlich 86,0 Millionen auf 92,2 Millionen.

Deutschlands Kurs der Austerität werde von vielen als falsche Politik wahrgenommen. Die EU sei, so Eckert weiter, eine Verschuldungsgemeinschaft geworden und Deutschland darin der Geisterfahrer.

Darüber hinaus neigten die Deutschen dazu, ihr Geld konservativ anzulegen. So stecken ein Drittel ihrer Ersparnisse in Lebensversicherungen, dicht gefolgt vom einfachen Bankkonto und nur zu geringen Teilen in Aktien oder Gold. Dabei sollte Gold als Risikoabsicherung eigentlich für konservative Anleger attraktiv sein.

Gold ist nur zu zehn Prozent ein Rohstoff, hat einen hohen Werterhalt und die Garantie, dass es knapp bleibt. Dagegen vermehrte sich die Geldmenge M1 in der Euro-Zone im April diesen Jahres um 10,5 Prozent, was laut der Österreichischen Schule der Nationalökonomie bereits Inflation ist. So wurden in der Menschheitsgeschichte bislang 180.000 Tonnen Gold gefördert. Davon sind 86.000 Tonnen als Schmuck und 30.000 Tonnen als Münzen vorhanden. Die Notenbanken der Welt nennen 32.000 Tonnen ihr Eigen. Für den Normalmenschen ist es zudem interessant, dass sich aus 40 Smartphones so viel Gold wie aus einer Tonne Golderz gewinnen lässt.

Im Unterschied dazu ist Silber ein klarer Rohstoff. Etwa 70 bis 90 Prozent werden industriell verbraucht, und für Anleger ist es dementsprechend nicht unbedingt zu empfehlen.

Gold als Risikoabminderung

Um Gold ranken sich einige Mythen, die Daniel Eckert klargestellt wissen will. Ein gängiges Klischee über Gold ist, dass es ein Kriegsmetall sei. Eckert illustrierte anhand des Einmarsches der Sowjetunion und des Golfkriegs 1991, das zwar kurzfristig, für einige Tage, der Goldpreis stieg, dabei aber gleichfalls die jeweils zweistellige US-Inflation zu bedenken sei. Gold profitiert also nicht von Kriegen und Krisen. Des weiteren sollten Anleger sich davor hüten, eine Korrelation zwischen dem DAX und Gold herzustellen. Gold hat seit 2000 eine Rendite von zehn Prozent erzielt, seit der Freigabe von Gold im Jahre 1971 sind es acht Prozent, womit es fast genau auf dem DAX-Niveau liegt. Gold ist und bleibt ein defensives Investment.

Dennoch stehen fünf Billionen Euro an Geld der Deutschen lediglich 240 Milliarden Euro in Gold gegenüber. Laut Daniel Eckert wären jedoch zehn bis 20 Prozent als Risikoabminderung nötig.

Er wolle nicht als Krisenprophet auftreten, so Eckert zum Abschluss, aber angesichts der möglichen Gefahren für den Euro, wie Grexit, Brexit und die weiter steigende Staatsverschuldung der Euro-Zone, empfehle er  doch jedem Anleger eine gewisse Absicherung. Durch die andauernde Verschuldungspolitik der EU-Staaten und die anhaltende Niedrigzinspolitik der EZB können Sparer sich gegen die faktische Entwertung ihres Geldes nur durch andere Wertanlagen behelfen und durch eine Teilanlage ihres Vermögens in Gold zumindest gegen die gröbsten Risiken absichern.


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Dossier: Gold und Silber

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