02. Februar 2015

Staatsgold 2014 Ein Problem und acht Erklärungsversuche

In der Fed-Goldabgangs-Statistik fehlen 30,5 Tonnen

von Peter Boehringer

Dossierbild

Ein informierender Kurzblog aus aktuell gegebenem Anlass. Seit Samstag raus: Die neuen Zahlen der New Yorker Fed, wie viel treuhänderisch für fremde Zentralbanken gelagertes Gold die Fed im Monat Dezember 2014 an diese anderen Zentralbanken ausgeliefert hat. Im Prinzip hätte das ein monatlicher Routinebericht sein sollen. Da per 2014 keine weitere Zentralbank außer der Deutschen Bundesbank und der niederländischen Zentralbank (DNB ) irgendwelche Abrufe aus New York vermeldet hat (ebenfalls keine Einlieferungen von Gold an die Fed), war die zu erwartende Zahl per 31. Dezember 2014 eigentlich klar: 5.989 Tonnen hätten es sein müssen. Diese Zahl hätte sich errechnet aus dem Stand per 31. Dezember 2013 von 6.196 Tonnen, vermindert um die schon im September vermeldeten Abgänge an die DNB von 122,5 Tonnen und um die 85 Tonnen Fed-Abgang, die die Bundesbank vor wenigen Tagen entsprechend als Zugang 2014 aus New York vermeldet hatte (ich berichtete).

Am vergangenen Samstagnachmittag kamen also nun die Zahlen – und, oh Überraschung: Es wurde per 31. Dezember 2014 ein Buchwert von 8,17 Milliarden Dollar (zum seit Mitte der 1970er Jahre unveränderten Buchkurs von 42,22 Dollar pro Unze) des bei der Fed lagernd verbleibenden Goldes fremder Nationen vermeldet.

Dies entspricht 6.019 Tonnen – und damit nur 177 Tonnen weniger als per Jahresende 2013! Es hätten aber mindestens 122,5 + 85 = 207,5 Tonnen sein müssen! Es fehlen in der heutigen Abgangsstatistik also etwa 30,5 Tonnen!

Mit anderen Worten: Die offiziellen Fed-Abgänge 2014 liegen unter den offiziellen Zugangs-Angaben der DNB und der Bundesbank! Dies schreit nach einer Erklärung! Da die Pressestellen von Fed und Bundesbank beim Gold aber chronisch langsam, nebulös oder ganz verschwiegen sind – hier kurz die mir einfallenden Optionen für dieses „Problem“:

Erstens: Die niederländische Nationalbank hat entgegen unseren sehr sicheren Vermutungen die 122,5 Tonnen aus New York doch nicht im Jahr 2014 bezogen. Diese Option kann praktisch ausgeschlossen werden, da es dann nach meinen (Fed-) Statistiken mindestens 2008 (!) gewesen sein müsste, dass sie die 2014 vermeldeten 122,5 Tonnen bezogen hat – oder wenigstens 30,5 Tonnen davon (seit 2008 gab es keine solchen signifikanten Abgänge von der Fed mehr). Dies dann ohne entsprechende Meldung seit sechs Jahren – ausschließbar!

Zweitens: Eine andere Zentralbank hat 2014 30,5 Tonnen Gold bei der Fed eingeliefert. Welches Land aber würde das derzeit tun, da der Run auf das Fed-Gold doch in exakt umgekehrter Richtung abläuft? In meinem kommenden Buch zeige ich für 14 Nationen Gold-Abruf-Debatten von Fed oder Bank of England aus den vergangenen drei Jahren auf! Meines Erachtens ist die Option also unwahrscheinlich – aber nicht ganz ausgeschlossen! Seit mindestens 1999 (so weit zurück haben wir Daten) gab es keine Neueinlieferungen mehr bei der Fed in dieser Größenordnung. Die Ukraine wäre das einzige denkbare Land, aus dem 2014 Gold in die USA gekommen sein könnte – da hat man ja 2014 einiges expatriiert. Die Ukraine hatte noch Anfang 2014 über 42 Tonnen.

Drittens: Die Deutsche Bundesbank hat 30,5 Tonnen der per Dezember 2014 vermeldeten 85 abgerufenen Tonnen aus New York erst im Januar 2015 physisch bezogen, so dass sie in der New Yorker Abgangsstatistik per Ende Dezember noch nicht auftauchen. Meines Erachtens ist das fast ausschließbar – denn die Bundesbank hat ja die Abrufe explizit „per 2014“ vermeldet. Vielleicht hinkt die Fed-Statistik der Bundesbank-Statistik hinterher. Das wäre aber massiv erklärungsbedürftig – mal sehen, ob Fed oder Bundesbank sich dazu äußern. Und ob die Januar-Abgangsstatistik (dann verfügbar am 28. Februar 2015) diese „Verzögerung“ überhaupt ausweist…

Viertens: Die Bundesbank oder die DNB haben ihr (physisches?!) Gold nicht von der Fed, sondern von einer anderen Einheit bezogen. Etwa von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die ja angeblich der Bundesbank ihre „Expertise“ bei der Goldverlagerung verliehen hat, wie die Bundesbank vor einigen Tagen vermeldete. Vielleicht gehört ja zur „Expertise“ auch die Zurverfügungstellung von 30,5 Tonnen physischem Gold ab Basel nach Frankfurt? Dann hätte gegebenenfalls die BIZ gleichzeitig einen entsprechenden (Buch?-) Gold-Anspruch gegen die Fed erworben?! Selbstredend würde diese Option allen Meldungen der Bundesbank, wonach wir unsere 60 Jahre alten Originalbarren von der Fed heimholen, zuwiderlaufen! Warum und ob diese Option also zutreffen könnte: komplett unklar – aber so sind eben die Zentralbanken... Aus diesem Grund fordern wir seit Jahren glasklare Transparenz anhand von zu veröffentlichenden Barrenlisten und eine sofortige Heimholung allen Goldes!

Fünftens: Die Fed lügt in ihrer Statistik. Ausschließbar?

Sechstens: Die DNB lügt. Ausschließbar?

Siebtens: Die Bundesbank lügt. Ausschließbar?

Achtens: Alle lügen. Ausschließbar?

Fortsetzung folgt. Das Thema wird nicht weggehen. Erwarten Sie im Frühjahr das „Standardwerk“ zum Thema in vielhundertseitiger Buchform!

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Goldseitenblog.

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