30. Juni 2017

Ehe für alle? Ehe für die Berufenen!

Jesus hat die Frage schon entschieden

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Bildquelle: shutterstock Unauflöslich: Ehe

Am heutigen Freitag hat der Bundestag einen Gesetzentwurf beschlossen, der den Weg dafür ebnen soll, dass auch gleichgeschlechtliche Paare, die bislang eine eingetragene Partnerschaft eingehen können, als Ehepaare gelten. Das hat Konsequenzen im Adoptionsrecht – einer der Hauptstreitpunkte –, aber auch in ein paar anderen Fragen, in denen bislang die Ehe zwischen Mann und Frau durch den Staat in besonderer Weise geschützt war und gefördert wurde.

Diskriminierung oder Aushöhlung der Familie?

Einige halten diese Förderung der Ehe unter Ausschluss gleichgeschlechtlicher Paare für eine Diskriminierung homosexueller Lebensgemeinschaften. Dabei geht es eigentlich nur darum, eine Gemeinschaft zu schützen, die der Gesellschaft durch das Aufziehen selbst gezeugter Kinder dient – etwas, was homosexuelle Paare aus sich heraus naturgemäß nicht können. Von anderer Seite wird dagegen geargwöhnt, dass diese Gleichstellung mit der Ehe nur der neuerliche Beginn sei, um mehr Rechte herauszuschlagen, um am Ende die Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft aufzulösen.

Solche Sorgen teile ich, wenn ich auch die staatlich reglementierte und alimentierte Ehe an sich für ein Unding halte: Wenn der Staat aus Steuergeldern etwas fördert, dann ist es kein Wunder, dass sich viele an diese Fleischtöpfe anstellen, die sich eigentlich gar nicht daraus bedienen sollten. Und jeder, der einen Euro vom Staat bekommt – also vom Steuergeld anderer Menschen –, macht mit bei der Aushöhlung der Basis der Gesellschaft, die in Verantwortung und im selbständigen Handeln besteht, im Westen gepaart mit einer noch immer vorhandenen christlichen Grundprägung, die aber natürlich mit solchen Gesetzesinitiativen geschleift wird.

Die Entwicklung war nur durch Zwang aufzuhalten

Aber in der Tat: Wenn Staat und Gesellschaft sich daran machen, etwas wie die „Ehe für alle“ zu propagieren und ganz aus dem Häuschen sind, weil die Bundeskanzlerin nicht mehr getan hat, als den Fraktionszwang – was für ein Wort- und Regelungsungetüm! – für die CDU-Bundestagsabgeordneten in dieser Sache aufzuheben, dann muss man befürchten, dass mehr dahinter steckt. Der klassischen Familie will man ans Leder, da unterscheidet sich die Politik von CDU, SPD und Grünen schon seit Jahren nicht mehr besonders, und die offensichtliche Unterstützung der neuerlichen Gesetzesinitiative durch eine Vielzahl von CDU-Abgeordneten zeigt nur, wie weit die Erosion an dieser Stelle schon fortgeschritten ist. Eine Entwicklung, die – wie sich jetzt herausstellt – nur durch Zwangsmittel der Parteiräson kurzzeitig aufzuhalten war.

Für uns Katholiken ist also in gewisser Weise Gefahr in Verzug, denn wer weiß, wann plötzlich das katholische sakramentale Eheverständnis als nicht mehr verfassungsgemäß gebrandmarkt wird? Schon heute gilt man mit der Einschätzung, dass eine Familie am besten aus (kirchlich) verheirateten Vater und Mutter und Kindern bestehen sollte, als „Katholiban“ und „Schwulenhasser“, als stünde man mit so einer Einstellung auf einer Stufe mit islamistischen Schlächtern, denen zwischenzeitlich von manch politischer Seite mehr Verständnis entgegengebracht wird als einem konservativen Christen.

Was die Ehe wirklich ist

Umso wichtiger ist es, als Christ, als Katholik in besonderer Weise, einmal deutlich zu machen, um was es eigentlich geht: Es geht nämlich nicht um die Ehe! Die Ehe ist ein Sakrament, das sich Mann und Frau im Angesicht Gottes und im Beisein eines Priesters spenden, unauflöslich und auf die Zeugung von Kindern ausgerichtet. Das ist eine Ehe – Punkt, oder besser: Rufzeichen! Alles andere mag eine Gemeinschaft in gegenseitiger Verantwortung sein, hoffentlich getragen von Liebe, hoffentlich in Achtung vor dem jeweils anderen. Aber eine Ehe ist nach katholischem Verständnis etwas ganz anderes – und ein Vertrag, auch wenn er vor Zeugen und in schicker Kleidung vor einem Standesbeamten eingegangen wurde, ist keine.

Das katholische Eheverständnis ist nach Einschätzung vieler angeblich moderner Menschen ein Relikt aus dem Mittelalter. Das liegt aber nicht an der Ehe oder an der Kirche, sondern an der mangelnden Bereitschaft der Gesellschaft, sich auf eine derartige Bindung überhaupt einzulassen. Unauflöslichkeit? Das kann doch nicht sein, gerade wo heute Menschen so alt werden! In guten und in bösen Tagen, bis der Tod uns scheidet! Wie unmenschlich das schon klingt! Und wissen Sie was: Das ist etwas dran! Die Ehe ist unmenschlich, im Sinne von „nicht menschlich“. Sie ist gottgemacht, gottgewollt! Christus hat dieses Sakrament begründet und in wenigen anderen Worten so klar gemacht wie hier, wie hoch der Anspruch ist. Der ist beinahe nicht zu erfüllen – es sei denn durch Gottes Hilfe!

Eheähnlich ist keine Ehe

Sicher, es gibt Menschen, die bleiben ein Leben lang zusammen auch ohne kirchliche Trauung. Aber Statistiken zeigen, dass Menschen in einer katholischen Ehe deutlich weniger geschieden werden als nur weltlich „Verheiratete“, vor allem dann, wenn sie ihr Leben und ihre Ehe im Gebet und in den Sakramenten auf Gott aufbauen. Das ist auch eine Tür für Menschen, denen das Sakrament der Ehe verschlossen bleibt und die trotzdem ihren Weg mit Gott gehen wollen. Aber am Ende basiert eine solche Beziehung dann auch auf der Beziehung zu Gott, sie setzt diese voraus, damit die Berufung zur Ehe nicht zu einem nicht zu bewältigenden Zwang wird.

Mit anderen Worten: Viel von dem, was wir heute an „eheähnlichen“ Beziehungen sehen, die vom Staat gefördert werden, ist eigentlich keine Ehe. Und wir sollten uns als Katholiken nicht dazu hergeben, dem auch nur in den Begrifflichkeiten zu folgen. Gerade jetzt ist es Zeit, aufzustehen und zu sagen, was die Ehe ist und was nicht. Die Beziehung zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren wird niemals eine Ehe sein, so wenig, wie es eine Beziehung zwischen Mann und Frau ist, die nicht durch Gott besiegelt wird. Ob in solchen Beziehungen Gott präsent sein kann, das ist eine Frage, die sich Christen stellen müssen. Ob solche Beziehungen Anspruch auf Unterstützung des Staates haben sollten, ist eine gesellschaftliche Frage. Aber noch einmal: Was eine wirkliche Ehe ist, diese Frage hat Jesus schon beantwortet. Daran ändert auch eine Bundestagsentscheidung nichts.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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