13. Februar 2017

Zum Tod von Susanne Kablitz Ein Juwel, sie ruhe in Frieden!

Abschiedsworte

Artikelbild
Bildquelle: eigentümlich frei Unvergessenes Lachen: Susanne Kablitz bei ef-TV in der Villa Rheinperle

Susanne Kablitz habe ich als lebenslustige Person, ja geradezu als rheinische Frohnatur kennengelernt, obwohl sie, wie ich jetzt lese, im westfälischen Bielefeld geboren wurde. Sechs oder sieben Mal durfte ich ihr persönlich zu verschiedenen Anlässen begegnen, zu Kongressen, Filmaufnahmen oder anderen Gelegenheiten „in Sachen Freiheit“. Auch in Düsseldorf in der ef-Zentrale hat sie uns zwei- oder dreimal besucht.

Das letzte Mal habe ich sie persönlich in Düsseldorf im letzten Jahr bei einem Vortrag von Philipp Dammer über Ayn Rand getroffen. Ausgerechnet, denn sie war zum Schluss nach eigenen Worten sehr stark beeinflusst von dieser amerikanischen Philosophin. So wie sie zuvor schon von den Büchern Roland Baaders stark beeinflusst wurde, auch daraus hat sie nie einen Hehl gemacht. Sie hat auf ihre Art versucht, Roland Baader auch mit eigenen Worten ein Denkmal zu setzen – und zwei Bücher von Ayn Rand hat sie am Ende selbst in ihrem Buchverlag publiziert.

Bei unserem letzten Treffen, so erinnere ich mich, hatten wir vielleicht das einzige Mal eine kleine Meinungsverschiedenheit. Es ging um die Kinderlosigkeit in Ayn Rands Leben und Philosophie sowie um ihre Verachtung für Religionen. Kleine Kinder, so versuchte ich zu erklären, sind eben keine selbstbestimmten, göttergleichen Persönlichkeiten, sie sind auf Liebe und Altruismus angewiesen. Hier genau unterschied sich Ayn Rand auch von Roland Baader.

Nach diesem letzten Treffen haben wir noch zwei- oder dreimal telefoniert. Susanne Kablitz war wie immer, voller Tatendrang. In ihrer Eigenschaft als Finanzberaterin hatte ich sie einmal um einen persönlichen Rat gebeten, was einen Immobilienkredit betraf. Sofort hat sie geholfen, sehr unkompliziert, sehr zielführend. Diese lebhafte Persönlichkeit, die ich persönlich leider kaum wirklich kennengelernt habe, hat sich am 11. Februar 2017 im Alter von nur 47 Jahren das Leben genommen.

Ihren langen, letzten Artikel haben wir online bei eigentümlich frei dokumentiert: „Dieses Land ist unrettbar verloren!“ Nie klang sie Roland Baader ähnlicher als in diesem schwermütigen Beitrag. Aber Roland Baader hatte Kinder und Gottvertrauen ...

Susanne Kablitz war ein sehr emotionaler Mensch, daran gibt es keinen Zweifel. Ihr herzhaftes Lachen bleibt mir unvergessen. Und das war sicher nur die eine Seite. Sie stellte an sich und andere höchste Ansprüche, siehe dazu etwa ihren Austritt aus der Hayek-Gesellschaft. Warum genau sie ihrem Leben ein Ende setzte, weiß hoffentlich ihre engste Umgebung. Unter anderem ist von einem schweren Krebsleiden die Rede. Ihrem Ehemann wünsche ich von Herzen die Kraft, die er nun sicher braucht.

Susanne Kablitz hatte bei ihren Freiheitsprojekten zuletzt oft Pech. Als Parteivorsitzende der kleinen, aber feinen PDV scheiterte sie – wobei sie nach allem, was man hört, selbst am wenigsten dafür konnte. Sie hatte dann mit viel Energie versucht, ein privates liberales Institut zu gründen, und wieder scheiterte sie, diesmal vor allem an einem notorischen Hochstapler, wie sich später herausstellte. Sie war sicher auch gutmütig und leichtgläubig, vielleicht zu leichtgläubig. Am Ende baute sie fast im Alleingang einen libertären Buchverlag auf. Auch das war wirtschaftlich alles andere als ein Selbstläufer. Aber was die Freiheit betrifft, war sie nie berechnend, sondern Idealistin. „Überzeugungstäter“ mit Leib und Seele. 

Frust und Ekel über die Politik unserer Tage werden dann hoffentlich nicht den Ausschlag gegeben haben. Denn das, liebe Susanne Kablitz, wäre es nicht wert gewesen, ja: ist es nie wert! Man möge mir diesen unkorrekten Gedanken zum Schluss verzeihen: Männer können all den politischen Wahnsinn meist sehr gut abstrahieren. Frauen, insbesondere emotionalen Frauen, fällt das sehr viel schwerer. Manchen vielleicht zu schwer.

Ihren letzten, aufwühlenden Artikel schloss Susanne Kablitz mit den Worten: „Die, die auf diesem Weg auf der Strecke geblieben sind, sind eben die Opfer. Aber – so hoffe ich – wenigstens für einen guten Zweck.“ Opfer für einen guten Zweck, für eine Lehre, eine Art Moral? Wie wäre es damit: Politischer Dreck ist der persönlichen Anteilnahme nicht wert! Niemals, schon im Ansatz nicht! Der Preis wäre zu hoch, denn Freiheit bedeutet Leben, nicht Tod. Der Todestrieb ist das, was den Sozialismus als totalitärem Ansatz ausmacht.

Ruhe in Frieden, Susanne Kablitz!

Wir werden ihr ein ehrendes Andenken bewahren. 


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Dossier: Susanne Kablitz (1970-2017)

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