06. September 2016

Anti-AfD-Propaganda Tolle Wahlkampfhelfer

Die neue Partei muss ihren politischen Gegnern geradezu dankbar sein

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Bildquelle: flickr/Abhijay Achatz (CC BY-SA 2.0) Verhalf der AfD zum Wahlerfolg: Jennifer Rostock

Die Angst war groß und berechtigt. Aus allen Rohren haben die Gegner der AfD in Politik und Medien gegen diese neue Partei geschossen: Wenn denn wohl der AfD-Einzug auch in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr zu verhindern war, sollte sie doch möglichst klein gehalten werden. Die Schüsse – wir wissen es jetzt – gingen nach hinten los: im Landtag zweitstärkste Partei geworden und die CDU überrundet. Angst ist ein schlechter Ratgeber. Das Trommelfeuer gegen die AfD hat ihr keine Wähler abspenstig gemacht, sondern noch zugetrieben. Ihre Gegner sind ganz tolle Wahlkampfhelfer gewesen. Dazu gratis. Beispiele gefällig?

Zum Beispiel Sängerin Jennifer Weist von der Band Jennifer Rostock (29 Jahre, Nasenring, fast überall tätowiert). Etwas von ihrem Anti-AfD-Song soll am 2. September das ZDF-Morgenmagazin gebracht haben, es war aber dort nicht (mehr?) zu finden. Mit ihrem Liedtext singt sie sich um Kopf und Kragen, denn Zeile für Zeile wird das, was sie der AfD darin andichtet, fein säuberlich widerlegt und auf die Tatsachen zurückgestutzt. Ihr ironisch-süffisant gemeinter Refrain „Wählt die AfD“ hat sich als sehr erfolgreich erwiesen. Nur nicht für Jennifer.

Zum Beispiel Manuela Schwesig, Bundesfamilienministerin (SPD). Sie attestierte der AfD ein „total rückwärtsgewandtes“ Familienbild. Deswegen sei diese Partei vor allem für Frauen „absolut nicht wählbar“. Die Partei punkte nur mit Protest und populistischen Sprüchen. Offenbar gibt es viele Wähler, die eben dieses total rückwärtsgewandte, nämlich das herkömmliche, naturgegebene Familienbild partout bewahren wollen.

Zum Beispiel Lorenz Caffier, in „Meck-Pomm“ Spitzenkandidat der CDU. Er kritisierte, dass die AfD nur Forderungen stelle und keine Lösungsansätze biete. Sollte die Partei in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Kraft werden, wäre das für alle demokratischen Parteien ein „verheerendes Signal“ und das „Schlimmste, was am Sonntag passieren könnte“, sagte Caffier. Ausgerechnet dieses Schlimmste haben dann aber über 20 Prozent der Bürger, die sich an der Wahl beteiligt haben, augenscheinlich sehr gewollt.

Zum Beispiel die ARD mit ihrem Politikmagazin „Panorama“ und Moderatorin Anja Reschke. In der Sendung vom 1. September um 21:45 Uhr rückte Reschke die AfD ganz nahe an die NPD und stellte sie so dar, als wolle diese Partei programmatisch das gleiche wie die NPD, sie kupfere das NPD-Programm ab. Dem Zuschauer sollte auf diese Weise vermittelt werden, die AfD sei mit dieser rechtsextremen Partei nahezu identisch, also nicht wählbar. Titel des Beitrags: „NPD und AfD – Original und Kopie?“. Ihr Ziel hat diese Hetzerei offensichtlich verfehlt.

Zum Beispiel Kanzlerin Angela Merkel. Sie hat vieles auf dem Kerbholz, was der AfD Wähler zuspült, darunter vor allem dies: Sie hat mit der „Energiewende“ die Stromversorgung destabilisiert und verteuert. Sie hat Ende August/Anfang September 2015 eine Menschenlawine aus arabischen und afrikanischen Regionen losgetreten mit allen schon jetzt spürbaren und für später schon absehbaren Folgen. Sie unternimmt nichts gegen die Bedrohung durch den Islam. Sie folgt der aggressiven USA-Politik gegen Russland unter Putin, was viele Deutsche für gefährlich halten. Sie ist wohl der AfD beste Wahlkämpferin gewesen.

Diese Beispiele mögen genügen, es gibt in dieser Art viele weitere. Darunter die Tortenwürfe gegen AfD-Mitglieder. Darunter Prof. Dr. Bassam Tibi: „Die Tyrannei der Willkommenskultur: In Merkels Deutschland erlebe ich keine westliche Kultur mehr.“ Darunter Henryk M. Broder: „Was wir derzeit importieren, ist das Lumpenproletariat von morgen.“ Darunter in „Tichys Einblick“: „Das ZDF macht Wahlkampf für die AfD“ von Fritz Goergen. Darunter (nochmals) Anja Reschke von der ARD zur sogenannten Flüchtlingskrise: „Wir haben viel geschafft.“ Ob Frau Reschke Flüchtlinge bei sich aufgenommen hat? Beispielgebend? Realitätsnah? Zu vernehmen war davon bisher nichts.

Fazit: Die AfD muss ihren politischen Gegnern geradezu dankbar sein. Aber, bitte, die Dankbarkeit nicht übertreiben.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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