04. März 2016

Volker Beck Der tiefe Fall des Moralapostels

Die Polizei sollte in alle Richtungen ermitteln

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Bildquelle: Rosa Funken(CC BY-SA 3.0)/Wikimedia commons Hielt vermutlich den Stress nicht mehr aus: „Drogen-Junkie“ Volker Beck

Plötzlich und unerwartet wurde die Öffentlichkeit gestern vom politischen Tod eines scheinbar unerschütterlichen Politprofis überrascht. Der innen- und religionspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, wurde laut Medienberichten am Dienstagabend gegen 23 Uhr beim Verlassen einer polizeibekannten Dealerwohnung mit 0,6 Gramm Crystal Meth erwischt. Beck legte daraufhin sofort alle seine Ämter nieder, will aber Bundestagsabgeordneter bleiben. Eine Erklärung will Beck nicht abgeben, das soll sein Anwalt irgendwann tun.

Diese Eile ist verdächtig. Schließlich ist Crystal Meth, wie Grünen-Fraktionschef Hofreiter stammelte, „keine ganz einfache Droge“. Es sei „immer bedauerlich, wenn jemand solche Drogen nimmt“. Es gibt keine klare Distanzierung der Fraktionsführung von Beck, nur „Unterstützung“, „Gespräche“ und „Kümmern“. Die Grünen, die sonst mit Verurteilungen und der Forderung nach Konsequenzen schnell bei der Hand sind, versuchen das Problem zu umgehen, indem sie Beck als bedauernswertes Opfer seiner Drogensucht hinstellen. Heute morgen habe ich im Deutschlandfunk gehört, wie anstrengend und stressig so ein Bundestagsjob sei, so dass die Einnahme eines Aufputschmittels nicht verwunderlich sei. Nun: Ich persönlich habe 16 Jahre Bundestag auch ohne Drogen gut überstanden.

Zu befürchten ist, dass die Affäre Beck von der politischen Klasse ganz schnell beerdigt wird. Hoffen kann man bestenfalls, dass die Polizei sich nicht unter Druck setzen lässt und in alle Richtungen ermittelt. Dazu gehört auch die Frage, für wen das Crystal Meth bestimmt war. Diese Droge wirkt innerhalb kürzester Zeit so persönlichkeitsverändernd, dass es den Bundestagskollegen von Beck aufgefallen sein müsste, wenn er sie über einen längeren Zeitraum eingenommen haben sollte. „Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass der kontrollierte Konsum von Crystal möglich ist“, sagt ein Suchtexperte. Von Paranoia, Depressionen, Angstzuständen, Verfolgungswahn und Psychosen, nicht selten Selbstmordphantasien, war bei Beck im Regierungsviertel nie die Rede. Becks politische Hyperaktivität, er soll der Abgeordnete sein, der die meisten Presseerklärungen und Statements absonderte, ein Zeichen von Drogensucht? Eher nicht, dafür handelte der Mann zu berechnend.

Seine letzte Twitter-Aktion vor dem Fall war eine Kampagne gegen die angebliche Forderung der CDU Schleswig-Holstein nach Einführung einer „Schweinefleischpflicht“ in öffentlichen Kantinen. Dass dies eine „platte Falschbehauptung“ ist, kann man in einem klugen Artikel von Sascha Lobo nachlesen. Beck heizte die Debatte kräftig an, mit mehreren Tweets: „Wer Schweinefleisch für einen Wert des christlich-jüdischen Abendlandes hält, ist eine arme Sau.“ Den Tweet gab es mit und ohne Bildchen von Beck. Beck hat sich in der Vergangenheit als Meister des Leugnens und der Irreführung der Öffentlichkeit erwiesen. Nun ist der schrille Moralapostel gestolpert und Gegenstand von zahllosen Tweets, die ihm gar nicht gefallen dürften.

Als im Jahr 2013, mitten im Bundestagswahlkampf, ein Text von Beck bekannt wurde, in dem er eine „Strafabsehklausel“ für pädophile Straftäter und eine „Evaluierung der Schutzaltersgrenze“ forderte, behauptete er, der Herausgeber des Sammelbandes „Der pädosexuelle Komplex“ habe den Inhalt seines Beitrags „im Sinn durch freie Redigierung gefälscht“. Diesen Vorwurf hielt er in einem großen Interview aufrecht, das er am 30. August 2013 der „taz“ gab. Er bezeichnete sich in diesem Interview als Bürgerrechtler und Kinderschützer.

Als aufflog, dass Beck gelogen hatte, weil die angebliche „Fälschung“ lediglich die Einfügung eines Zwischentitels und eine Veränderung der Überschrift war, der Text selbst aber unverändert blieb, war Beck keineswegs bereit, die Maßstäbe, die er an andere anlegte, für sich selbst gelten zu lassen. Auch die Grünen zogen lediglich die Konsequenz, ihr Zugpferd aus der ersten Reihe zurückzuziehen. Beck durfte nicht mehr Fraktionsgeschäftsführer sein, nur noch Sprecher. Beck beeilte sich, von seinen früheren Positionen als „unsäglich“ abzurücken, und fuhr fort, munter weiter das hohe moralische Ross zu reiten.

Darin gleicht er Sebastian Edathy, der sich ähnlich wie Beck als das moralische Gewissen der Nation aufspielte, am Fließband Andersdenkende als „Nazis“ denunzierte und heimlich auf seinen Bundestagscomputer Bilder von minderjährigen Jungen herunterlud, aus seiner Sicht ganz legal. Wer ihn im Bundestag vor den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gewarnt hat, konnte auch ein Untersuchungsausschuss nicht klären.

Im Falle des SPD-Bundestagsabgeordneten Hartmann, der auch innenpolitischer Sprecher seiner Fraktion war und den Kauf von 0,1 Gramm Crystal Meth eingestehen musste, wurde die Erklärung akzeptiert, dass er aus Arbeitsüberlastung die Droge genommen habe. Er wurde von der damaligen Generalsekretärin der SPD Fahimi zum Betreuungsfall erklärt. Damit war die Sache für die Politik abgeschlossen. Wir dürfen gespannt sein, ob der Fall Beck auch so gehandhabt wird.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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Dossier: Volker Beck und die Drogen

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