29. Februar 2016

Anlegertypen Nicht jeder ist ein Warren Buffett

Bei der Selbstanalyse hilft Ihnen kein Bankberater

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Bildquelle: shutterstock Wichtig vor der Anlageentscheidung: Selbsterforschung

Bevor Sie den Fuß auf das Börsenparkett setzen, sollten Sie wissen, was für ein Anlegertyp Sie eigentlich sind. Das Thema ist wichtiger, als Sie denken. Das Problem: Dabei hilft Ihnen kein Bankberater.

Es gibt Investoren, die ihr Geld langfristig in Aktien anlegen. Sie ignorieren Kursschwankungen und bleiben über viele Jahre und Jahrzehnte in einer Aktie engagiert. Sie glauben an Sachwerte und vermeiden Papiergeld und Bonds als Kapitalanlage.

Doch nicht jedem Geldanleger ist diese Art des Investierens zu empfehlen. Mancher hat einfach nicht den Langmut und die Nerven, Aktienpositionen so lange zu halten. Anderen ist es viel zu langweilig, und es juckt ihnen in den Fingern, auch mal Aktien zu verkaufen. Sie möchten lieber im Lauf der Zeit auch andere Aktienchancen wahrnehmen. Wiederum andere brauchen das Erfolgserlebnis, sich mit realisierten Kursgewinnen brüsten zu können.

Hier geht es nicht so sehr darum, welche der beiden Strategien zu mehr Erfolg führt: Echter Langfrist-Anleger versus De-facto-Kurzfrist-Spekulant. Jedem Geldanleger ist dringend anzuraten, herauszufinden, zu welcher Kategorie er gehört. Dabei muss er ehrlich in der Selbstanalyse mit sich umgehen. Es hilft nichts, erfolgreiche oder prominente Großinvestoren nachzuahmen oder deren Mantra nachzubeten.

Ein gutes Beispiel hierzu ist der „Fall“ Warren Buffett aus Omaha. Mit seiner Langfrist-Strategie, über Jahrzehnte engagiert zu bleiben und nur selten Aktienblöcke oder Unternehmen zu verkaufen, hat er eine phantastische Lebensleistung hingelegt. Er wird von vielen Kleinaktionären und Investoren geradezu verehrt. Seinen Worten wird andächtig gelauscht. Zur Hauptversammlung ins abgelegene Omaha pilgern Tausende. Sie alle versuchen, ihm nachzueifern, um auch so ein kluger Investor zu werden.

Doch nicht jeder besitzt das Psychogramm eines Warren Buffett. Und da kann der andächtige Investor 20-mal nach Omaha reisen, er wird nie das gleiche Nervenkostüm besitzen wie das „Orakel von Omaha“. Buffetts Berkshire-Hathaway-Portfolio lässt sich nicht eins zu eins ins eigene Depot übertragen.

Es klingt natürlich gut, wenn man sich als weiser Investor gibt, der – genau wie Buffett – besonnen und langfristig sein Kapital verwaltet... Dem die Börsenturbulenzen nichts ausmachen. Der auch 2008 immer ruhig geschlafen hat. Der sich im August 2015 im Sommerurlaub nicht über die plötzlich fallenden Kurse geärgert hat.

Doch die Frage ist: Sind Sie wirklich so gestrickt? Vor allem Geldanleger aus angesehenen Berufen oder vornehmen Kreisen tun sich schwer, sich zu „outen“. Welcher Steuerberater oder Rechtsanwalt gibt gerne zu, dass er ein nervöser Zocker ist? Welcher Generalbevollmächtigte einer Industriellenfamilie bekennt mit Freude, dass er besonders von den unseriösen Spekulationen fasziniert ist?

Aus meiner langjährigen Erfahrung steht für mich fest: Es spielt keine Rolle, ob Sie dabei sind, ihre erste Aktie zu kaufen, oder schon seit Jahren mit mäßigem Erfolg hin und her „wurschteln“. Eine Selbstanalyse ist das A und O. Und da hilft Ihnen kein Bankberater oder Vermögensverwalter. Diese Leute werden Ihnen nicht schonungslos den Spiegel vorhalten. Wer an der Börse auf Dauer mit Freude und Erfolg sein Kapital investieren möchte, muss genau wissen, mit wem er es „auf der Kommandobrücke“ zu tun hat. Sie selbst sind das eigentliche Risiko. Ihre Anlagestrategie muss mit Ihrem Charakter und Ihrer Natur übereinstimmen. Wenn Sie das schaffen, werden Sie sich in Ihrer Haut viel wohler fühlen. Und es würde mich gar nicht überraschen, wenn plötzlich auch Ihre Performance sich verbessert. Nur so werden Sie konsequent und systematisch Geld anlegen können. Andernfalls werden Sie immer wieder mit den Börsenstürmen aus der Kurve getragen werden.

Mein Tipp: Wenn Sie die Selbsterforschung ganz alleine einfach nicht schaffen, dann laden Sie mal jemanden zu einem vertraulichen Gespräch ein, der Sie noch gut aus Ihrer Kindergarten- oder Grundschulzeit kennt. Da waren Sie nämlich noch so, wie Sie wirklich sind. Erst danach fing es an, dass Sie „verbogen“ wurden.

Tja, die Börse ist doch für vieles gut...

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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