29. Juni 2016

Geldanlage Informationsflut und Herdentrieb

Der Investor muss sich in das Leben begeben

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Bildquelle: shutterstock Gefährlich für Anleger: Herdentrieb

Die meisten Geldanleger werden Opfer von Informationsflut und Herdentrieb. Da hilft nur eins: Sich mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzen.

Verständlicherweise suchen Geldanleger nach Erklärungen, warum manche von ihnen erfolgreich sind und viele eben leider nicht. Eine ganze Industrie von Beratern, Buchautoren, Publizisten, Veranstaltern und „Pseudo-Gurus“ lebt davon, Wege zum Erfolg beim Thema Geld und Kapital aufzuzeigen. Die zahlenden Geldanleger versuchen, ihren Idolen nachzueifern, und pilgern wie die Lämmer zu Seminaren und Kongressen.

Oberschlaue Trittbrettfahrerei

Andere wiederum verbringen ganze Tage auf Anlegermessen. Eine besondere Spezies von Interessierten sitzt zunehmend stundenlang vor dem Laptop, um andächtig populären „Webinaren“ zu lauschen. Und das alles im Bemühen, kostenlos einige Tipps und Anlageideen „aufzuschnappen“. Begierig warten sie darauf, endlich den Zauberschlüssel zum Anlageerfolg in die Hände zu bekommen. Eine fatale Mischung aus unreflektierter Heldenverehrung und vermeintlich „oberschlauer Trittbrettfahrerei“.

An der Börse ist dies immer schon ein altes Phänomen gewesen. Eins ist sicher: Auf diese Weise kommen Amateure niemals aus dem Status der Unbeholfenheit heraus. Der verstorbene ungarische Börsianer André Kostolany hat schon vor dem Zweiten Weltkrieg immer wieder betont: „Nirgends auf der Welt trifft man auf mehr Dummköpfe auf einem Quadratmeter als auf dem Börsenparkett.“

Den Zeitgeist richtig interpretieren

Der Ausgangspunkt zum dauerhaften Anlageerfolg liegt auf einem ganz anderen Gebiet. Es geht nicht um Finanzmathematik, Analysen von Kursverläufen oder „Banken-Fachchinesisch“. Das sind alles Nebelbomben. So erstaunlich es klingen mag, für mich steht fest: Das A und O ist der Umgang mit der Epoche und den Zeitumständen, in denen der Geldanleger lebt.

Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Der Investor muss in der Zeit leben, in die das Schicksal ihn nun mal gesteckt hat. Ob er es mag oder nicht. Ob er die Bedingungen als günstig oder ungut empfindet. Ganz gleich. Ein sich Festklammern an die Historie, eine geistige Flucht in die „gute alte Zeit“ und das Aufsetzen von Scheuklappen führen zu keinem Finanzerfolg.

Der Investor muss sich voll und ganz in das Leben begeben sowie all seine Facetten beobachten und verfolgen. Ein mürrisches und verärgertes sich Aussondern bringt nichts. Stattdessen heißt es mit hellwachen Augen das Zeitgeschehen betrachten. Ein Gespür entwickeln, was wirklich in der Welt vor sich geht. Gute Investoren entwickeln ein sicheres Gefühl für die wahren Trends und Entwicklungen.

Opfer der Manipulation

Und hier kommen wir nun zum entscheidenden Punkt, zur eigentlichen Herausforderung. Denn wer mitten im Leben steht und sich mit seiner Epoche intensiv auseinandersetzt, der läuft Gefahr, von den Tagesereignissen und der Medienflut verblendet zu werden. Er meint zwar, dass er die Dinge richtig sieht, in Wirklichkeit wird er jedoch von der Medienlawine mitgerissen. Und so wird er unmerklich vom Herdentrieb der vorherrschenden Stimmungslage erfasst.

Hier liegt die größte Gefahr für den Geldanleger. Der Herdentrieb an den Finanzmärkten entsteht nicht zufällig. Die Stimmungslage der Massen ist das Ergebnis gezielter Maßnahmen von einflussreichen Marktteilnehmern. Eine Allianz aus einflussreichen Drahtziehern und Medienmanipulation. Immer wieder ist zu beobachten, wie renommierte, weltweit operierende Finanzhäuser in kritischen Marktphasen mit extremen Prognosen die Anleger aufschrecken.

Dazu gibt es eine lange Reihe von Beispielen von Top-Finanzadressen. „Der Ölpreis wird unter 20 US-Dollar fallen und wird auf Jahre nie mehr steigen“ – „Die Aktien sind viel zu teuer, und die Kurse werden um 30 Prozent einbrechen“. Aus meiner Erfahrung kann ich nur folgendes sagen – allen Alarmmeldungen aus dem Großbankensystem ist fast immer eines gemeinsam: Genau das Gegenteil wird eintreten.

Privatanleger als Schuttabladeplatz 

Vor Jahren formulierte ein mir nahestehender Investor es ganz einfach so: „Manche Großbank benutzt seit jeher die Privatanlegerschaft gezielt als Schuttabladeplatz für ihre eigenen Industrie- und Investment-Banking-Interessen.“ Er zählte mir eine Reihe „schöner Beispiele“ auf, die ich hier aus rechtlichen Gründen nicht nennen kann. Besonderen Respekt habe ich vor den Spielern an der New Yorker Börse. Ich hatte das Glück, dass mir ein „alter Hase“ und reicher Investor schon früh eingebleut hat: „Pass bloß auf, die besten Verkäufer der Welt sitzen in der Wall Street.“ Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage hat selbst schon manche deutsche Sparkasse in den Jahren 2008 und 2009 am eigenen Leib beziehungsweise in ihrer Verlustrechnung erleben dürfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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