18. November 2015

Paris und die Folgen Die „Neuordnung“ der Welt schaltet in den Turbo

Und das ist leider erst der Anfang

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Bildquelle: ChameleonsEye / Shutterstock.com Koregisseur des IS: Obama

Nach den schrecklichen Anschlägen in Paris vom ... nein, warten Sie. Ich fange nochmal neu an. Nach den unaussprechlichen Verbrechen in Paris vom 13. November 2015, bei denen ... seltsam. Irgendetwas daran gefällt mir nicht. Okay, dritter und letzter Versuch: Am 13. November 2015 ermordeten Terroristen, die sich zum IS bekannten, in einer beispiellosen Anschlagsserie in Paris ...

Es geht einfach nicht. Die Sätze klingen für mich merkwürdig hohl, unfertig, oberflächlich, heruntergespult. Nicht etwa deshalb, weil sie unangebracht wären, ganz im Gegenteil – ja, es handelte sich um grauenhafte Morde. Mit den Adressaten solcher Kondolenzbekundungen habe ich auch überhaupt kein Problem – allerdings ein sehr großes mit manchen Absendern. Und weiß ehrlich gesagt auch nicht mehr, wie ich noch auf die Doppelmoral und abstoßende Heuchelei reagieren soll, mit der gewisse politische „Eliten“ die Ereignisse vom 13. November ohne die allergeringsten Skrupel und ohne jedes Zögern sofort in den Schraubstock von Zwecken spannten, die schon lange vor der neuesten Terrorwelle in Frankreich bestanden.

Wenn ausgerechnet ein Obama, in dessen Amtszeit – das ist heute völlig unstrittig, das hat nichts zu tun mit den üblichen und erwartbaren, falschen Vorwürfen des „westlichen Selbstzerfleischungsdranges“, nichts mit „Nestbeschmutzung“, nichts mit „Relativierung“ und „Aufrechnung“, erspart mir in Gottes Namen solches Leergeschwätz, werte Herrschaften aus der politmedialen Schweige- und Leugnerspirale – eben jene Formen des Terrors in großzügigster Manier mit Geld und Waffen beschenkt und als „moderate Kräfte“ ausgegeben wurden, um andere Länder weichzukochen und sturmreif zu schießen, angesichts des Horrors von Paris nun von einem „Angriff auf die Menschheit“ spricht, sollte er sich nicht wundern, wenn im Abspann sein Name als Koregisseur genannt wird, und mehr noch: Er kann sich gleich mit auf die Anklagebank setzen, zusammen mit seinem Außenminister und vielen anderen Politikern (beileibe nicht nur aus den USA), die immer wieder vorschlugen, man könne zur Erreichung außen- und geopolitischer Ziele doch „gemäßigte“ Mörder unterstützen, so wie man es in Libyen gemacht hatte, wo die Herzchen von al-Qaida Zuwendungen erhielten, um das Land ins Chaos zu werfen; so wie man es auch in Syrien praktiziert, und das schon seit Jahren; so wie regelmäßig über vom IS kontrollierten Gebieten Waffen und Nachschub versehentlich aus Transportflugzeugen fielen; so wie man diesen Schlächtern  bei ihren Zerstörungs- und Tötungsorgien zusah und nur scheinbar etwas gegen sie unternahm, in Wahrheit nämlich gar nichts, weil sie ein geostrategisches Plansoll zu erfüllen halfen; so wie man seit geraumer Zeit auch in Berlin eine „Flüchtlingspolitik“ von der Leine lässt, die die Wahrscheinlichkeit solcher Anschläge – und das ist keineswegs übertrieben, es ist kein „Populismus“ und keine „Panikmache“ – auch in Deutschland drastisch erhöhen dürfte angesichts der Tatsache, dass sich unter den Asylsuchenden, worauf Sicherheitsbehörden bereits seit längerem hinweisen, der eine oder andere IS-Milizionär befinden könnte (Schätzungen sprachen schon von mehreren hundert, eventuell gar mehr als 1.000 eingesickerten Kämpfern).

Auch wenn es einigen nicht passt: Dieser Terror kam nicht aus dem Blauen. Er ist auch die Konsequenz einer kriminellen, kaltschnäuzigen, an Menschenverachtung dem Treiben des IS in nichts nachstehenden, mörderischen und blutgetränkten Politik, deren zahlreiche Opfer es bislang leider nicht auf die Titelseiten schafften, umkränzt von Fotos brennender Kerzen und frischen Schnittblumen; Opfer, für die kein Obama, kein Cameron, kein Hollande, keine Merkel und andere „Repräsentanten“  bisher Worte der Anteilnahme übrig hatten. Das Geschäft des IS ist brutaler Mord – das Geschäft seiner Unterstützer Beihilfe dazu.

Kurz, wenn der derzeit größte Terrorsponsor des Planeten nun Tränen verdrückt, wende ich mich angewidert ab. Wenn ein deutscher Außenminister von der saudischen Regierung, die ebenfalls tief in genau dieses „Terrormanagement“ verstrickt ist, als wichtigem Verbündeten spricht, wenn ein solches, selbst mit viel gutem Willen nur schwerlich als philanthropisch zu bezeichnendes Regime als „Stabilitätsanker in der Region“ ausgegeben wird, bitte ich solche Stimmen hiermit höflich darum, mir ihre Trauermienen doch lieber zu ersparen.

Der IS speiste und speist sich aus Kämpfern unterschiedlicher arabischer beziehungsweise muslimischer Staaten, zudem aus Franksteinschen Terrorkreationen unleugbar bester Weltgenesungsideologen und -strategen. Bei einem der Attentäter von Paris soll nun ein Pass gefunden worden sein. Kein irakischer. Kein afghanischer. Kein libyscher. Oder libanesischer. Ein jemenitischer? Auch nicht. Ein saudischer? Nö. Oder iranischer? Nope. Sondern ein syrischer, also ein Ausweisdokument eben jenes Landes, das auf einer schon vor mehr als einem Jahrzehnt sorgfältig ausgearbeiteten Liste mehrerer Länder steht, die man unbedingt befreiglücken möchte. Was bisher allerdings nie so recht gelingen wollte. Es dauerte keine gefühlte Sekunde, und schon rasselten die Säbel. Nun müsse man in Syrien aber mal so richtig durchgreifen. Solche Verlautbarungen erfolgten noch vor jeder gesicherten Erkenntnis über die Hintergründe der Täter. Ich spare mir an dieser Stelle jeden weiteren Kommentar dazu, was mir auch gar nicht gelänge, denn soviel Schäbigkeit macht mich ebenso sprachlos wie die Barbarei der Attentäter. Auf dem Rücken der Toten und unter Ausnutzung der Wut und Trauer von Angehörigen sowie Bürgern lange gehegte Kriegspläne durchsetzen zu wollen, ist unverzeihlich.

Zu leiden unter den Attacken hatten Unbeteiligte, Unschuldige. Zu ihrer Trauer kann und werde ich nichts sagen, denn das steht mir nicht zu. Ich kann sie nicht ermessen. Ihnen gilt mein ganzes, schweigendes Mitgefühl. Ich werde aber definitiv auch in Zukunft sehr deutliche Worte finden für diejenigen schwerkriminellen politischen Nachtschattengewächse, diejenigen Pharisäer,  Jakobiner und Philister, Verbrecher, Heuchler und Lügner, die sich nun in scheinheiligster Manier verwundert zeigen über Angriffe einer Terrormiliz, die sie nachweislich mit aufbauten, begünstigten und gewähren ließen.

Wäre der IS eine genuin islamische Erscheinung, ginge er tatsächlich nur auf Wurzeln in den entsprechenden Ländern zurück, wäre an den derzeit wieder aufgekochten Argumenten beziehungsweise der Falschbehauptung, es handele sich hier um einen islamischen Angriff auf den Westen, ja nichts auszusetzen. Ist er aber nicht. Tatsache ist, dass er Hilfe von außen bekam. Tatsache ist, dass die Angriffskriege vom Irak bis Libyen ihm großen Zulauf bescherten, was selbst US-Generäle schon offen und sichtbar zerknirscht über die Brandstifter-Politik ihrer Vorgesetzten zugaben. Tatsache ist, dass er ein willkommener Einfluss zur Destabilisierung Syriens war und bis heute ist. Eine Bedrohung, die – dies sei hiermit vorausgesagt – auch in Zukunft  dazu hergenommen werden wird, angesichts der drohenden Verschärfung hausgemachter wirtschaftlicher Probleme Bürger mit weiteren und zunehmend totalitären Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen zur Gewährleistung einer „Sicherheit“ zu überziehen, die bislang Anschläge wie „Charlie Hebdo“ oder die jüngsten in der französischen Metropole auch nicht zu verhindern halfen – und auch in Zukunft nicht werden, darauf ist leider jetzt schon Verlass. Und das nicht nur in Europa, sondern auch in Amerika.

Denn – das ist die erschütterndste und perverseste Tatsache – sie werden noch gebraucht. Sobald sich die frisierten Bilanzen, sobald sich die geschönten Schuldensummen, sobald sich die halluzinogenen Konjunkturdaten nicht mehr länger verschweigen, selbst unter größter massenpropagandistischer Anstrengung nicht mehr umdeuten lassen und als das Lügengebilde offenbart werden, das sie sind, sobald in den eigenen vier Wänden zum Schneiden dicke Luft aufziehen wird, bis hin zu drohenden Aufständen und Unruhen, wird diese „Trumpfkarte“ ausgespielt – daran habe ich nicht den allergeringsten Zweifel. So schlimm es klingen mag: Paris war erst der Anfang.  

Ich empfinde das Gerede über „den Westen“, der sich hier im Krieg befinde, aus vorgenannten Gründen als unterträglich. Nein, „der Westen“ ist nicht im Krieg. Die herrschenden Machteliten sind im Krieg – wobei sie regelmäßig Fußsoldaten als „Vorhut“ nutzten und nutzen, die sich nun zunehmend gegen die heimischen Bevölkerungen zu richten drohen. Ja, der Islamische Staat hat „dem Westen“ den Krieg erklärt – nachdem er von Psychopathen auch in den eigenen Reihen befeuert, ausgerüstet, bestallt und genährt wurde. Wer damit nicht klarkommt, wer sich dieser bitteren Wahrheit verweigert, wird damit höchstens zur Verschlimmerung der Situation beitragen. Wer spätestens jetzt nicht endlich scheuklappenfrei darüber berichtet, spielt nicht nur dem Terror in die Hände, sondern auch denjenigen, die ihn für ihre gesellschaftspolitischen Ziele der „Neuordnung“ der Welt ausgiebig nutzen werden – wie die nahe Zukunft beweisen wird.


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