05. September 2015

Buch von Horst Demmler über die Öko-Partei Wider den grünen Wahn

Das Erbe der 68er

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Bildquelle: shutterstock Grünes Hundeleben: Reis oder Frolic?

In Helldeutschland sollte man besser schon in Pension sein, bevor man ein fundamentalkritisches Buch zum herrschenden Zeitgeist veröffentlicht.

Horst Demmler, 26 Jahre lang Professor an der Justus-Liebig-Universität Gießen ist einer dieser Pensionäre, die nun ihrem Unmut Luft machen. Er liefert mit kühler, wissenschaftlicher Präzision eine Analyse, was fatal falsch läuft in unserer Gesellschaft, seit die Grünen den Zeitgeist und damit die Politik dominieren.

Im ersten Kapitel von „Wider den grünen Wahn“ erinnert Demmler daran, dass die Grünen das Erbe der 68er angetreten haben. Diese Kinder der NS-Generation hatten in ihrem Bekenntnis zur deutschen Schuld ein Mittel zur moralischen Selbstüberhöhung gefunden. Sie lernten von den 68ern, im Hochgefühl ihrer „unangreifbaren moralischen Überlegenheit die Rolle des Wächters und Warners, wie auch die des jederzeit sprungbereiten Anklägers zu übernehmen“. Ihre „allzeit verfügbare moralische Entrüstung“ dient dazu, Andersdenkende zu verteufeln, sie „in die Sümpfe der moralischen Diskreditierung zu treiben und aus der Gemeinschaft der Gutmenschen und Anständigen auszuschließen“. Dabei braucht „man kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man zum schlechten Gewissen für andere wird“. So wird der aggressive Moralist zum Inquisitor. Demmler erinnert in diesem Zusammenhang an den Fall des Bundestagspräsidenten Philipp Jenninger, der durch einen inszenierten moralischen Entrüstungssturm zum Rücktritt gezwungen wurde. Noch gravierender ist das Beispiel einer Kleinen Anfrage der Grünen im Deutschen Bundestag von 2010, die von Jürgen Trittin und Renate Künast unterzeichnet wurde. Darin wollten die Grünen die „Position der Bundesregierung zur Leugnung des Klimawandels “ wissen und erfahren, ob „Klimaleugnern“ etwa vom Liberalen Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung „ein Diskussionsforum“ geboten würde. Hauptsächlich beschäftigten sich die elf Fragen mit dem jüdischen Wissenschaftler Fred Singer, der mit allen Mitteln angeschwärzt wurde. „Eine solche Herabwürdigung eines angesehenen – wenn auch umstrittenen – Gelehrten habe es seit der Zeit des Dritten Reiches nicht mehr gegeben“, resümiert Demmler.

Obwohl die apokalyptischen Szenarien, denen die Grünen ihren Aufstieg verdanken, sich allesamt als Hirngespinste erwiesen haben, was der Autor ebenso überzeugend wie lückenlos nachweist, haben sie die Politik maßgeblich beeinflusst.

Zwar blieb es weitgehend folgenlos, dass die Grünen in ihrem Wahlprogramm Kabel- und Satellitenfernsehen, Breitband-ISDN, die Digitalisierung des Fernsprechnetzes und vieles mehr ablehnten, aber die rote Gentechnik konnte 15 Jahre lang erfolgreich behindert werden, nachdem der damalige hessische Umweltminister Fischer 1984 Hoechst eine Versuchsanlage zur Herstellung von humanem Insulin mittels Bakterien verweigert hat. Deutschland verlor für lange Zeit den Anschluss an die internationale Spitzenforschung. Das trifft nicht nur auf die Genforschung zu, sondern auf fast alle anderen Forschungszweige auch.

Überaus erfolgreich waren die Grünen in der Klimapolitik. Hier machten sie mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz Geschichte. Seither werden die „Erneuerbaren“ ausgebaut, koste es, was es wolle. Als Umweltminister ließ Trittin 2004 noch verkünden, dass „die Förderung erneuerbarer Energien einen durchschnittlichen Haushalt nur rund einen Euro im Monat kostet – so viel wie eine Kugel Eis“. Inzwischen kostet es einen solchen Haushalt jeden Tag im Jahr eine Kugel Eis, und ein Ende dieser Kostenspirale ist nicht abzusehen.

Die Frage ist, ob die ausufernde deutsche Förderung, im Kern ein gigantisches Umverteilungsprogramm von unten (den Verbrauchern) nach oben (der Ökolobby), auch zum Ziel führt. Als das IPPC in seiner Summary for Policymakers feststellte, „dass bei einem Emissionshandelssystem mit verbindlich festgesetzter Gesamtemissionsmenge die Subventionierung erneuerbarer Energien die Emissionen nicht vermindert“, kam es schon mal zur Fälschung von Amts wegen. In der deutschen Version heißt es: „Der Emissionshandel beeinträchtigt die Wirkung anderer Maßnahmen, es sei denn die Anzahl der Zertifikate wird flexibel angepasst.“ Das glatte Gegenteil der originalen Aussage.

Demmler führt noch mehr Beispiele von Amtshilfe für den grünen Zeitgeist an. Im Jahr 2013 gab das Umweltbundesamt eine Broschüre mit dem Titel „Und sie erwärmt sich doch“ heraus. Das war der Versuch, eine wissenschaftliche Kontroverse von Amts wegen zu entscheiden. Gleichzeitig wird in dieser Broschüre Rufmord an Wissenschaftlern und Journalisten begangen, darunter mehrere Achse-Autoren, deren Ansichten das Amt für falsch hält. In dieser Broschüre wurde den Dissidenten unterstellt, nicht die entsprechende Fachausbildung zu haben, um sich zum Klimawandel äußern zu können. Als die Namen der anfangs anonymen Autoren der Broschüre bekannt wurden, stellte sich heraus, dass keiner von ihnen eine solche Fachausbildung hatte.

Von den vielen Themen, die Demmler behandelt, kann ich nur noch drei anreißen. Er stellt im vierten Kapitel den „Dioxin-Skandal“ der EHEC- Katastrophe gegenüber. Zur Erinnerung: Ende 2010 wurde bekannt, dass dioxinbelastetes Futterfett, das von einem Produzenten von Biodiesel stammte, in Hühner- und Schweinefutter gelangt war.

Von 89 Eiern eines betroffenen Hofes wiesen acht einen erhöhten Dioxingehalt auf. Bei einer anderen Untersuchung von 163 Proben fanden sich bei drei Eiern und zwei Hühnerfleischproben erhöhte Dioxinwerte. Selbst wenn Verbraucher wochenlang nur solche belasteten Eier gegessen hätten, wären keine gesundheitlichen Schäden aufgetreten. Aber der Volkszorn wurde angeheizt. Die Grünen forderten das Ende der konventionellen Landwirtschaft und härteste Strafen für „Lebensmittelvergifter“. Infolge der Empörungswelle schloss die damalige Landwirtschaftsministerin Aigner zeitweilig 5.000 (!) landwirtschaftliche Betriebe und verursachte damit einen Schaden von mehr als 100 Millionen Euro.

Ganz anders war die Reaktion auf die EHEC-Katastrophe. Nur wenige Wochen nach dem von der grünen Empörungsmaschinerie kreierten „Dioxinskandal“ erkrankten in Deutschland 3.842 Menschen, zum Teil schwer, an einer durch EHEC-Bakterien ausgelösten Krankheit. 53 Menschen starben. Es war der bislang größte weltweit beschriebene Ausbruch. Von Skandal oder Lebensmittelvergiftern war weder in den Medien noch von der Politik die Rede. Obwohl es bald Hinweise auf kontaminierte Bio-Sprossen gab, wurde dieser Spur vom Robert-Koch-Institut lange nicht nachgegangen.

Als endlich klar war, dass der Verursacher ein Bio-Gartenbaubetrieb der ersten Stunde war, wurde in der offiziellen Stellungnahme jeder Hinweis auf Bio vermieden. Es war nur von Gartenbaubetrieb A die Rede. Erst im Juni 2011 wurde der Bevölkerung empfohlen, bis auf weiteres Sprossen und Keimlinge nicht roh zu verzehren. Selbstverständlich gab es keine vorsorglichen Sperrungen von Bio-Betrieben.

Ein besonders bitteres Kapitel ist das von grünen Lobbyisten durchgesetzte DDT-Verbot, das die westlichen Länder dann weltweit verhängten, teils mittels ökonomischer Erpressung, obwohl DDT das beste Mittel zur Bekämpfung der Malaria ist, die nach wie vor Millionen von Todesopfern fordert.

Erst 2006, nach 25 Jahren und geschätzten 50 Millionen vermeidbaren Todesopfern, hat die WHO ihren Kurs geändert und den Einsatz von DDT zur Bekämpfung von Malaria gebilligt. In Madagaskar sanken nach Wiederaufnahme des DDT-Einsatzes die Todesfälle um 90 Prozent!

Ähnlich rücksichtslos gegenüber den Ärmsten der Welt verhält sich der Kampf gegen die grüne Gentechnik. Mehr als zwei Milliarden Menschen leben von Reis, dem es an Vitamin A fehlt. Dieser Vitamin-A-Mangel führt bei Kindern häufig zu Blindheit. Um dem abzuhelfen, entwickelten die Forscher Ingo Potrikus und Peter Beyer den mit Vitamin A angereicherten „Goldenen Reis“. Die an der Weiterentwicklung beteiligten Konzerne verzichteten auf Drängen von Potrikus und Beyer auf Lizenzgebühren, so dass der Reis kostengünstig an Kleinbauern weitergegeben werden konnte. Sehr zum Missfallen der Grünen, die ihren Kampf gegen die grüne Gentechnik bedroht sehen.

„Goldener Reis und andere Versuche, Hunger mittels Gentechnik zu beseitigen, schaffen – völlig unnötig – unkalkulierbare ökologische Gefahren. Zudem ist es menschenverachtend, ein spezielles Nahrungsmittel für Arme zu entwickeln, angereichert wie optimales Viehfutter. Goldener Reis oder Frolic im Zehn-Kilo-Sack – wo ist da der Unterschied?“ Das schreibt Jürgen Trittin in seinem Buch „Welt um Welt“ auf Seite 149. Die grüne Denke entlarvt sich selbst am gründlichsten.

Horst Demmler, Wider den grünen Wahn (amazon.de)

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Achse des Guten.


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