11. Dezember 2014

Gender Die deutsche Sprache wird entmannt

Ein totalitäres Prinzip

Mit dem Rundfunk schwenkt ein gewichtiger Sprachgestalter aufs Gender-Mainstreaming ein. Das generische Maskulinum wird endgültig verpönt. Laut Medienberichten empfiehlt der Bayerische Rundfunk in einem internen Kommuniqué seinen Journalisten „geschlechtergerechte Formulierungen“ – das müsste dann natürlich „richtig“ heißen: seinem journalistischen Personal, oder so. Aus Feuerwehr- und Fachmännern sollen künftig entsprechende -leute werden. Publikum ersetzt Zuhörer und Zuseher. Und ein Leiter abstrahiert sich in „fairer Sprache“ selbst zur Leitung. Bitte, das ist doch einfach lächerlich. Wie weit will man denn dieses imaginäre „Sprache bestimmt das Sein“ noch weiter treiben? In der deutschen Grammatik legen auch bestimmte Endungen und Bedeutungen das Geschlecht fest. Wörter auf -ling, -ant oder -or haben zum Beispiel stets maskulines Genus. Deswegen ist es „der Lehrling“, „der Informant“ und „der Moderator“, nicht weil das irgendetwas mit Männlichkeit im gesellschaftlichen Sinne zu tun hätte. Das ist bloße Grammatik. Nicht sehr logisch, aber althergebracht und äußerst virtuos verwendbar.

Mit sprachlichen Bezeichnungen werden tatsächlich keine Rollenmodelle in die Wirklichkeit getragen – man könnte sich ja sonst die ganze Diskussion um die Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten sparen, heißt es doch schon immer „die Führungskraft“ und die „Aufsicht“. Und wie müsste nicht jeder echte Mann sprachgeschädigt vereinsamen, wird er doch in der Mehrzahl nur mit dem weiblichen Artikel akzeptiert.

Die Unverhältnismäßigkeit dieses egalitären Sprachradikalismus gipfelt im Missbrauch der Begriffe „Gerechtigkeit“ und „Fairness“. Der Verwendung der tradierten Sprache und Grammatik wird damit pauschal böse Absicht unterstellt. Ein klassisch totalitäres Prinzip: Alle, die nicht für uns sind, sind gegen uns. Das Gender-Mainstreaming offenbart sich an dieser Stelle als Versuch der Sprachdiktatur. Deswegen geht das allen freisinnigen Frauen und Männern in diesem Lande gewaltig auf den Keks. Deswegen sollte sich die öffentliche Hand nicht vor den Karren einer kleinen fundamentalistischen Minderheit spannen lassen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Facebook-Blog „Neues aus Absurdistan“.


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