15. August 2014

Ukraine-Konflikt Das Kartenhaus

Lügen, Halbwahrheiten und Propaganda

Dossierbild

Wer geglaubt hätte, das Niveau der hiesigen Massenmedien hätte mit der „Berichterstattung“ über den Libyen-Krieg, den Syrien-Konflikt und der Dauerkampagne gegen Russland und Präsident Putin (Stichworte: Chodorkowski, Pussy Riot) bereits seinen Tiefpunkt erreicht, sieht sich leider getäuscht.

Im Rahmen des aktuellen Ukraine-Konflikts fallen die letzten Hemmungen. Die einseitig wertende Kommentierung weicht zunehmend offener Hetze, die teilweise an schlimmste Zeiten gemahnt. So in der Gestaltung des Titelblattes des vom „Sturmgeschütz der Demokratie“ zum US-hörigen Propagandablatt mutierten „Spiegel“, das hinter dem marktschreierischen Titel „Stoppt Putin jetzt!“ die Gesichter der Opfer der Flugzeugkatastrophe von MH 17 neben einem Putin-Konterfei darstellt und damit dem Leser suggeriert, es handele sich tatsächlich um Opfer des russischen Präsidenten. Ein gewisser Herr Streicher wäre angesichts dieser perfiden und durch keinerlei Fakten belegten Unterstellung zweifellos neidisch gewesen. „Die Russen sind unser Unglück“ war ja auch damals ein gängiger Slogan. Dass sich die Redaktion nach Leserprotesten nicht entblödete, die Kritiker zu beschimpfen und die Entgleisung auch noch zu rechtfertigen, bezeichnete der Medienjournalist Stefan Niggemeier zutreffend als „argumentativen Bankrott“, wobei meines Erachtens der moralische Bankrott des Blattes noch offenkundiger ist. Es ist nicht weniger als widerwärtig und verabscheuenswürdig, die Opfer einer Katastrophe im Sinne der eigenen politischen Agenda zu instrumentalisieren, vor allem angesichts der Tatsache, dass die Umstände des Abschusses und vor allem die Täter bis heute – zumindest offiziell – unbekannt sind.

Inzwischen ist es ruhig geworden im bundesdeutschen Blätterwald um den Absturz von MH 17 – verdächtig ruhig. Weder haben die USA die angeblich die Rebellen belastenden Satellitenfotos veröffentlicht, noch hat das Regime in Kiew die vom Geheimdienst SBU beschlagnahmten Aufnahmen der Tower-Kommunikation internationalen Ermittlern ausgehändigt. Die Auswertung der von den Rebellen an Malaysia übergebenen Flugschreiber findet nicht etwa unter internationaler Kontrolle statt, sondern beim  US-Hauptverbündeten Großbritannien (dann hätte man sie auch gleich der CIA übergeben können) und zeitigt eigenartigerweise auch keine präsentierbaren Beweise. Und kein einziges bundesdeutsches Massenmedium, keiner der doch sonst so tüchtigen hiesigen „Enthüllungsjournalisten“ stellt kritische Fragen.

Jenseits des westlichen Medienkartells ist man da weniger zurückhaltend, wie zum Beispiel die Artikel der chinesischen „Epoch Times“ und der malaysischen „New Straits Time“ belegen. Bereits am 30. Juli titelte die deutschsprachige „Epoch Times“: „MH 17 ‚False Flag’-Operation von USA und Ukraine? Diese Indizien sprechen dafür“ und listet eine ganze Reihe von Fragen auf, die bis heute der Beantwortung harren. Am 7. August legte die regierungsnahe malaysische „New Straits Time“ nach, indem sie sich auf US-amerikanische Geheimdienstinformationen berief und einleitend ausführte:Intelligence analysts in the United States had already concluded that Malaysia Airlines flight MH17 was shot down by an air-to-air missile, and that the Ukrainian government had had something to do with it.“ („Geheimdienstanalysten in den Vereinigten Staaten waren bereits zu dem Schluss gekommen, dass der Malaysia-Airlines Flug MH 17 von einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen worden war und dass die ukrainische Regierung etwas damit zu tun gehabt hatte.“) Und selbst in den USA gibt es Stimmen wie die des Enthüllungsjournalisten Robert Perry, die die offizielle Version Washingtons akribisch zerpflücken. In Deutschland dagegen wagen es nur Außenseiter-Publikationen, die Ungereimtheiten zu thematisieren, während sich der mediale Mainstream damit beschäftigt, was wohl die bösen Russen mit ihren vorgeblichen Hilfslieferungen vorhaben, die sie der rechtschaffenen und fürsorglichen ukrainischen Regierung unterjubeln wollen.

Die plumpe Propagandalüge beziehungsweise -unterstellung ist allerdings nicht die einzige Methode der Manipulation der öffentlichen Meinung. Hilfreich und erprobt ist auch das gezielte Verschweigen unerwünschter Informationen. Ein kleines Beispiel soll das verdeutlichen:

Am 6. August 2014 veröffentlichte Amnesty International einen Bericht, in dem die Organisation dem ukrainischen Führer der Radikalen Partei, Oleh Ljaschko, und den von ihm angeheuerten bewaffneten Schlägern Entführung und Folter in der Ost-Ukraine vorwirft. Das ist insofern von Interesse, als Herr Ljaschko Mitglied des Kiewer Rumpfparlaments ist und bei der Präsidentschaftswahl immerhin acht Prozent der Stimmen erhielt. Es geht also nicht um eine Splittergruppe, sondern um ein Mitglied des Establishments des Kiewer Regimes. Und wie reagierten die hiesigen Medien? Gab DPA (nein, das steht nicht für „Deutsche Propaganda-Agentur“) eine Meldung heraus, die dann von allen Medien gleichlautend veröffentlicht wurde, wie es im umgekehrten Fall (Kritik an den „Separatisten“) stets der Fall war? Natürlich nicht. Bis heute erwähnte keine einzige bundesdeutsche Zeitung diesen offiziellen Bericht! Ich halte das zwar für einen ausgewachsenen Medienskandal, aber offenbar handelt es sich um die gängige Praxis, über die sich inzwischen niemand mehr aufregt.

Die Wahrheit oder wenigstens eine etwas objektivere Sicht der Dinge einzufordern, ist hierzulande längst zum Kampf gegen Windmühlen geworden. Wer es dennoch versucht, wird als „Verschwörungstheoretiker“ oder „Putin-Versteher“ diffamiert, als sei der Versuch, die Handlungen der Gegenseite nachzuvollziehen, etwas Ehrenrühriges. Deshalb frage ich mich inzwischen auch nicht mehr, was die Strichjungen in den bundesdeutschen Redaktionsstuben sehen, wenn sie sich morgens im Spiegel betrachten. Ich bin überzeugt, sie halten sich für rechtschaffene Menschen. Und das ist das eigentlich Schlimme. Denn eines Tages wird das Kartenhaus aus Täuschung, Selbstgerechtigkeit  und Überhebung zusammenbrechen, und dann werden sie nackt dastehen wie Andersens Kaiser ohne Kleider. Falls es sie und uns dann überhaupt noch gibt ...


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